König von Deutschland

„Das alles, und noch viel mehr, würd‘ ich machen, wenn ich König von Deutschland wär‘!“, tönte Rio Reiser 1986. Im Jahr 2013 verwandelt sich Olli Dittrich in den Regenten des Landes. Statt Krone trägt er allerdings mausgraue Anzüge, und statt Kaviar isst er am liebsten Schnitzel mit Pommes. Denn dieser König von Deutschland ist der König des Durchschnitts. Mit seinem Debüt drehte Regisseur David Dietl eine Komödie über einen Biedermann, der über sich hinauswachsen muss. An seiner Seite: Veronica Ferres als Ehefrau.

Webseite: www.koenig-derfilm.de

Regie, Buch: David Dietl
Darsteller: Olli Dittrich, Veronica Ferres, Wanja Mues, Katrin Bauerfeind, Jomas Nay, Jella Haase
Produktion: Frisbeefilms
Kamera: Felix Novo de Oliveira
Länge: 97 Minuten
Verleih: Zorro Film
Kinostart: 5. September 2013

PRESSESTIMMEN:

"David Dietl hat sich für seine Gesellschaftssatire eine tolle Story ausgedacht und Olli Dittrich mit einer Glanzrolle beschenkt …Dietl gelingt ein cooler, schwarzhumoriger Hyperrealismus."
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Lieblingsfarbe: Blau. Lieblingsbuch: „Der Herr der der Ringe“. Um 23.04 Uhr im Bett, um 6.18 Uhr wieder raus. Täglich vier Stunden fernsehen, 37 Minuten lesen und 15 Minuten mit der Ehefrau unterhalten. So sieht das Leben von Thomas Müller (Olli Dittrich) aus. Alles Durchschnitt, sogar seine eintönige Ehe mit Frau Sabine (Veronica Ferres) und seine Verständigungsprobleme mit Sohn Alexander (Jonas Nay). Dann allerdings verliert Thomas urplötzlich seinen Job bei einem Landkartenhersteller. Seine Welt gerät in eine gefährliche Schieflage. Aber dann ist da der smarte Stefan Schmidt (Wanja Mues), der ihm wie aus dem Nichts einen Job bei seiner Beratungsfirma Industries Unlimited anbietet. Komisch nur, dass Thomas hier eigentlich gar nichts zu tun hat, außer seine Meinung zu allem und jedem abzugeben: welches Bier er trinkt, welche Krawatte er mag, was seine politischen Ansichten sind. Thomas wird misstrauisch. Und findet heraus, dass er von Stefan an der Nase herumgeführt wird.

Wurde auch Zeit, dass Olli Dittrich nach „Die Relativitätstheorie der Liebe“ wieder ins Kino zurückkehrt. Dittrich ist vielleicht nicht der König von Deutschland, aber allemal einer der besten Komiker des Landes. Dass auch ein versierter Schauspieler in ihm steckt, zeigte er spätestens 2004 in „Stauffenberg“ als Goebbels. Und Dittrich liebt es, mithilfe völlig verrückter Masken überzeugend in andere Figuren zu schlüpfen, nicht zuletzt in TV-Werbespots. Niemand könnte wohl den deutschen Jedermann besser spielen als eben Dittrich.

Allein deshalb ist es schade, dass sich die Misere der deutschen Kinokomödie mit „König von Deutschland“ trotzdem fortsetzt. Dabei klingt die Idee, einen Film über den Durchschnittsdeutschen zu drehen, verlockend. Schließlich hat Loriot, mit dem Dittrich bis zu dessen Tod befreundet war, aus dieser Thematik seine besten Sketche und Filme destilliert. An den Witz und die satirische Leichtfüßigkeit Loriots reicht das Drehbuch zu „König von Deutschland“ jedoch nie heran. Die von Regie-Debütant David Dietl verfasste Geschichte thematisiert auf recht ermüdende Weise die Durchschnittlichkeit selbst, indem sie ihre Hauptfigur als das lebende statistisch errechnete Mittelmaß zeigt. Der daraus entstehende Witz erschöpft sich jedoch schnell. Übrig bleibt ein weit hergeholter Plot, der wegen seiner Unglaubwürdigkeit keine satirischen Funken schlägt. Schade, dass Dietl auch inszenatorisch nicht viel einfällt. Seinem Film fehlen Tempo, Rhythmus und eine eigenständige Bildsprache. Auch Veronica Ferres‘ Rolle als nörgelnde Ehefrau erweist sich als undankbar.

Wer Olli Dittrich mag, sollte trotzdem ins Kino gehen. Immerhin ist er in fast jeder Szene zu sehen und drückt dem Film so seinen Stempel auf. Dass mehr in dieser Geschichte steckt, zeigen die leider nur angedeuteten tragischen Aspekte, die Dittrich wunderbar herausarbeitet.

Oliver Kaever

Thomas Müller ist, was man bösartigerweise einen Spießer nennen könnte. Er lebt mit seiner Frau Sabine und seinem Sohn Alexander halbwegs glücklich zusammen.

Er verliert seinen Job, warum weiß er nicht. Vielleicht wurde da etwas Undurchsichtiges eingefädelt – wie sich später herausstellen wird. Wenigstens macht seine Arbeitskollegin Ute ihm noch manchmal Freude.

Sabine bangt jetzt um das ersehnte eigene Haus. Der Haussegen seinerseits hängt bereits schief. Alexander macht Rockmusik, seine Freundin ist die Mira.

Thomas trifft auf einen gewissen Stefan Schmidt, der ihm scheinbar einen Job verschafft. Thomas muss dafür allerlei Untersuchungen über sich ergehen lassen, glaubt jedoch, er habe das große Los gezogen. In Wirklichkeit wird er manipuliert, beobachtet, missbraucht.

Als ihm langsam bewusst wird, dass etwas nicht stimmen könnte und sein Sohn sich deshalb mit ihm zusammen tut, arbeiten andererseits Stefan und Sabine zusammen, um das erklärte Ziel zu erreichen: nämlich offenbar lebensnah, materiell und gesellschaftlich, aber auch vom Unterbewusstsein und vom Ideellen her den deutschen „Durchschnittsbürger“ sogar wissenschaftlich zu erkennen, der politisch manipulierbar ist. Denn so soll eine Wahl gewonnen werden.

Thomas und Ute machen dem jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das in diesem Zusammenhang veranstaltete Spiel „König von Deutschland“ verliert Thomas absichtlich.

Eine originelle Idee ziemlich professionell vergegenständlicht. Man gab sich in Sachen Verhalten, schauspielerische Darstellung, Ausstattung, Kostüme, Farben, Wohnungen, aber auch Meinungs- und Marktforschung sichtlich Mühe, um wirklich den „Durchschnitt“ greifbar zu machen. Das ist gelungen.

Natürlich musste der „Ditsche“ diese Rolle spielen. Olli Dittrich glänzt auch hier wieder. Veronika Ferres (Sabine) musste in eine grantige, undankbare Rolle schlüpfen – und das tat sie auch.

Thomas Engel