Krabat

Der Betteljunge Krabat geht in einer Mühle in der Lausitz in die Lehre.  Doch sehr bald entpuppt sich diese als Hort der Schwarzen Magie, denn der Meister lehrt seinen Gesellen nicht allein das Müllerhandwerk. Regisseur Marco Kreuzpaintner erfüllte sich einen persönlichen Wunschtraum und verfilmte die beliebte Romanvorlage von Otfried Preußler. Das mit großem Budget produzierte Ergebnis ist ein gelungener Mix aus Fantasy, Abenteuer und Coming-of-Age-Drama.

Webseite: www.krabat-derfilm.de

Deutschland 2007
Regie: Marco Kreuzpaintner
Darsteller: David Kross, Daniel Brühl, Christian Redl, Robert Stadlober, Paula Kalenberg, Anna Thalbach, Hanno Koffler, Charly Hübner, Moritz Grove
120 Minuten
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 09.10.2008

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

Die Lausitz zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Nachdem Gevatter Tod seine an der Pest erkrankte Mutter zu sich holt, macht sich der 14-jährige Waisenjunge Krabat davon und zieht über das Land. Begleitet von zwei vagabundierenden Jungen, versucht er bettelnd seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Von düsteren Träumen heimgesucht, verlässt er seine Leidensgenossen und folgt dem Ruf seines neuen Meisters. Wie durch eine innere Stimme geleitet, führt ihn sein Weg zu der Schwarzen Mühle im Koselbruch. Ein geheimnisvoller Ort, der jedoch zunächst nur Gutes verheißt. Der Müllermeister scheint den Bettelbruder bereits zu erwarten. Ohne große Umschweife bietet er Krabat an, bei ihm in die Lehre zu gehen – ein Bett zum Schlafen und warmes Essen inbegriffen. Nichts Böses ahnend und aus der Not seiner Situation heraus, willigt der sofort ein.

Am nächsten Morgen wird er von den anderen Müllersburschen geweckt. Es sind Elf an der Zahl und allesamt begegnen den Neuen mit Argwohn und Ablehnung. Lediglich Tonda, der die Gruppe anführt, nimmt sich seiner an. An seiner Seite beginnt er den harten Alltag in der Mühle, die durch einen unerbittlichen Meister geführt wird. Doch der lehrt seine Gesellen nicht nur in der Kunst des Mahlens. Tatsächlich handelt es sich bei der Mühle um eine Zauberschule. In Raben verwandelt fliegen des Meisters Zöglinge über Wälder und Landschaften. Und wer erst einmal als Schüler aufgenommen wurde, kann dem Hort der Schwarzen Magie nicht mehr entrinnen. Ebenso ergeht es Krabat, der, nach anfänglicher Faszination, gegen seinen Herrn aufbegehrt. Doch nur die Kraft der Liebe macht es möglich, den mächtigen Meister zu überwinden und der zerstörerischen Kraft dieses unheilvollen Ortes zu entkommen. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt.

Otfried Preußlers („Der Räuber Hotzenplotz“, „Das kleine Gespenst“) gleichnamige Buchvorlage zieht seine Leser bereits seit den frühen 70er Jahren in den Bann. Der auf einer sorbischen Sage basierende Roman wurde 1972 mit dem deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet und gilt bis heute als beliebte Schullektüre. So kam auch Regisseur Marco Kreuzpaintner („Sommersturm“) bereits in Kindheitstagen erstmalig mit dem Krabat-Stoff in Berührung. Er war sofort fasziniert von der fantastischen Welt, in der die Titelfigur sich bewegte. Die Faszination blieb und die Kinoadaption der Geschichte wurde zur Erfüllung eines großen Wunschtraums.

Mit dem Budget einer Großproduktion machte sich der gelernte Kunsthistoriker auf nach Bottrop, um in den Studios des hiesigen Movieparks mit erheblichem Aufwand und einem beachtlichen Cast den Zweikampf des Zauberlehrlings mit seinem Meister auf Celluloid zu bannen. Das Ergebnis ist eine bildgewaltige Verfilmung, die wie ein großes Fantasy-Epos daherkommt. Eine deutsche Produktion, die sich rein visuell ohne weiteres mit internationaler Konkurrenz messen lassen kann.

Gleichzeitig ist hier eine werkgetreue Umsetzung gelungen, die weitgehend authentisch die Szenen des Romans einfängt. Die Grundstimmung ist im positiven Sinne düster und fängt die mystische Welt der Vorlage gekonnt und atmosphärisch dicht ein. Die Figuren sind glaubwürdig und werden durch eine hochkarätige wie durchweg überzeugende Darstellerriege verkörpert. Darunter glänzen Daniel Brühl und Robert Stadlober in recht ungewohnten Rollen sowie David Kross ("Knallhart"), der hier als Sagenfigur Krabat brilliert. Alles in allem ein gelungener Mix aus Fantasy, Abenteuer und Coming-of-Age-Drama, dem es lediglich mitunter an Tempo und insgesamt an Höhepunkten mangelt.

Gary Rohweder

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Der von einem halben Dutzend Institutionen geförderte Film über Otfried Preußlers viel verkauften und viel gelesenen Jugendroman gleichen Namens spielt während des 30jährigen Krieges, in dem man sein Leben leicht durch Kampfhandlungen, Hunger oder die Pest einbüßte. Der 14jährige Krabat verliert so seine Mutter, zieht eine Zeitlang mit zwei anderen Jungen bettelnd durch die Lande, hört eines Tages eine innere Stimme, die ihn zu einer Mühle führt.

Es ist keine Mühle wie andere. Sie wird von einem Zaubermeister geführt, der über ein Dutzend Gesellen gebietet. Krabat tut sich schwer, sich einzufügen, denn die Haltung seiner Mitgesellen ist eher feindselig. 

Langsam dringt er aber dann in das Leben der Mühle und ihre Geheimnisse ein. Sie steht im Banne der schwarzen Magie, gehört der „Dunklen Seite“ an. Der Zaubermeister fordert vollständige Eingliederung und Disziplin, lehrt dafür seine Schüler Übernatürliches, etwa sich unsichtbar zu machen oder durch Zeit und Raum zu fliegen. Krabat trifft auf die schöne Kantorka. Für die Zugehörigkeit zur Mühle ist das schlecht, denn der Meister duldet keine Fremden. Krabat aber will Kantorka wieder treffen und für sich gewinnen.

Der Zauberer seinerseits kann nur weiterleben, wenn seine Untergebenen einmal im Jahr in einen tödlichen Wettstreit treten. Krabats engster Freund kommt dabei um, und nun erkennt Krabat, dass er nicht der schwarzen Magie verfallen darf, sondern den Meister besiegen muss. Auf wen kann er dabei zählen? Nur auf Juro, den vermeintlichen Dummkopf, der ihm Zugang zu jenen Mysterien verschafft, die ihn lehren, den Willen anderer zu beherrschen. Der Meister versucht noch, Krabat auf seine Seite zu ziehen, ihm seine Nachfolge mit aller Macht und allem Reichtum anzubieten. Krabat aber setzt auf die Liebe, auf Kantorka. Wer wird die Konfrontation gewinnen?

Gut gegen Böse, Liebe gegen Macht, Freundschaft gegen Magie, Vertrauen gegen Surreales, das ewige Spiel. Selbst wenn einer die Geschichte und Handlung – von den jungen Darstellern unter ihnen Daniel Brühl, Robert Stadlober, Anna Thalbach sowie David Kross in der Titelrolle bestens bewältigt – für sehr phantasmagorisch halten würde, so müsste er doch absolut den Hut ziehen vor dem strengen, echten, dem Mysteriösen der Sache Rechnung tragenden Filmstil, den Marco Kreuzpaintner hier konsequent verfolgte.

Nicht bloß für Schüler und Jugendliche. 

Thomas Engel