Kusswechsel – Kein Vorspiel ohne Nachspiel

Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus. Darum geht es in allen Filmen des italienischen Regisseurs Fausto Brizzi, so auch in seinem jüngsten Werk, das in Italien ein großer Erfolg war. In lose verbundenen Episoden erzählt „Kusswechsel – Kein Vorspiel ohne Nachspiel“ in leichtem, bisweilen schlüpfrigem Tonfall von den Liebeswirren italienischer Paare. Leichte Sommerunterhaltung mit etlichen in Italien sehr berühmten Komödianten.

Webseite: www.senator.kusswechsel.de

Femmine contro maschi
Italien 2011
Regie: Fausto Brizzi
Buch: Fausto Brizzi, Marco Martani, Massimiliano Bruno, Valeria Di Napoli
Darsteller: Claudio Bisio, Nancy Brilli, Ficarra & Picone, Francesca Inaudi, Luciana Littizzetto, Emilio Solfrizzi
Länge: 98 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 9. Juni 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In Deutschland hießen die Filme „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“ oder „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“: Filme, in denen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in episodischer Struktur nicht gerade gelöst, sondern eher beschrieben wurden, um am Ende schulterzuckend zu konstatieren: So ist es eben und daran kann man auch nichts ändern. Vergleichbare Filme kommen aus vielen Ländern, nur zu unterscheiden durch gewisse regionale Eigenheiten. In Italien hieß zum Beispiel „Maschi contro femmine“, also „Männer gegen Frauen“, dem angesichts des großen Erfolges die (lose) Fortsetzung „Femmine contra Maschi“ folgte, die nun unter dem Titel „Kusswechsel – Kein Vorspiel ohne Nachspiel“ in die deutschen Kinos kommt.

Anhand von vier Paaren aus der Mittelschicht zeigt der Beziehungskomödien erfahrene Fausto Brizzi die eigentlich unvereinbaren Unterschiede zwischen Mann und Frau auf: Anna ist mit Piero verheiratet, der fußballverrückt und untreu ist. Durch einen Unfall verliert er sein Gedächtnis, so dass Anna die Gunst der Stunde nutzt und ihn dazu bringt den Fußball zu hassen, Literatur zu lieben, selbstverständlich treu zu sein und auch noch den Haushalt zu übernehmen. Das sie mit dieser Perfektion auch nicht zufrieden ist, liegt auf der Hand.

Marcello und Paola haben ganz andere sorgen: Längst leben sie nicht mehr zusammen, halten aber der Schwiegermutter zuliebe den Schein einer Ehe aufrecht. Als diese nun schwer erkrankt, bittet sie ihren Sohn, ihre letzten Tage mit ihm und der Familie verbringen zu dürfen.

Valentina ist Sportlehrerin, die ihrem etwas vertrottelten Freund Rocco den Posten des Hausmeisters an ihrer Schule besorgt hat. Doch Rocco tauscht lieber Fußballbilder mit den Kindern, statt sich um seine Arbeit zu kümmern, und so kommt es wie es kommen muss: Valentina setzt Rocco vor die Tür. So zieht er bei seinem Jugendfreund Michele ein, sehr zum Unwillen von dessen Frau Diana, der Michele zudem verheimlicht, dass er und Rocco immer noch ihrem Jugendtraum nachhängen und in einer Beatles-Coverband spielen.

Viel Lug, Trug und Verheimlichungen bestimmen Fausto Brizzis Film, der es allerdings nicht darauf anlegt, Paarbeziehungen zu sezieren. Stattdessen durchzieht „Kusswechsel“ ein leichter, oft etwas alberner Humor, in dem das sprichwörtliche südländische Machoverhalten zur liebenswerten Macke wird. Männer sind eben so, behauptet der Film immer wieder. Lieber Fußball schauen als abwaschen, lieber Freunde treffen als sich um die Frau kümmern und auch die ein oder andere Affäre kann man ihnen nach Jahren der Ehe doch nicht ernsthaft verübeln. Progressiv ist das Männer- und Frauenbild, das Rizzi hier ausbreitet, wahrlich nicht. Selbst die hiesigen Vertreter der Beziehungskomödie sind da meist schon weiter. Nur wenn man sich von der Erwartung an zumindest ansatzweise emanzipiertes Paarverhalten frei macht, kann man „Kusswechsel“ als zwar sehr altmodische, aber amüsanten Film über Paarbeziehungen goutieren.

Michael Meyns

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