La Buena Vida – Das gute Leben

Die  mitreißende Dokumentation "La bunea vida" von Regisseur Jens Schanze begibt sich in die dichten Waldgebiete im Norden Kolumbiens, in denen die Ureinwohner ein Leben im Einklang mit der Natur führen. Dieses Leben wird jedoch durch die Ausbreitung des kommerziellen Rohstoffabbaus vehement bedroht. Die Folgen sind Umsiedlung und letztlich schlechtere Lebensbedingungen. Den fast aussichtlosen Kampf um den gewohnten, so wichtigen Lebensraum schildert der Film am Beispiel einer indigenen Gemeinschaf. "La buena vida" macht klar, wie Wohlstand und Wachstum auch bei uns in Deutschland auf ganz unmittelbare Weise mit dem Leid dieser Völker verbunden sind.

Webseite: www.dasguteleben-film.de

Deutschland , Schweiz 2015
Regie: Jens Schanze
Drehbuch: Jens Schanze
Länge: 97 Minuten
Verleih: Camino
Kinostart: 14. Mai 2015

FILMKRITIK:

Im Norden Kolumbiens leben die Ureinwohner seit langem im Einklang mit der Natur. Der Wald ist die Quelle des Lebens, er versorgt die Bewohner mit Nahrung und Wasser. Doch dieses Gebiet ist auch rohstoffreich, was internationale Konzerne immer mehr und kostengünstig für sich nutzen wollen – zum Leidwesen der Indio-Gemeinschaften, die immer öfter  aus ihrem natürlichen Lebensraum verdrängt werden.  So auch die Wayúu-Gemeinschaft, deren Existenz von der größten Kohle-Förderungsstätte der Welt bedroht wird. Die Kohlemine Cerrejón ist 700 Quadratkilometer groß, bereits auf wenige Kilometer vor das Dorf herangerückt und soll künftig weiter vergrößert werden. Und das alles letztlich nur, weil in westlichen Industriestaaten wie etwa Deutschland der Energiekonsum kontinuierlich steigt.

Vom Kampf dieser kleinen Gemeinschaft gegen schier übermächtige Wirtschaftskonzerne und ausbeutende Minen-Betreiber sowie die geplante Umsiedlung des Dorfes handelt die brillante und ungemein aufwühlende Dokumentation "La buena vida" von Dokufilmer Jens Schanze. Das Thema ist für Schanze nicht neu, schon in "Otzenrath 3° kälter" (2007) berichtete er von der Umsiedlung dreier Dörfer am Niederrhein, die dem erweiterten Braunkohletagebau weichen mussten.

Bereits seit 2012 begleitete Regisseur Schanze die Dorfbewohner, darunter auch den energischen, jungen Anführer der Wayúu, Jairo Fuentes. "La buena vida" zeigt Fuentes bei den Verhandlungen und Gesprächen mit dem verantwortlichen Konzern, die ihn 2014 sogar bis zur Aktionärsversammlung des Betreibers in die Schweiz führten. Denn für den jungen Indio ist der Dialog die "beste Waffe des Menschen". Bei der Versammlung reklamierte Fuentes die fehlende Wasserversorgung im Dorf. Obwohl die Umsiedlung an den neuen Standort schon im Jahr davor begann, war die Situation im neuen Dorf zum Zeitpunkt der Versammlung in der Schweiz äußerst schwierig. Zwar standen am neuen Ort modernere Häuser anstelle der alten Lehmhütten sowie Gas und Strom zur Verfügung, die Probleme mit der Wasserversorgung, der allgegenwärtige Staub und die schlechte Qualität des Bodens sorgten jedoch für erschwerte Lebensbedingungen.

All diese tragischen Konsequenzen des Rohstoffabbaus für die dortigen Völker macht der Film deutlich. Die Gesichter der Dorfbewohner bei der mit Plänen und Karten veranschaulichten Besprechung der Umsiedlung mit Experten bzw. Verantwortlichen sprechen Bände: Trauer und Enttäuschung stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Was hilft die Aussicht auf Strom und Gas, wenn man aus dem natürlichen, jahrhundertelang bewohnten Lebensumfeld brutal verdrängt wird und sich das neue Dorf auf einem unbrauchbaren Trockengebiet befindet. Einer der Dorfbewohner bringt es schließlich auf den Punkt: " Sie wollen uns so billig wie möglich hier weghaben".

Alles in allem führt der Film ungeschminkt und nahhaltig vor Augen, wie wir alle ein Stück selbst die Verantwortung für die Lebensqualität dieser Ureinwohner in Südamerika tragen – entscheidet darüber doch letztlich der steigende Energiebedarf jenseits des Ozeans in Ländern wie Deutschland, England oder Holland. Denn dort wird durch die Kohle aus Südamerika das angenehme bzw. gute Leben, also das "buena vida", sichergestellt.

Björn Schneider