LasVegas

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Das Melodram erzählt in manchmal betörenden, manchmal verstörenden Bildern von der Liebe zwischen dem aufstrebenden Modedesigner Tristan und dem androgynen Paradiesvogel Sunny, der gar nicht anders kann, als hart am Rand des Abgrunds zu existieren.
Kolja Malik, der Regie geführt und das Drehbuch geschrieben hat, ist ein emotionales, wuchtiges Melodram gelungen, das – auch wegen der exzellenten schauspielerischen Leistungen – das Publikum berührt.

Deutschland 2023
Regie, Drehbuch und Schnitt: Kolja Malik
Besetzung: Tim-Fabian Hoffmann, Daniel Roth, Robert Stadlober, Thomas Thieme, Nastassja Kinski
Kamera: Jieun Yi

Länge: 100 Minuten
Verleih: farbfilm verleih
Start: 18.01.2024

FILMKRITIK:

Tristan ist ein talentierter Modedesigner, der alles dafür tut, um mit seiner neuen Kollektion endlich den ganz großen Durchbruch zu schaffen. Sein Geschäftspartner und Ex-Lover Frank und sein Vater unterstützen ihn dabei nach Kräften, doch Tristan spürt nur den Druck, der mit ihren Hilfsangeboten einher geht, und den Zwang, erfolgreich zu sein. Er ist erfüllt von Selbstzweifeln und fühlt sich wie ein im Käfig eingesperrter Vogel, als plötzlich Sunny wortwörtlich in sein Leben geflogen kommt. Sunny ist anders, denn Sunny verabscheut die Realität und lebt für den Augenblick, der nach Möglichkeit ein rauschhafter sein sollte. Er ist in allem das Gegenteil von Tristan. Doch zwischen den beiden funkt es, eine flirrende Love Story beginnt. Aber Tristan führt diese Liebe wider besseres Wissen auch dann weiter, als er Sunnys dunkle Seiten kennenlernt. Realität, Rausch und Fantasie verschwimmen, bis die Träume sich in Seelenschmerzen auflösen.

Kolja Maliks Debütfilm überzeugt auf Anhieb, weil er eine sehr eigene Erzählweise gefunden hat, bei der die Emotionen ganz offen im Mittelpunkt stehen. Er folgt den Gefühlen seines Protagonisten und lässt den Zuschauer mitfiebern, und das gilt vor allem für die unbedachten Entscheidungen, die Tristan trifft: Diese Entscheidungen, die sich nur an seinen Gefühlen und nicht daran orientieren, was die Gesellschaft ihm als „Vernunft“ aufoktroyiert, sind der Motor des Melodrams, und sie lassen Tristan an seinen Aufgaben wachsen. Mit „LasVegas“ präsentiert Malik ein modernes, sehr emotionales Melodram voller Gefühle, zu denen auch Schmerz und Leid gehören.

Neben den beeindruckenden Bildern, die Malik gefunden und montiert hat, ist es das herausragende Schauspielensemble, das entscheidend zur emotionalen Wucht des Films beiträgt. Gegen Daniel Roth anzuspielen, der die Flamboyanz, die Faszination und den Fatalismus, die in Sunny stecken, geradezu vibrierend verkörpert, ist sicherlich keine leichte Aufgabe, doch Tim-Fabian Hoffmann besteht sie mit Bravour: Sein Tristan steht keinesfalls im Schatten des großen Verführers Sunny, sondern er wächst im Laufe des Films zu einer zerrissenen, vielschichtigen Persönlichkeit heran. In kleineren Rollen zeigen unter anderem Nastassja Kinski, Thomas Thieme und Robert Stadlober ihr Können, indem sie dreidimensionale, vielschichtig faszinierende Menschen darstellen.

Große Darstellkunst, eine mutige Regie und eine spannende, berührende Geschichte sorgen hier für großes Gefühlskino. Und Las Vegas, Sunnys Sehnsuchtsort, wird zum Symbol für eine Liebe, die für den Moment lebt und Grenzen überschreitet.

 

Gaby Sikorski