Liebeslied

Eines kann man Anne Hoegh Krohns Film wahrlich nicht absprechen: Originalität. Im wahrsten Sinne des Wortes werden in der melodramatischen Liebesgeschichte immer dann, wenn die Emotionen besonders überkochen, Liebeslieder gesungen. Leider mit oft arg banalen Texten, die dennoch nicht verhindern, dass „Liebeslied“ einigen Charme entwickelt und zumindest verdient, als mutiges, gewagtes Projekt wahrgenommen zu werden.

Webseite: www.zorrofilm.de

Deutschland 2009
Regie: Anne Hoegh Krohn
Drehbuch: Anne Hoegh Krohn
Musik: Christian Meander
Darsteller: Nicolette Krebitz, Jan Plewka, Levin Henning, Elisa Richter, Oliver Bröcker, Stephanie Kämmer, Milena Dreissig
Länge: 91 Min.
Verleih: Zorro Film
Kinostart: 10. Dezember 2009
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Man merkt sehr schnell, worauf man sich mit „Liebeslied“ eingelassen hat: Gerade noch ging Nicolette Krebitz als Dinah mit ihren zwei Kindern über die Straße, da befindet man sich plötzlich in einem Saal bei einer Tanzveranstaltung. Gleichzeitig auf der Bühne und in Dinahs Armen: Ihr Mann Roger, gespielt von Jan Plewka, im Hauptberuf Frontmann der jüngst wiedervereinigten Band Selig. Er singt von Liebe, dem großen Glück, alles scheint rosig und wunderbar, die Zukunft offen und verheißungsvoll. Dann ist die Traumsequenz vorbei, Dinah liefert ihre Kinder in der Schule ab und setzt sich an die Supermarktkasse.

Gesungene Emotionen strukturieren also den Film, nicht wirklich in Musicalform, eher in der Art, wie man sie aus französischen Filmen wie Alain Resnais „On Connais la Chanson“ oder Christoph Honores „Les Chansons d’amour“ kennt, vor allem aber aus Lars von Triers „Dancer in the Dark“. Dessen finstere Geschichte, seine erblindenden Hauptfigur, die ihr Unglück nur für Momente, in elaborierten Tanz- und Gesangsnummern vergessen kann, sind deutlichstes Vorbild für Regisseurin Anne Hoegh Krohn. Denn bald beginnt Rogers Hand zu zittern, versucht er sein Scheitern als Bauarbeiter mit Alkohol zu ertränken, doch der Diagnose Parkinson kann er nicht entkommen. Zunächst verheimlicht er Dinah die Diagnose, doch letztlich erweißt sich: Liebe ist stärker als Parkinson.

So flapsig sich das anhört, so unausgewogen ist der Ton von „Liebeslied.“ Meist will er ein bewegendes Melodram sein, dass von einer kleinen Familie erzählt und ihrem Bemühen große Probleme zu überwinden. Immer wieder aber schleichen sich Szenen ein, die so gar nicht dazu passen. Wenn da etwa Roger, von einem Anfall zur Bewegungslosigkeit verdammt, mit Luftschlangen behängt wird, mutet das an als hätte eine Komikertruppe einen Sketch über Parkinson-Kranke gemacht. Aber auch darüber kann man hinwegsehen und landet schließlich bei den Songtexten. Die stammen von Selig und Krebitz, und lassen kein Klischee des Liebeslied aus. Manchmal ist das in seinem Überschwang an Kitsch schon wieder rührend, manchmal aber auch schwer zu ertragen.

„Liebeslied“ ist also ein Experiment, der Versuch einmal etwas anderes zu machen im deutschen Kino, etwas zu riskieren, auch wenn man daran scheitert. Allein das macht ihn sehenswert (auch wenn er weder an den Charme der französischen Vorbilder herankommt noch an die visuelle Brillanz und schonungslose Konsequenz eines Lars von Triers).

Michael Meyns

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