Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer

Bunt und laut läuft auch dieser Kinderfilm von Joachim Masannek ab, der sich schon mit diversen „Wilde Kerle“ und „V8“-Folgen als Spezialist für das etabliert hat, was moderne Kinder mögen. „Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer“ folgt bekannten Mustern, hat viel Action und Hip-Hop zu bieten und dazu noch eine deutliche Moral.

Webseite: lilianesusewindfilm.de

Deutschland 2018
Regie: Joachim Masannek
Buch: Katrin Milhahn, Antonia Rothe-Liermann, Matthias Dinter, Beate Fraunholz, Betty Platz, nach den Kinderbüchern von Tanya Stewner
Darsteller: Malu Leicher, Christoph Maria Herbst, Tom Beck, Aylin Tezel, Meret Becker, Peri Baumeister, Aaron Kissiov
Länge: 98 Minuten
Verleih: SONY
Kinostart: 10. Mai 2018

FILMKRITIK:

Schon wieder sorgt Liliane Susewind (Malu Leicher) für Ärger: Dank ihrer besonderen Gabe, die es ihr erlaubt, mit Tieren zu reden, fordert sie einen Esel zum Wettrennen heraus – der prompt in eine Fernsehaufzeichnung ihrer Mutter (Peri Baumeister) hineinplatzt und sie den Job kostet. Schon wieder heißt es also umziehen, in einer neuen Stadt ankommen, doch diesmal wird alles anders verspricht Liliane. Sie wird nicht mehr mit Tieren reden, nur noch mit ihrem Hund Bonsai.
 
Doch schon am ersten Tag in der neuen Schule geht es auf Exkursion: Ausgerechnet in den Zoo, den Oberst Essig (Meret Becker) zusammen mit Tierpfleger Toni (Christoph Maria Herbst) bald wiedereröffnen will. Doch es gibt ein Problem, denn in den letzten Tagen sind immer wieder Tiere verschwunden. Kein Wunder also, dass Liliane bald ihr Versprechen bricht und sich zusammen mit Jes (Aaron Kissiov), einem findigen Nachbarsjungen, der auf seine Art ebenso wunderlich ist wie Liliane, auf die Suche nach den Tieren macht und sich dabei auch noch gegen ihre eingebildete, aufgetakelte Klassenkameradin Vanessa (Aylin Tezel) zur Wehr setzen muss.
 
Mit ihren roten Haaren, der bunten Kleidung und ihrem außergewöhnlichen Wesen erinnert Liliane Susewind entfernt an Astrid Lindgrens berühmte Heldin Pippi Langstrumpf. Und auch die Moral der von Tanya Stewner erdachten Kinderbuchreihe ähnelt der des möglichen Vorbildes: Um Außenseiter geht es hier wie dort, ums Anderssein, um das Besondere, das von der Gesellschaft oft abgelehnt, weil nicht verstanden wird. Explizit bekommt es Liliane Susewind hier immer wieder gesagt: Du bist etwas Besonderes, du bist anders. Manches Mal sorgt dieses Anderssein für Probleme, aber eigentlich – das ist klar – ist es gerade dieses Anderssein, dass sie auszeichnet.
 
Allerdings ist die Kleinstadt-Welt in diesem Film durch und durch außergewöhnlich bis merkwürdig, angefangen vom verkopften Vater (Tom Beck), der mit schöner Regelmäßigkeit Gegenstände verwechselt, über die Leiter des Zoos, die bunt und wunderlich durch die Gegend laufen, bis hin zur im hautengen Lederkostüm auf Raubzüge gehenden Antagonistin, die ebenfalls kaum aus dieser Welt zu stammen scheint. Ähnlich wie in seinen Filmserien „Die Wilden Kerle“ und „V8“ verschwendet Joachim Masannek auch hier keinen Moment darauf, eine normale Welt zu etablieren, von der sich die ungewöhnlichen Helden abheben, sondern zeigt durch und durch phantastische Welten, in denen die Helden eigentlich gar nichts Besonderes mehr sind.
 
Durch den fast vollständigen Mangel an Bodenhaftung mutet „Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer“ vom ersten Moment überdreht an. Angereichert mit den üblichen Zutaten: Klamauk, deutscher Hip-Hop, bonbonbunte Ausstattung, ist dies ein typischer deutscher Kinderfilm unserer Zeit, der bei der Zielgruppe auf dementsprechend große Zustimmung fällt. So sehr Liliane Susewind äußerlich auch Pippi Langstrumpf ähneln mag: im Inneren ist sie durch und durch ein Wesen des 21. Jahrhunderts.
 
Michael Meyns