Little Miss Sunshine

Sechs überaus ungleiche Familienmitglieder machen sich im klapprigen VW-Bus auf die lange Reise zu einem Schönheitswettbewerb. Die unglaubliche Reise in einem verrückten Volkswagen gerät zur grotesken Satire über Versager und Schönheitswahn. Die grandiose Komödie überzeugt durch Situationskomik, originelle Wendungen sowie ein famoses Ensemble – wobei die Ähnlichkeit des schwulen Onkels mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad nur Zufall ist. Tiefgang + Leichtigkeit = perfekter Arthouse-Film!

Webseite: www.foxfilm.de

USA 2006
Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris
Darsteller: Steve Carell, Toni Colette, Greg Kinnear, Alissa Anderegg, Abigal Breslin, Paul Dano, Alan Arkin
Kamera: Tim Suhrstedt
101 Minuten
Verleih: 20th Century Fox
Start:  30.11.2006

PRESSESTIMMEN:

Ein Gute-Laune-Film mit Biss und schwarzem Humor.
ARD

Das Roadmovie ist die Familienkomödie des Jahres.
Der Spiegel

Eine wunderbar einfallsreiche Komödie in Form eines subversiven Road Movie, das ein sympathisches Hohelied auf die Familie anstimmt und vor allem auch durch die hervorragenden Darsteller vorzüglich unterhält. – Sehenswert.
film-dienst

Eine wunderbare Komödie, so intelligent wie liebenswert.
KulturSpiegel

Die warmherzige Komödie hinterfragt Schönheitsideale (die Miss-Wahl allein ist den Kinobesuch wert) und die fixe Idee, das snur Erfolg den Wert des Lebens definiert. Ein echter Sonnenstrahl in diesem Winter.
Brigitte

FILMKRITIK:

Ehepaare, die gemeinsam Regie führen, sind eine Seltenheit. Dass ein Debüt, zumal eine Komödie, rundum gelungen ausfällt, passiert gleichfalls nicht sehr häufig. Eine ziemliche Rarität also, dieses Familien-Roadmovie-Comedy-Drama, das mit Sicherheit zu den Top Ten des Kinojahres zählt. Ein bisschen erinnern die schrulligen Hoovers an die „Royal Tennenbaums“, wenn nicht gar an die fleischgewordenen „Simpsons“.

 

Opa flog aus dem Altersheim, weil er beim Heroinhandel erwischt wurde. Papa Richard ist ein ehrgeiziger, überambitionierter Motivationsguru – der mit seinem „Neun Schritte zum Erfolg“-Programm freilich kläglich scheitert. Mutter Sheryl ist von Beruf, Haushalt und ihre unbändigen Wahrheitsliebe im Dauerstress. Der 15jährige Sohn, ein bleichgesichtiger Nietzsche-Freak, folgt eisern einem Schweigegelübde und äußert sich nur noch schriftlich. Die pummelige Oliva träumt mit ihren sieben Jahren hinter dicken Brillengläsern vom Sieg in einer Miss-Wahl. Last not least weilt auch noch der schwule Onkel Frank im trauten Heim – liebeskrank und akut suizidgefährdet darf der Proust-Experte nie ohne Aufsicht bleiben. Weil das Schicksal es will (ein Diätpillen-Vorfall hat eine Kandidatin disqualifiziert!), wird die chancenlose Oliva überraschend zum Little Miss Sunshine-Wettbewerb ins ferne Kalifornien eingeladen. Flugtickets kann sich die notorisch finanzklamme Familie nicht leisten, so bleibt nur der klapprige VW-Bus für die lange Reise.

Der Weg wird zum Ziel für die sechs Versager, ein dreitägiger Trip, an dessen Ende in diesem dysfunktionalen Klan nichts mehr so sein wird wie zuvor. Die Ausgangssituation mit einem skurrilen Sextett samt seiner grotesken Ansichten bietet ausreichend dramaturgischen Treibstoff für diese unglaublichen Reise in einem verrückten Volkswagen.

Auf solch solider Comedy-Basis kommt das streitsüchtige Figurenkarussell gekonnt in Fahrt und verliert selten seinen Schwung. Die Situationskomik bleibt angenehm unangestrengt: Von der Leiche im Kofferraum über den mit Pornoheftchen bestochene Polizisten bis zu Onkel Franks Begegnung mit seiner verflossenen Liebe oder der dramatischen Entdeckung von Farbenblindheit. Als Running-Gag im doppelten Sinn entpuppen sich die waghalsigen Startmanöver: Kaum hat die Familie den kupplungsschwachen Volkswagen angeschoben, müssen alle, die Siebenjährige inklusiv, mutig auf ihren rollenden Bully aufspringen.

Pointierte Dialoge, gelungenes Timing sowie ein famoses Ensemble machen aus dieser durchaus ernsthaften Satire über Erfolgswahn und Schönheitsideale eine überaus gelungene Komödie der humanistischen Art. Die Ähnlichkeit des schwulen Onkels mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad mag Zufall sein. Die Ähnlichkeiten der jungen Miss-Mädchen mit kleinen Monstern hingegen ist volle Absicht: Schönheitsreplikanten der völlig unheimlichen Art. Nicht umsonst avancierte diese clevere Komödie in Sundance, Locarno und Deauville zum ganz großen Publikumsliebling – das dürfte sich in Programmkinos wohl wiederholen.

Dieter Oßwald