Logan Lucky

Nur wenige Jahre dauerte die Pause, die Steven Soderbergh vom Kino nahm, nun kehrt einer der originellsten Regisseure Hollywoods zurück, mit einer Mischung aus seinen glatten, aus purer Oberfläche bestehenden „Oceans“-Filmen, und der unterschwelligen amerikanischen Sozialstudie „Magic Mike“. Angesichts dieser Extreme überrascht es nicht, dass „Logan Lucky“ etwas zwischen den Stühlen sitzt. Sehenswert ist „Logan Lucky“ dennoch, allein der filmischen Intelligenz wegen, mit der Steven Soderbergh hier einmal mehr agiert, einer Ambition und Souveränität, wie man sie im amerikanischen Mainstream-Kino momentan nicht allzu oft findet.

Webseite: www.studiocanal.de

USA 2017
Regie: Steven Soderbergh
Buch: Rebecca Blunt
Darsteller: Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth Macfarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Hilary Swank
Länge: 118 Minuten
Verleih: Studio Canal
Kinostart: 14. September 2017

PRESSESTIMMEN:

Die wahrscheinlich beste Unterhaltung in diesem Kinoherbst.
Spiegel Online

FILMKRITIK:

Ein Fluch scheint auf den Logans zu lasten, so sieht es zumindest Clyde (Adam Driver), ein Barkeeper, der im Irak-Krieg seinen Arm verloren hat. Sein Bruder Jimmy (Channing Tatum) wiederum stand einst vor einer viel versprechenden Karriere als Football-Profi, bevor ihn eine Knieverletzung aus der Bahn warf und zu langweiligen Jobs zwang. Doch selbst diese kann er nicht behalten und so steht er wieder einmal vor dem Nichts.
 
Als Lösung plant Jimmy einen gewagten Coup: Eine Auto-Rennbahn soll ausgeraubt werden, doch dazu brauchen die Logans die Hilfe eines Tresorknackers. Doch Joe Bang (Daniel Craig) sitzt noch im Knast, was nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zum erhofften Wohlstand ist.
 
Wie eine groteske Gauner-Klamotte liest sich „Logan Lucky“ und als solche wie ein Gegenstück zu Steven Soderbergh hyperglatter, auf pure Oberfläche abzielender „Oceans“-Trilogie. Dass der Schauplatz nicht die glitzernden Städte Las Vegas oder Los Angeles sind, sondern die ländlichen Staaten West Virginia und North Carolina lässt gar befürchten, dass hier einmal mehr ein Regisseur von der amerikanischen Küste einen Film im so genannten amerikanischen Heartland dreht und sich mehr oder weniger über die Einfalt der Landbewohner lustig macht.
 
Doch das Gegenteil scheint das unterschwellige Ziel von Steven Soderbergh gewesen zu sein, der selbst aus Atlanta, Georgia stammt, also genau weiß wovon er erzählt. Er zeigt Figuren, die auf den ersten Blick ein wenig schlicht anmuten, die sich bisweilen vielleicht etwas dämlich verhalten, die gewiss nicht so weltgewandt und gebildet sind, wie es die Bewohner der Metropolen an den amerikanischen Küsten sind (oder zumindest von sich behaupten), die dafür aber ganz andere Qualitäten haben.
 
Werte wie Familie und Gemeinschaft werden hier groß geschrieben, auch ein Patriotismus, der nicht nur im Ausland oft skeptisch betrachtet wird. Immer wieder deutet Soderbergh diese Welt und ihre Wertvorstellungen an, schneidet von der eigentlichen Handlung zu impressionistischen Momenten, die vom Kern des amerikanischen Wesens erzählen, aber auch von der Schwierigkeit, ihn in der modernen Welt aufrecht zu erhalten. Wirtschaftliche Sorgen werden angedeutet, auch die Machenschaften der Konzerne, der wirtschaftlichen Elite, die ohne Rücksicht auf die einfache Bevölkerung nach Profiten strebt.
 
Diese Subtexte sind es, die „Logan Lucky“ zu einer unterschwelligen Sozialstudie des zeitgenössischen Amerikas machen, die allerdings immer im Schatten der Genre-Konstruktion stehen. Doch so überzeugend wie die Einbruchsszenarien der „Oceans“-Filme ist der elaborierte Coup in diesem Fall nicht, was zu manchen zähen Phasen führt, die allein von der Präsenz der Darsteller und Soderberghs souveräner Regie leben. Ganz zusammen finden die beiden Ebenen in diesem Fall nicht, die glatte Oberfläche und die wesentlich interessanteren Subtexte stehen oft nebeneinander, als ineinander zufließen. Sehenswert ist „Logan Lucky“ dennoch, allein der filmischen Intelligenz wegen, mit der Steven Soderbergh hier einmal mehr agiert, einer Ambition und Souveränität, wie man sie im amerikanischen Mainstream-Kino momentan nicht allzu oft findet.
 
Michael Meyns