Lola auf der Erbse

Eine Prinzessin ist die elfjährige Lola nicht und ihre Erbse ist kein Gemüse, sondern ein Hausboot, auf dem sie mit ihrer Mutter lebt. Dass ein Vater fehlt, macht Lolas Leben nicht immer leicht, wie Thomas Heinemann in seinem netten Kinderfilm erzählt, der sich neben dem Erwachsenwerden auch um Freundschaft und Migration dreht.

Webseite: www.farbfilm-verleih.de

Deutschland 2014
Regie, Buch: Thomas Heinemann
Darsteller: Tabea Hanstein, Christiane Paul, Tobias Oertel, Arturo Perea Bigwood, Antoine Monot
Länge: 90 Minuten
Verleih: farbfilm Verleih
Kinostart: 4. September 2014

Pressestimmen/Auszeichnungen:

"Der beste Beweis für kreatives und liebevoll gemachtes deutsches Kinderkino, das seine jungen Zuschauer ernst nimmt und mit viel Spaß ganz ohne erhobenen Zeigefinger seine Geschichte erzählt. Unsere neue Heldin heißt Lola! – Prädikat besonders wertvoll."
FBW

FILMKRITIK:

Lola (Tabea Hanstein) ist elf Jahre alt und lebt mit ihrer flippigen Mutter Loretta (Christiane Paul) irgendwo in Bayern auf einem Hausboot namens Erbse. Lolas Vater ist schon länger verschwunden und blickt nur noch von einem Foto am Nachttisch auf seine Tochter, die langsam erwachsen wird und das Unvermeidliche akzeptieren lernen muss. Vor allem, dass ihre Mutter einen neuen Freund hat: Kurt (Tobias Oertel) ist Tierarzt, trägt Schnäuzer und lange Haare und ist eigentlich ganz nett, wie auch Lola widerwillig zugeben muss.
 
Und noch einen weiteren neuen Menschen lernt Lola kennen: Rebin (Arturo Perea Bigwood) einen schweigsamen Jungen, der wie aus dem Nichts in dem kleinen Dorf aufgetaucht ist und nun mit Lola die Schulbank drückt. Zeit hat Rebin nie, denn nach der Schule trägt er Prospekte aus, fischt manchmal im Fluss und bemüht sich redlich, seine Familie zu unterstützen. Denn die ist aus Kurdistan geflüchtet und lebt illegal im Keller eines verlassenen Hauses. Der Vater Tayyip arbeitet für den selbstgefälligen Herr Barkelt, der den lokalen Bootsverein betreibt, während die Mutter oft krank ist. Anfangs kann Lola zwar genauso wenig mit Rebin anfangen wie mit Kurt, doch nach und nach lernt sie, dass es oft angenehmer ist, Dinge gemeinsam zu erleben…
 
Klassisches Kinderkino ist Thomas Heinemanns "Lola auf der Erbse", der seine junge Hauptdarstellerin immer wieder neben einem Rettungsreifen des Hausbootes zeigt und direkt in die Kamera sprechen lässt. Über sich, ihr Leben und ihre Gefühlswelt redet Lola in diesen Momenten, was gleichermaßen wie ein gesprochenes Tagebuch wirkt und wie die Bekenntnisse aus unzähligen TV-Shows, in denen Gedanken verbalisiert werden. Und auch abseits dieses ungewöhnlichen Einfalls versucht Heinemann andere Wege zu gehen und peppt  die Selbstfindung Lolas mit einer Migrationsgeschichte auf, die oft nicht so recht in die bayerische Provinz passen mag, in der der Film spielt.
 
Warum es eine kurdische Flüchtlingsfamilie, die sich vor den Behörden versteckt hält, ausgerechnet in ein winziges Dorf verschlägt, in dem jeder jeden kennt, bleibt wie manches andere offen und nimmt der Geschichte einiges von ihrer Glaubwürdigkeit. Allzu einfach, um nicht zu sagen naiv lösen sich die zahlreichen Probleme bald auch in Wohlgefallen auf, was den Film etwas unbestimmt wirken lässt: Für kleine Kinder thematisch wohl zu komplex, für ältere angesichts der heimeligen Dorfatmosphäre vermutlich zu einfach. So bleibt "Lola auf der Erbse" ein netter Kinderfilm, der sich etwas unglücklich zwischen die Stühle setzt und vor allem mit der Darstellung des ungewöhnlichen, selbst bestimmten, ja geradezu anarchischem Lebensentwurf von Lola und ihrer Mutter zu überzeugen weiß.
 
Michael Meyns