Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

In Zeiten, in denen Filme mit politischen Botschaften von vorneherein polarisieren, ist es vielleicht der richtige Weg, politische Themen auf locker-leichte Art und Weise in romantische Unterhaltungsstoffe einzubauen. So wie bei „Long Shot“, der neuen Komödie mit Seth Rogen, der als Journalist Fred Flarsky von seiner Jugendliebe, der von Charlize Theron gespielten Charlotte Field, angeheuert wird, um für sie die Reden zu schreiben, setzt die Außenministerin doch nun alles daran, zur ersten Präsidenten der USA zu werden. Herausgekommen ist ein sympathischer Film, der cleverer ist, als man auf den ersten Blick meinen sollte.

Webseite: www.longshot-film.de

Long Shot
USA 2019
Regie: Jonathan Levine
Darsteller: Charlize Theron, Seth Rogen, Andy Serkis, Bob Odenkirk
Länge: 115 Minuten
Verleih: StudioCanal
Kinostart: 20. Juni 2019

FILMKRITIK:

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Charlotte Field (Charlize Theron) ist Außenministerin und macht sich Hoffnung, die erste Präsidentin werden zu können. Fred Flarsky (Seth Rogen) ist ein Journalist, der mit seinen meinungsstarken Enthüllungsgeschichten aneckt. Als er arbeitslos wird, weil die Zeitung, für die er tätig ist, von einem Medienkonglomerat geschluckt wird, heuert Charlotte ihn als Redenschreiber an. Beide kennen sich noch aus ihrer Jugend, als sie sein Babysitter war. Er war damals schon in sie verliebt. Sie nicht, doch was nicht war, kann ja noch werden. Aber ob das gut geht?
 
Könnte man meinen, ein Film wie dieser würde schon an der Zusammenführung der beiden Hauptdarsteller scheitern, so sieht man sich schnell eines Besseren belehrt. Denn Charlize Theron und Seth Rogen mögen schauspielerisch sehr unterschiedlich sein, aber zwischen ihnen sprühen die Funken. Die Chemie ist vorhanden, so dass der Kern der Geschichte sehr stimmig ist. Das macht „Long Shot“ im Grunde zu einer Romcom, aber das Werk ist ungleich mehr. Einerseits weil es eine politische Komponente gibt, andererseits, weil der Humor in typischer Rogen-Manier gestaltet ist und an die Filme eines Judd Apatow erinnert, mit dem der bärtige Mime häufig zusammengearbeitet hat.
 
Es ist nicht so, dass dies ein Film mit Botschaft wäre. Vielmehr erlaubt er sich mal mehr, mal weniger subtile Seitenhiebe auf das derzeitige politische Establishment, und das nicht nur, indem man den Präsidenten zu einem Mann macht, der als Schauspieler in einer Präsidentenrolle Erfolg hatte und die Präsidentschaft nur als weitere Stufe auf der Karriereleiter ansieht – denn eigentlich möchte der gute Mann ja Filmstar werden. Auch in anderer Hinsicht erlaubt sich „Long Shot“, Position zu beziehen.
 
Es passiert nebenbei, aber der Film befasst sich mit hochaktuellen Themen: Damit, wie Frauen in den Medien anders behandelt werden als Männer, aber auch, wie vernagelt die Amerikaner in ihrem Lagerdenken sind. Es gelingt kaum noch jemandem, sich in die Perspektive des anderen hineinzuversetzen. Aber das ist wichtig, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen, auch wenn man am Ende natürlich nicht einer Meinung sein muss.
 
Zugleich kommentiert der Film recht bissig, wie hohl und leer das Spiel der Politik geworden ist, in dem Kompromisse nicht zu einem Miteinander, sondern zum reinen Verwässern guter Ideen führen. Es kommt der Moment, an dem man für seinen Standpunkt einstehen und Rückgrat zeigen muss. Ein Moment, der in „Long Shot“ den Höhepunkt darstellt, zugleich aber auch den typischen Romcom-Erzählmustern entgegenkommt, muss es für das ungleiche Paar am Ende doch ein Happyend geben.
 
So funktioniert „Long Shot“ auf mehreren Ebenen, vor allem ist der Film aber immens lustig und scheut dabei auch vor etwas derberen Gags nicht zurück. Dass die nicht als Fremdkörper erscheinen, liegt nicht nur an der guten Performance der Stars, sondern auch an der die erzählerischen Kontraste zusammenführenden Regie von Jonathan Levine („50/50 – Freunde fürs (Über)leben“).
 
Peter Osteried