Louis & Luca – Das große Käserennen

Im zweiten Kinoabenteuer der Elster Louis und des Igels Luca geht es rasant zu: Eine Wette sorgt für den Beginn eines halsbrecherischen Käserennens, bei dem es am Ende weniger ums Gewinnen geht, als um die Bedeutung von Freundschaft. Ein klassischer Kinderfilm ist „Louis & Luca – Das große Käserennen“, von Rasmus A. Sivertsen und seinem Trickfilmstudio in bester Aardman-Tradition rasant animiert.

Webseite: www.kinostar.com

Solan og Ludvig: Herfra til Flåklypa
Norwegen 2017
Regie: Rasmus A. Sivertsen
Buch: Karsten Fullu, nach den Büchern von Kjell Aukrust
Darsteller: Animationsfilm
Länge: 78 Minuten
Verleih: Kinostar
Kinostart: 12. Oktober 2017

FILMKRITIK:

Beschaulich läuft das Leben in dem kleinen norwegischen Dorf Flåklypa ab, wo die stets etwas übermütige und von sich selbst überzeugte Elster Louis zusammen mit dem Igel Luca beim genialen, aber auch etwas schrulligen Erfinder Alfie wohnt. Aufregung kommt in das Leben des Trios, als Louis nach einem unentschieden ausgegangenen Wettbewerb mit Oliver O. Clifford, Besitzer einer Käsefabrik im Nachbardorf Slidre, vom traditionellen Käserennen hört.
 
Kurz entschlossen fordert er Clifford zum Duell heraus und setzt gar das Haus von Alfie als Pfand ein, so überzeugt ist er von seinem Sieg. Nun gilt es jedoch, das Rennen zu bestreiten: Auf einem improvisierten Gefährt geht es durch Wälder und über Berge, mit dem Ziel, ein großes Käserad als erster ins Ziel zu bringen. Doch als Louis bemerkt, dass Cliffords Team auch aus dem Komiker Owen Sullivan und dem wilden Gorilla Emanuel Desperados besteht, beginnt er zu zweifeln. Ist er etwa zu weit gegangen? Hat er das Haus seines Freundes Alfies leichtfertig verspielt? Nur gemeinsam kann es dem Trio gelingen, die Gefahr abzuwenden.
 
Auch das zweite Abenteuer des Elster/Igel-Duos Louis & Luca (im norwegischen Original  Solan und Ludvig) spielt auf dem Dorf, in einer ländlichen, traditionellen Gegend, fern der Moderne. Auf seinen Kindheitserinnerungen basieren die Bücher von Kjell Aukrust, der Anfang der 60er Jahre das fiktive Dorf Flåklypa erfand und mit idiosynkratischen Figuren füllte, die schon damals ein wenig überzeichnet gewirkt haben müssen. Nun, gut 50 Jahre später wirken sie noch mehr aus der Zeit gefallen, eignen sich aber gerade dadurch ideal als Figuren für einen kindlichen Animationsfilm.
 
Die einfache Welt, die hier beschrieben wird, praktisch frei von sämtlich Errungenschaften der Moderne – allein Fernseher und Telefone – sind technologische Merkmale, lassen diese Welt märchenhaft wirken, fast wie eine Fabel, auch wenn es hier einige Menschen gibt. Doch die Hauptfiguren sind nicht zufällig Tiere, eine oft etwas zu sehr von sich selbst überzeugte Elster und ein zurückhaltender Igel, deren Temperamente sie oft in unterschiedliche Richtungen streben lässt, die aber im Laufe ihre Abenteuers lernen müssen, dass sie nur zusammen Erfolg haben können.
 
Diese moralische Lektion verpackt Rasmus A. Sivertsen in einen rasanten Animationsfilm, der deutlich vom Stil des vor allem für Wallace & Gromit bekannten Aardman Studios inspiriert ist. Nicht mehr ganz klassische Stop-Motion-Animation ist hier zu sehen, aber doch ein deutlich handgemachterer Stil, als bei rein im Computer hergestellten Filmen. Angenehm altmodisches Kino für Kinder ist „Louis & Luca – Das große Käserennen“ sowohl stilistisch als auch inhaltlich.
 
Michael Meyns