Love Supreme

Eine Hymne an den Rock’n Roll: Zwei wackere Filmemacher aus Hannover haben über mehrere Jahre hinweg ohne Geld und mit viel Herzblut jede Menge Material über die magische Beziehung zwischen Musikern und ihren Instrumenten zusammengetragen, vor allem Konzertmitschnitte und Interviews, auch mit deutschen Stars, wie Marius Müller-Westernhagen, Peter Maffay oder Wolfgang Niedecken. Als roter Faden fungiert der Bau einer neuen E-Gitarre in Handarbeit. Dass es sich dabei um eine deutsche Marke handelt, für die in diesem Film ordentlich geworben wird, ist ein vermutlich erwünschter Nebeneffekt.
Kaum fürs große Publikum gedacht und gemacht, ist der Film vor allem interessant für Gitarreros und allgemein für Fans des gepflegten Rock’n Roll, die wissen, dass ein Riff mehr ist als ein Unterwasserhindernis. 

Webseite: www.aries-images.de

Deutschland 2014
Dokumentarfilm (teilweise englisch mit deutschen Untertiteln)
Ein Film von Steffen König & Olaf Neumann
93 Minuten
Verleih: Aries Images
Kinostart: 20.11.2014
 

FILMKRITIK:

Was ist eigentlich das Besondere an einer E-Gitarre? – Vielleicht, dass man darauf spielen kann, ohne wirklich Ahnung von Musik zu haben. Wenn man so richtig Feuer gefangen hat, dann kann man richtig gut werden. Manche werden sogar berühmt, aber ganz gleich, ob sie vor 10 oder vor 10.000 Menschen spielen: Die Leidenschaft bleibt … und meist auch die Erinnerung daran, wie alles anfing. Von der Begeisterung für die E-Gitarre und von der Liebe zum Rock’n Roll handelt dieser Film, weniger von Erfolg, Karriere oder Niedergang.
 
Steffen König und Olaf Neumann lassen vor allem ältere Musiker aus der Rockszene zu Wort kommen, außerdem den Fotografen Robert Knight und – ganz wichtig! – den deutschen Gitarrendesigner Dieter Gölsdorf, dessen „Duesenberg“-Gitarren mittlerweile weltweit auch von den Stars der Szene gespielt werden. Sie alle tragen die Liebe zum Rock’n Roll in sich, aber was das Verhältnis zu ihren Instrumenten betrifft, unterscheiden sie sich sehr: Da gibt es die Gitarre als Rauschmittel oder als beinahe oder offensichtlich erotisch geprägte Liebe ebenso wie in der zweckorientierten, beruflich geprägten Beziehung zwischen zwei gleichberechtigten Kollegen. Das Gleichgewicht zwischen Hingabe und Kontrolle scheint das Musikerleben mit seinem Instrument zu bestimmen.
 
Ohne Kommentar, nur mit Originaltönen und mit sehr viel Musik zeigen die beiden Filmemacher eine Abfolge von Bildern zum Thema Gitarre, die eher assoziativ wirkt. Um das Ganze zu strukturieren, gibt es einen roten Faden in Form des Baus einer neuen Duesenberg-Gitarre – eine gute Idee, denn dadurch gewinnt der Film erheblich, er erhält eine Struktur, und die sehr ruhigen Sequenzen in der Gitarrenwerkstatt sorgen zwischendurch für eine beinahe meditative Stille, die dem Film gut tut. Zusätzlich sind es einige der Musiker, die so sympathisch wirken, dass sie dem kleinen Film Glanz verleihen. Das hat kaum etwas damit zu tun, ob sie berühmt sind und wie sehr sie die Duesenberg-Gitarren preisen, sondern viel mehr damit, wie sie über ihre Musik als Leidenschaft und Lebensinhalt reden.
 
Da plaudern Peter Maffay, Carl Carlton, Uwe Hassbecker, Helmut Krumminga, Wolfgang Niedecken und Marius Müller-Westernhagen ganz locker und lustig über ihr Leben mit der Gitarre. Der Studiogitarrist Tom Bukovac und seine Frau, die wunderbare Sängerin Sarah Buxton, spendieren dem Publikum von ihrem Wohnzimmersofa aus einen sehr schönen, anrührenden Song, und der bald darauf verstorbene, beinahe achtzigjährige Louisiana Red, ein großer Blues-Gitarrist, hat einen seiner letzten Auftritte – und hier lässt sich pure Leidenschaft für die Musik erkennen: Love Supreme – die höchste Liebe.
 
Gaby Sikorski

Anhand einer kleinen, aber weltbekannten Gitarren-Manufaktur aus Hannover erzählen Steffen König und Olaf Neumann in „Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett“ von der Faszination E-Gitarre. Angesichts der zahlreichen Interviews mit nationalen und internationalen Musikgrößen fällt nur selten auf, dass die sehenswerte Dokumentation mit geringsten finanziellen Mitteln fast in Heimarbeit entstanden ist.
 
Berühmte Gitaristen gibt es wie Sand am Meer, was tun also, wenn man einen Film über die Faszination der elektrischen Gitarre drehen will, aber nicht die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten einer großen Dokumentarfilm-Produktion hat? Man macht aus der Not eine Tugend und schaut erst einmal, was es vor der eigenen Haustür gibt. Und da die beiden Journalisten und Filmemacher Steffen König und Olaf Neumann in Hannover zu Hause sind, traf es sich natürlich besonders gut, dass ausgerechnet in Hannover eine der berühmtesten Gitarren der Welt hergestellt wird: Die Duesenberg.

Gegründet wurde diese Marke in den 90er Jahren von Dieter Gölsdorf, der sich selbst als mittelmäßigen Musiker beschreibt, der aber offensichtlich ein Händchen für die Herstellung formschöner und vor allem klangstarker Gitarren hat. Denn innerhalb weniger Jahre haben sich die verschiedenen Modelle der Duesenberg zu den beliebtesten Gitarren bei Rock-Musikern aus aller Welt entwickelt, womit der rote Faden für „Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett“ gefunden war.

Zahllose Musiker interviewten König und Neumann, die auf mal mehr, mal weniger eloquente Weise versuchen in Worte zu fassen, was eigentlich nicht in Worte zu fassen ist: Warum der Sound einer E-Gitarre solche Emotionen weckt, Hallen zum Toben bringt oder einfach als ideales Verführungsmittel für junge Musiker taugt, die nicht nur der Musik wegen anfangen ein Instrument zu lernen. Und wenn man da die immer wieder zwischengeschnittenen Momente sieht, in denen die manuelle Herstellung einer Duesenberg zeigt, die Vorsicht mit der die Rundungen des Klangkörpers abgeschliffen und bemalt werden, das liebevolle betrachten des langsam entstehenden Instruments, wird die erotische Komponente der Gitarre spürbar deutlich.

So geht es bei den Interviews immer wieder zwar auch um Frauen, doch letztlich steht die Musik dann doch im Mittelpunkt. An die ganz großen Namen, die auch auf der Duesenberg spielen – Keith Richards, Paul McCartney oder Bob Dylan, um nur einige zu nennen – sind die Filmemacher zwar nicht herangekommen. Vor allem berühmte deutsche Musiker treten auf, Wolfgang Niedecken, Marius Müller Westernhagen oder Peter Maffay, dazu etliche Künstler, die auf ihren Touren auch in Hannover Station gemacht haben. Die Auswahl der Gesprächspartner mutet da ein klein wenig zufällig an, doch dieses Manko kommt angesichts der durchweg interessanten Gespräche kaum zum tragen, in denen vor allem eins immer wieder deutlich wird: Die Liebe zur Musik und besonders zum Sound der E-Gitarre.

Diesem Instrument setzen Steffen König und Olaf Neumann mit „Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett“ ein informatives, liebevolles Denkmal.
 
Michael Meyns