Luca tanzt leise

Nach Jahren der schweren Depression, will die Berlinern Luca wieder zurück ins Leben finden – mit Hilfe ihres neuen Hundes und ihres Kumpels Kurt. Mit diesem versucht sie, endlich ihr Abitur nachzuholen. Die sympathische, kleine Indie-Tragikomödie „Luca tanzt leise“, begeistert mit liebenswürdigen Charakteren, einer starken Hauptfigur sowie der stimmungsvollen akustischen Untermalung. In nur 70 Minuten erzählt er die Geschichte einer jungen Frau, die sich von ihrer Krankheit – und auch von Mathe – nicht unterkriegen lässt.

Webseite: www.darlingberlin.de/luca-tanzt-leise.html

Regie & Drehbuch: Philipp Eichholtz
Darsteller: Martina Schöne-Radunski, Hans-Heinrich Hardt, Sebastian Fräsdorf, Claudia Jacob
Länge: 69 Minuten
Verleih: Daredo Media/Darling Berlin
Kinostart: 19. Januar 2017

FILMKRITIK:

Luca (Martina Schöne-Radunski) versucht gerade, auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nachzuholen. Schwere Jahre liegen hinter der aufgeweckten Berlinerin, die sich gerade einen kleinen Hund angeschafft hat. Denn lange Zeit fielen ihr die einfachsten Dinge schwer: das Aufstehen am Morgen, Essen, Telefonate. Luca litt unter schweren Depressionen, doch sie scheint die Krankheit besiegt zu haben. Mit dem Abitur in der Tasche, will sie endgültig ein neues Leben beginnen. Zwei Probleme begleiten sie dennoch täglich: die Angst, dass die Krankheit wieder kommt und ihre Schwierigkeiten in Mathe, die den Abschluss gefährden. Doch zum Glück gibt es da noch ihren Sitznachbarn Kurt (Hans-Heinrich Hardt), mit dem sie einen Pakt schließt: sie hilft ihm in Englisch, dafür bringt er ihr Mathe bei. Kriegt Luca die Kurve und schafft das Abitur?

„Luca tanzt leise“ ist der zweite Film des Hildesheimer Regisseurs und Cutters Philipp Eichholtz. Bereits sein Debütfilm, das größtenteils improvisierte Drama „Liebe mich!“ von 2014, feierte Erfolge auf Filmfestivals und bei der Kritik. Das Werk verschaffte ihm zudem eine Nominierung für den Förderpreis Neues Deutsches Kino. Zu seinem neuen Film, über eine ehemals depressiv erkrankte Frau, wurde er durch ein persönliches Erlebnis im eigenen Umfeld inspiriert. Mit „Luca tanzt leise“ erhielt Eichholtz in diesem Jahr eine Einladung zum Filmfestival Max Ophüls Preis und wurde – wie schon der Erstling –  erneut mit finanzieller Unterstützung seiner Oma realisiert. Der Name seiner Produktionsfirma lautet daher passenderweise: von Oma gefördert.

Zu weiten Teilen wird die kurzweilige Indie-Tragikomödie vom erfrischenden, sympathischen Spiel der jungen Hauptdarstellerin Martina Schöne-Radunski getragen. Sie passt perfekt in die Rolle der sich durchs Leben kämpfenden, jungen Frau mit der harten Vergangenheit. Natürlich sieht man ihr – wie fast allen depressiven Menschen oder ehemaligen Erkrankten – das schwere Los nicht an. Mit ihren kurzen blonden Haare, den großen, durchdringenden blau-grünen Augen und ihrer charismatischen Ausstrahlung, müsste ihr vielmehr alles zu Füßen liegen: die Männer und das Leben selbst. Doch lange Zeit hatte Luca dafür nicht die Kraft, vor allem nicht für das Leben, als ihr während der Depressionen die einfachsten Dinge schwer fielen.

Diese frühere Episode spielt im Film aber keine allzu große Rolle, nur in einer Szene spricht sie ihren Freund und Klassenkameraden Kurt, direkt auf das Thema an. „Weißt du wie das ist, wenn du keine Unterwäsche mehr anziehen und dich nicht mehr pflegen kannst. Kennst du das?“, fragt sie ihn. Diese düstere Epoche in ihrem Leben deutet der Film meist nur an, vielmehr konzentriert sich Regisseur Eichholtz nämlich auf das Hier und Jetzt. Und diese Gegenwart ist oft sehr heiter, ungezwungen und voller (tragi)komischer Momente. Etwa wenn Luca gleich zu Beginn – eigentlich grundlos – eine Englisch-Klassenarbeit abgenommen bekommt und damit die Klausur vergeigt. Die verantwortliche Lehrerin: ihre eigene Mutter.  Jener Situation gehen herrlich komische Momente und Dialoge zwischen Lucas Sitznachbar Kurt und der Lehrerin voraus.

Überhaupt Kurt, gespielt von Hans-Heinrich Hardt. Der schnoddrige Ur-Berliner, der natürlich mit echter Berliner Schnauze ausgestattet ist und liebend gern an alten Autos herum schraubt, hat einen Großteil der Lacher auf seiner Seite. Ein weiterer Grund, weshalb der Film, der nur 70 Minuten lang ist, auf emotionaler Ebene so gut funktioniert, ist seine musikalische Untermalung. Sanft-melancholische, oft federleichte Keyboard- und Gitarrenklänge untermalen einen Großteil der Szenen und vermitteln die Stimmung der Protagonisten hervorragend auch auf akustischer Ebene. Auch und gerade in den letzten Minuten des Films, in dem es für die liebenswürdige Berlinerin zu einem tragischen Ereignis kommt. Aus diesem geht sie aber – wie nach der Depression – gestärkt und mit neuer Kraft, hervor.

Björn Schneider