Ma Ma – Der Ursprung der Liebe

Unverhohlen sentimental, rührselig und melodramatisch ist Julio Medems neuer Film „Ma Ma – Der Ursprung der Liebe“, der sich ganz auf seine Hauptdarstellerin Penélope Cruz verlässt. Mit ganzer Emphase spielt sie eine Frau, die schweren Schicksalsschlägen trotzt und inspirierender Fixstern für die zahlreichen Männer in ihrem Leben ist.

Webseite: www.mfa-film.de

Spanien 2015
Regie & Buch: Julio Medem
Darsteller: Penélope Cruz, Luis Tosar, Asier Etxeandia, Teo Planell, Àlex Brendemühl, Silvia Abascl
Länge: 122 Minuten
Verleih: MFA
Kinostart: 30. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Auch wenn gerade ihre Ehe endgültig den Bach runter geht und sie nach den Ferien arbeitslos sein wird, ist Magda (Penélope Cruz) guter Dinge. Doch dann entdeckt ihr Gynäkologe Julián (Asier Etxeandia) einen Knoten in der Brust. Auf die Diagnose Brustkrebs folgen Chemotherapie und Amputation der rechten Brust. Doch selbst davon lässt sich Magda nicht unterkriegen. Aufopferungsvoll kümmert sie sich um ihren Sohn Dani (Teo Planell), der davon träumt, bei Real Madrid Fußball zu spielen.
Praktischerweise hat Magda gerade Arturo (Luis Tosar) kennengelernt, Talentscout für den Hauptstadtclub und ebenfalls vom Schicksal geschlagen: Seine Frau und Tochter sind bei einem Unfall gestorben, Magda gibt ihm in seinen schweren Stunden Halt und beginnt eine ungewöhnliche, eher platonische Beziehung mit Arturo, denn dieser scheint eher Männern als Frauen zugeneigt zu sein.

Diesbezügliche Erfahrungen hat er auch mit Julián gemacht, der offen bisexuell ist und gern einen eleganten Sexclub namens Der Ursprung der Welt frequentiert. Dort singt er auf der Bühne gern schmachtende Lieder und ermöglicht Magda die Erfüllung einer sexuellen Phantasie: Sex mit mehreren Männern. Danach ist Magda schwanger, doch gleichzeitig bekommt sie eine weniger angenehme Nachricht: Der besiegt geglaubte Krebs ist zurück und scheint diesmal unheilbar.

In klassisch melodramatischer Manier entwickelt Julio Medem eine exaltierte Geschichte, die ganz bewusst auf jegliche Glaubwürdigkeit verzichtet. Viel wichtiger sind dem baskischen Regisseur, der einst mit Filmen wie „Die Liebenden des Polarkreises“ und „Lucia und der Sex“ bekannt wurde, die Dopplungen der Geschichte: zwei Männer trifft Magda, zwei Mal erhält sie die Diagnose Brustkrebs und, ja, zwei Brüste stehen im Mittelpunkt, wie auch der Titel andeutet. Denn das spanische Mama hat zwei Bedeutungen: zum einen Mutter, zum anderen Brust – und genau um diese beiden Aspekte geht es hier.

Eine Verklärung der Rolle der Frau ist Medems Film, eine Ode an die Mütter, die sorgenden Wesen, die ihren Kindern und Männern ein Halt in schwerer Stunde sind, die ihnen Kinder gebären, durch die sie neuen Lebensmut gewinnen, die rein und ätherisch sind. Keine besonders komplexe Sicht auf das weibliche Geschlecht, weit entfernt von den erotisch aufgeladenen, metaphysisch komplexen Filmen über die Liebe, die Medem einst drehte. Nach einigen missglückten Filmen wie „Caotica Ana“ begibt er sich nun auf extrem melodramatisches Terrain, mit dem man eher seinen Landsmann Pedro Almodóvar verbindet. Der schon des öfteren Penélope Cruz inszeniert hat, womit sich der Kreis schließt. Cruz fungiert bei „Ma Ma – Der Ursprung der Liebe“ als Produzentin, was dem Film anzumerken ist und ihm nur bedingt gut tut. Allzu ungebrochen ist die Verklärung der Mutter, die fast schon religiöse Züge annimmt. Ungewöhnlich und exaltiert ist Medems Film in jedem Fall.
 
Michael Meyns