Magie der Wildpferde

Wildpferde versprühen aufgrund ihres feinfühligen Wesens und ihres Freiheitsdrangs eine besondere Magie. Doch viele der Tiere leben längst nicht mehr so frei und in wilder Natur, wie es ihr Name vermuten lässt. Der Dokumentarfilm „Die Magie der Wildpferde“ widmet sich der Lebenssituation von wildlebenden Pferden in unterschiedlichen Ländern, lässt Kenner zu Wort kommen und zeigt auf, wie eine passende, dem Tier zuträgliche Betreuung abseits des ursprünglichen Lebensraums gewährleistet werden kann.

Webseite: magie-der-wildpferde.de

Dokumentation
Deutschland 2019
Regie: Caro Lobig
Länge: 94 Minuten
Verleih: Catamaranfilms / barnsteiner-film
Kinostart: 6. Juni 2019

FILMKRITIK:

Sie sind Tiere der offenen Landschaften, leben wild und in Familienherden: Wildpferde. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn die Weideflächen werden rar. Das zwingt den Menschen zum Eingreifen. Andererseits aber entsprechen Paddocks, Koppeln  und Auffangstationen nicht dem Wesen der Tiere. Die Dokumentation „Die Magie der Wildpferde“ stellt die Frage, ob Freiheitsdrang und Anpassung miteinander vereinbar sind. Regisseurin Caro Lobig machte sich auf den Weg zu Experten auf der ganzen Welt, um sich diesem komplexen Thema zu widmen.

„Die Magie der Wildpferde“ ist der zweite Pferde-Dokumentarfilm, den die in Köln lebende Lobig realisierte. Schon in „Aus Liebe zum Mustang“ (2017) begleitete sie den Weg amerikanischer Wildpferde. Neben ihrer Tätigkeit als Filmemacherin arbeitet sie als Journalistin und Autorin. Bekannt wurde Lobig unter andere durch ihre investigativen Recherchen und Reporter-Tätigkeiten für das „Team Wallraff“ (RTL).

Der Film zeigt die anmutigen Tiere in ihrer angestammten Umgebung: in Steppen, Graslandschaften und den weiten Wüstenregionen Oregons. Ebenso anmutig und erhaben sind die Bilder, die Lobig findet, um das Leben der Tiere in den Herden und in freier Wildbahn zu dokumentieren. Dabei beweist sie ein gutes Gespür für eine genaue, allerdings nie zu aufdringliche Beobachtung der Tiere. Sie hält sich angenehm zurück und lässt – aus sicherer Entfernung – die (Natur-) Aufnahmen ganz für sich sprechen.

Lobenswert ist, dass „Die Magie der Wildpferde“ die Situation der Tiere in verschiedenen Regionen der Welt thematisiert. So reist Lobig zum Beispiel zu den Marismeña-Wildpferden nach Spanien, beobachtet polnische Konik-Wildpferde sowie die Mustangs im Nordwesten der USA, auf denen der Schwerpunkt liegt. Nicht ohne Grund: „Die Pferde fressen sich selbst ihr Zuhause weg“, bringt es eine der interviewten Expertinnen auf den Punkt. Das Problem ist die immer weiter ansteigende Population und die damit einhergehende Überweidung.

Lobig spricht mit Ranchern, Züchtern, Verbänden und Mitarbeitern des örtlichen „Bureau of Land Management“, die die Problematik sachlich und verständlich erläutern. Die einzige Lösung, die den Verantwortlichen bleibt: Sie müssen die Tiere einfangen, in Auffangstationen bringen und darauf hoffen, dass die Pferde durch Adoption irgendwann ein neues, angemessenes Zuhause finden. Auch diesen Lebensweg der Wildpferde begleitet die Regisseurin mit Geduld und angemessener Zurückhaltung – und schaut den Helfern bei der Arbeit in den Auffangstationen über die Schulter. Wenn sie das Alter der Tiere schätzen, sie identifizieren, brandmarken und den Gesundheitszustand überprüfen.

Dass es die Tiere auch weit weg von der „Heimat“ (den Umständen entsprechend) gut haben können, beweisen die Szenen bei den Pferdetrainern. So ist Lobig etwa bei zwei Mustang-Trainerinnen (in der Eifel und in Oregon) zu Besuch, die zeigen, wie man mit diesen sensiblen Tieren richtig umgeht. Mit Einfühlungsvermögen und Bedacht ebnen sie den Pferden den Weg in ein menschengeführtes Leben. Eine der beiden Trainerinnen verdeutlicht mir ihrer Aussage aber auch den Zwiespalt dieser Arbeit. Obwohl man versuche, den Pferden Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, befinden sie sich natürlich trotzdem in Gefangenschaft. Ein schwer zu lösender Konflikt.

Björn Schneider

Wildpferde: Besungen von den Rolling Stones oder U2, in der „Ostwind“ Buch- und Filmreihe verklärt, nun Thema von Caro Lobigs Film „Magie der Wildpferde“, der im weitesten Sinn als Dokumentation bezeichnet werden kann. Denn vor allem ist er 94 Minuten lange Ode an eine Pferdeart, die ihre Fans zu emotionalen, oft kitschigen Sentenzen verleitet, die von der Regisseurin ungebrochen auf die Leinwand gebracht werden.

Im amerikanischen Bundesstaat Oregon beginnt die Reise, dort leben Wildpferde noch in freier Natur, was bedeutet: Auf riesigen Flächen, auf denen sie ungestört weiden und vor allem rennen können. Doch diese Flächen werden immer mehr beschnitten, für die Landwirtschaft verwendet, für den Fortschritt, die Zivilisation. Für die geschätzt 70-80.000 freilebenden Wildpferde ist auf Dauer kein Platz mehr und so setzen sich Initiativen für den Erhalt der Freiräume ein, versuchen den Menschen, die besondere Magie der Wildpferde zu vermitteln.
 
Das versucht auch die deutsche Produktionsfirma catamaranfilms, die vor zwei Jahren den Film „Aus Liebe zum Mustang“ in die Kinos brachte, als dessen Fortsetzung „Magie der Wildpferde“ zu verstehen ist. Roter Faden ist dabei die Beschwörung der besonderen Qualität der Wildpferde, die von allen Beteiligten als magisch bezeichnet wird, als so besonders, dass sie nicht in Worte zu fassen sei. Dennoch wird fortwährend versucht, das Unbeschreibliche zu beschreiben, was zwangsläufig zu eher verkitsch-verklärten Formulierungen führt, als zu auch für Außenstehenden nachvollziehbaren Gründen.
 
Besonders die jüngste der vier Protagonisten ragt hierbei heraus: Die erst 18jährige Simone Hage, die ihre Liebe zu Wildpferden auf kindlich-naive Weise, mit glänzenden Augen beschreibt und davon berichtet, wie sie mit polnischen Wildpferden namens Konik durch Europa reitet und die Freiheit genießt.
 
Etwas rationaler berichtet die Pferdetrainerin Sandra Schneider aus der Eifel über ihre Arbeit mit den Pferden, die auch sie für ganz spezielle Wesen hält, wie sie schon in der Vox-Serie „Die Pferdeprofis“ zeigte. Den Abschluss der Reise bildet Andalusien, wo alljährlich bei traditionellen Fiestas den Wildpferden gehuldigt wird. Hier spielten auch Szenen aus der „Ostwind“-Reihe, vielleicht kein Zufall, denn „Magie der Wildpferde“ folgt einem ähnlichen Muster, einer ähnlichen Ästhetik wie die Erfolgsfilme.
 
In Scope-Bildern gefilmt, vom ersten bis zum letzten Moment mit emotionaler Musik unterlegt, lässt Regisseurin Caro Lobig keinen Zweifel aufkommen, welch spezielle, ja, magische Tiere sie hier porträtiert. Die unsubtile Machart des Films ist ein wenig bedauerlich, denn auch für den an Wildpferden an sich nicht sonderlich interessierten Zuschauer ist kaum zu übersehen, dass es sich hier um besondere Tiere handelt. Das spezielle dieser freiheitsliebenden, kaum zu bändigenden Pferde zu erkennen, ist nicht schwer, dafür bräuchte es gar nicht solch verklärender Kommentare, keiner derart emotionalisierenden Musik.
 
Doch „Magie der Wildpferde“ zielt nicht darauf, Zuschauer anzusprechen, die ganz allgemein Interesse an eindrucksvoll gefilmten Natur- oder Tierfilmen haben, hier soll in allererster Linie das Zielpublikum Pferdeliebhaber angesprochen werden. Denen wird dann auch einiges geboten: In magisches Gegenlicht getauchte Pferde, romantische Aufnahmen von galoppierenden oder grasenden Tieren, verklärte Liebeserklärungen von Gleichgesinnten. Subtil ist das alles in keinem Moment, aber der Zielgruppe mag es gefallen.
 
Michael Meyns