Malavita – The Family

In der temporeichen Actionkomödie „Malavita – The Family“ glänzt Oscar-Preisträger Robert De Niro als alternder Mafiaboss, der mit seiner Familie im Zuge eines Zeugenschutzprogramms nach Frankreich umsiedeln muss. Mit einer verwegenen Mischung aus schwarzem Humor und Drama beobachtet Kultregisseur Luc Besson, basierend auf dem Roman von Bestsellerautor Tonino Benacquista, unterhaltsam die makaberen Abenteuer seiner ehrenwerten Familie. Vor allem Charakterdarstellerin Michelle Pfeiffer als italo-amerikanische Clanmutter überzeugt.

Webseite: www.universumfilm.de

Frankreich, USA 2013
Regie: Luc Besson
Darsteller: Michelle Pfeiffer, Robert De Niro, Tommy Lee Jones, Vincent Pastore, David Belle, Dianna Agron, John D’Leo
Drehbuch: Luc Besson, Tonino Benacquista, Michael Caleo
Länge: 110 Minuten
Verleih: Filmverleih Universum
Kinostart: 21. November 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Im beschaulichen Cholong-sur-Avre in der Normandie scheint die Welt noch in Ordnung. Auch CIA-Agent Stansfield (Tommy Lee Jones) glaubt endlich den richtigen Ort für seine Mission gefunden zu haben. Er hofft, dass hier in der ländlichen Idylle US-Mafioso Giovanni Manzoni (Robert DeNiro) als Fred Blake mit Frau Maggie (Michelle Pfeiffer) und zwei Kindern, im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms, untertauchen kann. Der einst gefürchtete Pate aus New York brachte mit seiner Aussage eine ganze Reihe einflussreicher Mafiosi hinter Gitter. Doch die Anpassungsfähigkeit der ehemaligen Mafia-Familie kennt Grenzen.

Sich unauffällig zu verhalten fällt ihnen nicht leicht. Schon am ersten Tag kann Maggie beim Einkaufen der Versuchung nicht widerstehen sich am arroganten französischen Supermarktpersonal zu rächen. Und Tochter Belle (Dianne Agron) kontert die plumpen Annäherungsversuche ihrer pubertären Mitschüler drastisch, indem sie den jungen Burschen ein für allemal zeigt was ein Aufschlag ist. Auch der aufbrausende Giovanni lässt sich nicht lumpen. Selbst, wenn er zunächst ganz harmlos beginnt auf einer alten Schreibmaschine seine Memoiren zu schreiben. Und so scheint es nur eine Frage der Zeit bis die Mafia die Fährte der Familie wieder aufnimmt und ihre gnadenlosen Killer schickt.

Als Produzent und Studiochef gelingt es Luc Besson immer wieder, dem standardisierten amerikanischen Genrekino etwas ganz Eigenes entgegenzusetzen. Der französische Kultregisseur liebt es, zwischen Drama und Ironie samt harten Actionszenen hin und her zu springen. Das beweist der 59jährige auch in seiner schwarzhumorigen Gangsterkomödie. Streckenweise erinnert sein mit grellen Effekten gespickter Gewalt-und-Komik-Cocktail an Tarantinos bahnbrechende Gangstersatire „Pulp Fiction“. Auch bei ihm mutiert überspitzte Gewaltdarstellung zum grotesken Stilmittel, die manch einem zynisch erscheinen mag.

Freilich meistert Bessons lineare, kaum verschachtelte Erzählung mit wenigen Rückblenden diesen Drahtseilakt. Mit Situationskomik und Dialogwitz unterhält der Profi bis zum Schluss, dem furiosen Showdown. Ein sehenswerter Genuss ist es, wie sich Robert De Niro als abgehalfterter Mafioso-Patriarch und Michelle Pfeifer als italo-amerikanische Clanmutter die Bälle zu spielen. Ein Duo, das in seiner lakonischen Art überzeugt. Schließlich gilt der markante Meister des „method acting“, der dem Kino als Kunstform kompromisslos treu bleibt, mit seiner enormen Spielbegeisterung nicht umsonst als Leitstern unter den Schauspielern.

De Niro wollte nie gefallen. Vielmehr stahl sich der Sohn eines exzentrischen Malers die Aufmerksamkeit, mit ungeheurer physischer Intensität und Präsenz. Um die Gunst der Kamera buhlte er nie, weshalb seinen Figuren die Aura der Einsamkeit anhaftete – wie allen guten Antihelden. Der inzwischen 70jährige, der seinen Durchbruch als „Vito Corleone“ in der Mario Puzo Roman-Verfilmung „Der Pate“ feierte, ist sich für nichts zu schade. Er gibt die Wortkargen, die Schwätzer, die Verhärmten, die Versager, die Betrogenen, Gescheiterten, ob als windiger Politikberater mit Filzhut und Fliege in der exzellenten Politsatire „Wag the Dog“ oder als verkrampfter Exsträfling in Tarantinos „Jackie Brown“.

Selbst wenn der gebürtige New Yorker mit den italienischen Wurzeln mehr und mehr im Komödienfach die eigenen Manierismen karikiert agiert er brillant. Neben einer der lebenden Legenden Hollywoods zu bestehen, gelingt der 55jährigen Leinwandikone Michelle Pfeiffer souverän. Die zierliche Kalifornierin mit den ausdrucksstarken Augen bietet ihrem Mafiaboss als clevere Filmgattin locker Paroli. Schließlich steht die erfahrene US-Actrice für eine beispiellose künstlerische und kommerzielle Erfolgsbilanz. Die versierte Charakterdarstellerin verfügt über eine enorme darstellerische Bandbreite, von der betörenden Blondine im knallroten Abendkleid bis zur anämischen Liebeskranken am französischen Hof.

Luitgard Koch