Manolo und das Buch des Lebens

Es gibt wenige Kinderfilme über den Tod. Diese Lücke füllt Jorge R. Gutierrez mit seinem kunterbunten, visuell überbordenden Animationsfilm „Manolo und das Buch des Lebens“, der die Mythen und Legenden des mexikanischen Tag des Todes mit einer Dreickecksbeziehung anreichert, die zwischen den Welten der Lebenden und der Toten gedeiht. Manchmal ein geradezu überbordender Zuckerrausch, meist aber ein mitreißendes, phantasievolles Fest für die Sinne.

Webseite: www.fox.de

OT: The Book of Life – Animationsfilm
USA 2014
Regie: Jorge R. Gutierrez
Buch: Jorge R. Gutierrez, Doug Langdale
Länge: 97 Minuten, FSK: ab 6 J.
Verleih: FOX
Kinostart: 1. Januar 2015
 

FILMKRITIK:

Seit Kindheitstagen sind Manolo und Joaquin beste Freunde und seit Kindheitstagen buhlen sie um die Gunst der schönen Maria. Während Manolo der Musik und dem Gesang zugetan ist, auch wenn sein Vater ihn für eine Karriere als Stierkämpfer vorgesehen hat, ist Joaquin wild entschlossen, als heldenhafter Soldat zu Ruhm und Ehre zu kommen und nicht zuletzt Marias Herz zu erobern. Dieser Wettstreit, der sich in einem kleinen Dorf im Zentrum Mexikos (dem Zentrum des Universums, wie es anfangs heißt) zuträgt, hat jedoch noch größere Bedeutung: Die Götter der Unterwelt haben gewettet, wer Marias Herz erobern wird: Während die schöne, gute La Muerta auf Manolo setzt, unterstützt der finstere, böse Xibalba Joaquin, dem er mit Hilfe eines unbesiegbar machendem Amulett zum Sieg verhelfen möchte.

Der Einsatz ist die Herrschaft über alle Bereiche der Unterwelt, sowohl dem bunten, fröhlichen Land der Erinnerung, in dem die Toten hausen, an die man sich auf der Welt noch erinnert, und dem grauen, traurigen Land des Vergessens, wo die Toten dahin siechen, an die niemand mehr denkt. Und um die Sache noch etwas komplizierter zu machen wird das kleine Dorf auch noch von dem Banditen Chacal bedroht, der einst Joaquins Vater getötet hat und nun den Frieden bedroht. Wird er am Ende vom aggressiven Joaquin besiegt werden können oder doch vom musikalischen Manolo, der keiner Fliege (und schon gar keinem Stier) etwas zu Leide tun kann?

El dia de los muertos – Der Tag der Toten, heißt der wichtigste Feiertag Mexikos, der mit seinen archaischen Riten und seinen bunten Feiern schon viele Filmemacher inspiriert hat. Und auch der Mexikaner Jorge R. Gutierrez, dessen Regiedebüt von seinem berühmten Landsmann Guillermo del Toro produziert wurde, nutzt die Feierlichkeiten zu einem überbordenden Bilderrausch. Manchmal fast zu wild und bunt sind die Welten, die Gutierrez sich ausgedacht hat, wobei besonders die erste Unterwelt, die Welt der Erinnerung ein einziges, gigantisches Volksfest ist.

Lose ist diese Welt zwar an mexikanische Architektur angelehnt, an die Bauten der Azteken, aber auch an die traditionelle ländliche Bauweise, aber immer wirkt sie so bunt und farbenprächtig wie ein LSD-Rausch. Und auch die Charaktere sind allesamt überzeichnete Typen mit markanten Gesichtszügen, großen Augen und liebevollen Details. Dieses Spiel mit Klischees und Typen setzt sich auch bei der Geschichte fort, die schon im Ansatz bewusst werden lässt, dass man es hier mit einer Fabel zu tun hat: Erzählt wird Manolos Geschichte nämlich von einer Museumswärterin, die einer Gruppe gelangweilter Schulkinder die mexikanische Kultur nahe bringen will – und natürlich mächtig übertreibt. Durch diesen narrativen Trick erlauben es sich auch die Filmemacher so dick aufzutragen, wie es beliebt. Dass ist zwar manchmal ein geradezu überbordender Zuckerrausch, meist aber ein mitreißendes, phantasievolles Fest für die Sinne.
 
Michael Meyns