Manou – Flieg’ flink!

Der Animationsfilm „Manou, der Mauersegler“ brilliert mit einer hervorragenden technischen Umsetzung und einer besonnen erzählten Coming-of-Age-Story. Der Titelheld der deutsch-französisch-kanadischen Koproduktion steht als Mauersegler, der in einer Möwenkolonie heranwächst, zwischen den strikt voneinander getrennten Vogelkulturen. Christian Haas und Andrea Block von den Stuttgarter LUXX Studios, die zuvor CGI-Effekte für Hollywood-Filme wie „White House Down“ realisierten, inszenieren den gefiederten Culture-Clash mit einer wohl dosierten Mischung aus Unterhaltung, Humor und Gefühl.

Webseite: www.kinostar.com/filmverleih/manou

OT: Manou the Swift
Deutschland, Frankreich, Kanada 2018
Regie: Christian Haas, Andrea Block
Drehbuch: Axel Melzener, Andrea Block, Phil Parker
Sprecher/innen (OV): Kate Winslet, Willem Dafoe
Laufzeit: 88 Min.
Verleih: Kinostar
Kinostart: 28. Februar 2019

FILMKRITIK:

Der verwaiste Mauersegler Manou wächst in einer Möwenkolonie an den Küstenfelsen vor Nizza auf. Mit der Zeit spürt er immer mehr, dass er sich in vielen Dingen von der Ziehfamilie und seinem Adoptivbruder Luc unterscheidet. Das Findelkind verspeist lieber Glühwürmchen als Fische und patzt beim Flugunterricht, weil Mauersegler eine andere Technik als Möwen anwenden. Als Manou die Mauersegler aus der Nachbarkolonie kennenlernt, weiß der Vogel bald nicht mehr, zu welcher Gruppe er sich mehr zugehörig fühlt.
 
Gestalterisch liefern die im Animationsfilmbereich debütierenden Macherinnen und Macher der LUXX Studios absolut hochwertige Arbeit. Die Wetterphänomene an der Küste, das Wasser, eine halb zugewachsene Ruine oder waghalsige Flugmanöver wurden beinah fotorealistisch animiert. Auch die Physis der Vögel zielt nicht Cartoon-artig auf das Kindchenschema, sondern orientiert sich an den realen Vorbildern aus dem Tierreich. So ambitioniert und ästhetisch rund wie „Manou“ sehen Animationsfilme abseits der großen Major-Studios selten aus. Allein schon dafür lohnt der Kinobesuch.
 
Während die Kulissen und die Natur rund um die Hafenstadt Nizza auf Realismus setzen, tragen die sprechenden Vögel menschliche Konflikte aus. Manous Konflikt entfaltet sich als behutsam erzählte Parabel über kulturelle Zugehörigkeitsgefühle. Sowohl bei den Möwen als auch bei den Mauerseglern steht Manou Vorurteilen gegenüber. Das erschwert es ihm, eine eigene Identität auszubilden. Andererseits prädestiniert ihn die brüchige Herkunftsgeschichte dazu, zwischen den Vogelspezies zu vermitteln. Doch obwohl Eier-stehlende Ratten beide Kolonien bedrohen, lassen die intoleranten Vögel nicht so leicht von ihren Traditionen ab.
 
Der bruchlos auf menschliche Erfahrungen übertragbare Coming-of-Age-Plot lotet Manous Gefühlswelt und die verschiedenen Lebensweisen der Vogelspezies ohne Hast aus. Die vom dramatischen Score von Frank Schreiber („Ummah – Unter Freunden“) untermalten großen Spannungsmomente liegen am Ende, also zu einem Zeitpunkt, als das Publikum die Figuren bereits gut kennengelernt hat und daher umso mehr mitfiebern kann.
 
Mit dem unaufgeregten Erzählfluss und den feinen Animationen schwingt sich „Manou“ zum uneingeschränkt empfehlenswerten Kinderabenteuer über die Auswirkungen rassistischer Vorverurteilungen auf. Das Ergebnis unterhält und berührt gleichermaßen. Chapeau nach Stuttgart!
 
Christian Horn