Mara und der Feuerbringer

Fantasystoffe gehörten nicht unbedingt zu den Stärken des vor allem auf Kinderfilme und Komödien ausgerichteten deutschen Mainstreamkinos. Für Tommy Krappweis – bekannt für seine Schöpfung von „Bernd das Brot“ – lag darin aber kein Hinderungsgrund. Mit viel Humor und sympathischer (Selbst-)Ironie schickt er in der ersten Kinoumsetzung der von ihm erdachten Romanreihe „Mara und der Feuerbringer“ seine junge Heldin auf eine abenteuerliche Reise in die nordisch-germanische Sagenwelt. Unterstützung erhält sie dabei von einem bestens aufgelegten Jan Josef Liefers als eigensinniger Geschichtsprofessor. Und der deutsche Fantasyfilmemacher erhielt Unterstützung von einem deutsch-amerikanischen Special-Effects-Team um John Nugent, der bereits für die „Die Chroniken von Narnia“ und „Der Herr der Ringe“ im Einsatz war.

Webseite: www.constantin-film.de

Mara und der Feuerbringer
D 2015
Regie: Tommy Krappweis
Drehbuch: Tommy Krappweis, Sebastian B. Voss nach dem Roman „Mara und der Feuerbringer“
Darsteller: Lilian Prent, Jan Josef Liefers, Esther Schweins, Christoph Maria Herbst, Eva Habermann, Alex Simon
Laufzeit: ca. 90 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 2.4.2015

FILMKRITIK:

In der Pubertät werden aus Kindern allmählich Erwachsene. Dabei begleiten oftmals Stimmungsschwankungen, Konflikte mit den Eltern und Zweifel am eigenen Selbst die vielen Höhen und Tiefen der Adoleszenz. So manches davon kennt die 14-jährige Mara Lorbeer (Lilian Prent) nur zu gut. Von Mitschülern wird sie gemobbt und ihre esoterikbegeisterte Mutter (Esther Schweins) schleppt sie zu seltsamen Selbstfindungsseminaren, bei denen die Teilnehmer mit Bäumen Kontakt aufnehmen sollen. Tatsächlich glaubt Mara zunächst an eine Halluzination, als plötzlich ein kleiner Zweig zu ihr spricht. Dazu wird sie schon länger immer wieder von düsteren Tagträumen heimgesucht, die sich schon bald als sehr konkrete Visionen über die angeblich kurz bevorstehende Götterdämmerung herausstellen. Wie Mara erfährt, habe sie die Gabe einer nordisch-germanischen Seherin geerbt. Verwirrt und verunsichert sucht sie Rat beim Universitätsprofessor Reinhold Weissinger (Jan Josef Liefers), einem anerkannten Experten für germanische Mythologie.
 
Es ist dieses ungewöhnliche Duo, das Regisseur und Autor Tommy Krappweis („Bernd das Brot“) in ein mit viel Witz und Ironie erzähltes Abenteuer schickt. Die erste Kinoumsetzung der von ihm erdachten Fantasytrilogie führt aus dem beschaulichen München in eine mythische und zugleich faszinierende Sagenwelt. Dort treffen Mara, der Professor und mit ihnen der Zuschauer sowohl auf berühmte Figuren aus germanischen Mythen wie den Halbgott Loki (Christoph Maria Herbst) als auch auf so geheimnisvolle Wesen wie den gefährlichen Feuerbringer. Letzterer wurde von einem deutsch-amerikanischen Special-Effects-Team um John Nugent, der bereits für die „Die Chroniken von Narnia“ und „Der Herr der Ringe“ im Einsatz war, durchaus eindrucksvoll zum Leben erweckt. Vor riesigen Green-Screen-Leinwänden in den Kölner MMC-Studios entstanden die düsteren Vulkanlandschaften und Lokis Tropfsteinhöhle – zwei zentrale Schauplätze des ersten „Mara und der Feuerbringer“-Abenteuers, das eine Brücke zwischen Fantasy und klassischem Jugendfilm mit Coming-of-Age-Elementen schlägt.
 
Ob es auch die Teile 2 und 3 von Krappweis’ Feuerbringer-Reihe mit ihrer sympathisch-überforderten Heldin-wider-Willen auf die Kinoleinwand schaffen, hängt maßgeblich vom Erfolg dieses Auftakts ab, bei dem man bei aller augenzwinkernder Unterhaltung doch auch so manches über die nordische Mythenwelt erfährt. Dass gleich drei unserer heutigen Wochentage nach Gottheiten benannt sind, dürften vermutlich nur noch wenige wissen. Mit der jungen Lilian Prent als Mara, die mitten in der Pubertät von ihrer Aufgabe als Seherin und Weltenretterin überrascht wird, und Jan Josef Liefers beweist Krappweis das richtige Gespür bei der Besetzung. Liefers gibt den väterlichen, niemals altklugen Freund, wobei er den Bogen anders als in seiner „Tatort“-Rolle nie überspannt. Gelegentlich erinnert er sogar etwas an einen gewissen Dr. Indiana Jones. Zusammen sind sie ein starkes Team, mit dem sich das Publikum ganz egal welchen Alters schnell identifizieren dürfte. In seiner mutigen Konzeption erweist sich Krappweis’ Kinoumsetzung als geglückter Versuch einer deutschen Fantasyerzählung mit vielen Rückgriffen auf unsere (Kultur-)Geschichte und Seitenhieben auf allzu ernste oder ambitionierte Genrekollegen.
 
Marcus Wessel