Marcello Marcello

Eine herzhafte Wohlfühlkomödie über eine junge Liebe und verschrobene Traditionen in einem azurblauen, nostalgischen Bella Italia der 50er Jahre. Ein zuckersüßes Märchen, romantisch, liebevoll, witzig, verspielt, vor allem aber: so überzogen, dass es schon wieder ironisch wirkt. Läßt man sich drauf ein, ist gute Laune garantiert. Und wenn im letzten Jahr die verspielte griechische Sommerkomödie „Kleine Verbrechen“ es geschafft hat, Besucher anzuziehen, sollte das dieser italienischen Sommerkomödie auch gelingen. Wenn man sich drauf einlässt…

Webseite: www.c-films.ch

Schweiz/Deutschland 2008
Regie: Denis Rabaglia
Darsteller: Francesco Mistichelli, Elena Cucci, Alfio Alessi, Luigi Petrazzuolo, Luca Sepe, Renato Scarpa
Länge: 97 Min.
Verleih: Senator
Kinostart: 10.6.2010
 

PRESSESTIMMEN:

So unbeschwert wie Sommerferien in Italien und so kitschig wie Urlaubspostkarten… Lohnenswert wegen der liebenswert-schrulligen Nebenfiguren…
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

"Marcello Marcello" – wenn man diesen Filmtitel nahezu singend in einem Wort ausspricht und mit ganz viel Liebe auf der Zunge, dann schmeckt man schon fast, wie dieser Film ist. Versetzt man sich dann noch in ein fiktives nostalgisches 50er-Jahre Süditalien, so wie es sich Deutsche oder wie in diesem Fall Schweizer vorstellen und so wie es wohl nie war, dann ist man am Ort dieser Filmerzählung. Und die beginnt als unfreiwillige Deutschstunde, denn der titelgebende Marcello soll einen Aufsatz schreiben über den Hass und die Liebe.

Er erzählt von einer Tradition, die es auf seiner süditalienischen Insel gibt: Wird ein Mädchen 18 Jahre alt, versammeln sich alle jungen Verehrer im Haus des Vaters und buhlen um die Gunst der ersten Verabredung. Derjenige erhält den Zuschlag, der dem Vater das beeindruckendste Geschenk macht. Eine gar schlechte Tradition, findet Marcello, denn sie führte nur selten zur großen Liebe, oft aber zu tiefem Hass und vor allem zu vielen Früh-Ehen in diesem kleinen katholisch-italienischen Mikrokosmos. Wenn dann auch noch diese Ehen unglücklich verlaufen, die Mütter vielleicht sogar Reißaus nehmen von dieser armen, einengenden Insel (wie im Falle Marcellos nämlich) und traurige, einsame Väter hinterlassen, dann kann das eben keine gute Tradition sein. Nein, davon will Marcello nichts wissen. Bis…, ja bis Elena zurückkehrt auf diese kleine schöne Insel, Elena, die Tochter des Bürgermeisters, Elena, die ihr Haar in den Wind hält und wie die Personifizierung einer jeglichen jungen ersten Liebe ins Bild schwebt.

Wenn Marcello vielleicht doch ein passendes Geschenk finden würde für ihren Vater? Vielleicht den Hahn des Fleischers, der jeden Morgen dem Bürgermeister den Schlaf raubt? Marcellomarcello, möchte man sagen, aber ach, die Liebe hört auf keine guten Ratschläge. Leider will der Schlachter für seinen Hahn zwei Flaschen Wein vom Gut zweier Schwestern, die wiederum wollen dafür ihre Hochzeitskleider von einst, die sie nie von der Schneiderin bekommen haben, die wiederum will… und so weiter und so weiter. Am Ende ist das halbe Dorf involviert und hat Marcello viele Aufgaben zu erfüllen – und wir als Zuschauer bangen mit ihm, was wohl als nächste Forderung kommt, welchen Wunsch der gute Marcello noch erfüllen soll.

Spätestens wenn dieser Wettlauf um die Liebe beginnt, hat einen dieser Film gepackt. Man möchte mit ihm laufen, mit ihm handeln, nur damit er die zauberhafte Elena ausführen kann.

Jetzt könnte man fragen: Ist das nicht kitschig, nicht übertrieben märchenhaft romantisch? Ja, das ist es – natürlich. Aber es ist so offensichtlich und damit so ironisch, dass es auf überrumpelnde Weise schon wieder unterhaltsam ist. Man weiß immer, dass man in einem zuckersüßen Märchen sitzt, aber wenn es denn so schön und jugendlich verliebt zugeht, wer möchte da nicht schwelgen? Marcello schaut Elena in die schönen Augen, die Sonne scheint, das Meer ist azurblau, und die Musik tut ihr Übriges. Manchmal rumpelt es ein bißchen mit der Geschichte, ist der Film ein wenig unbeholfen und auch längst nicht so poetisch wie einst "Il Postino" und nicht so tiefgehend wie "Cinema Paradiso" – aber wer möchte schimpfen angesichts solch guter Laune, die diese Wohlfühlkomödie verbreitet? Und hatten wir nicht schon immer Sehnsucht nach Bella Italia und dem wundersamen Kribbeln der ersten Liebe? Die Vernunft hat da nichts zu sagen…

Will Bölscher

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