Marija

Wie „Victoria“, „Paula“ oder „Lotte“ ist „Marija“ schlicht mit dem Vornamen der Protagonistin betitelt. Ein erster Hinweis darauf, dass der nach drei Kurzfilmen erste Langfilm von Regisseur Michael Koch eine starke weibliche Hauptfigur ins Zentrum stellt. Und so ist es auch. Die von Margarita Breitkreiz mit Nachdruck gespielte Titelfigur, eine prekär in Dortmund lebende Ukrainerin, dominiert „Marija“ von der ersten Szene an. Das sorgte schon nach der Deutschlandpremiere beim Max Ophüls Preis und beim Filmfestival von Locarno für Lobeshymnen.

Webseite: www.realfictionfilme.de

OT: Marija
Deutschland, Schweiz 2016
Regie: Michael Koch
Drehbuch: Juliane Grossheim, Michael Koch
Darsteller: Margarita Breitkreiz, Sahin Eryilmaz, Georg Friedrich, Olga Dinnikova, Georges Devdariani, Dmitri Alexandrov
Laufzeit: 101 Min.
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 9. März 2017

PRESSESTIMMEN:

Die durch die Berliner Volksbühne bekannte Margarita Breitkreiz beeindruckt in der Titelrolle mit einer ausgefeilten Charakterstudie.
zeit.de

Vor Ort gedreht, teilweise mit Laiendarstellern besetzt, erzeugt Marija ein authentisches Bild von dem alltäglichen Leben von Migranten in Deutschland.
kino-zeit.de

Starkes Debütdrama um eine Frau, die ihre Gefühle dem wirtschaftlichen Vorankommen unterordnet.
Berliner Zeitung

Michael Koch zeigt die Ränder der deutschen Gesellschaft, eine Welt, von der die Behörden so wenig wie möglich wissen sollen, und wo die Gesetze einer einfachen Ökonomie gelten: Übervorteilung, Ausbeutung, Korruption und gelegentlich eine unerwartete Belohnung.
Tagesspiegel /zitty 

Der Schweizer Regisseur und Drehbuchautor Michael Koch hat mit „Marija“ ein stilles, eindrucksvolles Spielfilmdebüt vorgelegt, das seinen Sozialrealismus nie ausstellt.
Tagesspiegel

FILMKRITIK:

Die junge Ukrainerin Marija (Margarita Breitkreiz) lebt in einer kargen Wohnung in der multikulturellen Dortmunder Nordstadt. Im Badezimmer tropft es von der Decke, ihre Miete kann sie nicht zahlen, seit ihr der Job als Hotelputzfrau fristlos gekündigt wurde. Als es an ihrer Wohnungstür klopft, stellt sie sich tot, doch bald steht der Vermieter Cem (Sahin Eryilmaz) vor ihr und verlangt die offene Miete. Marija zögert kurz, dann befriedigt sie ihn wortlos mit dem Mund. Von nun an erledigt sie kleine Aufträge für Cem, der mit den Migranten aus der Nachbarschaft diverse Deals abschließt und gegen gute Bezahlung Kindergeldanträge ausfüllt oder Unversicherte an Ärzte vermittelt.
 
Als Marija über Cem den halbseidenen Unternehmer Georg (Georg Friedrich) kennenlernt, unterstützt sie ihn als Übersetzerin bei seinen Deals mit der russischen Mafia und steigt rasch zu seiner Assistentin und Geliebten auf. Dem eifersüchtigen Cem schmeckt das nicht, und Georg will ebenfalls mehr, als Marija ihm bietet. Doch die folgt sowieso ihrer eigenen Agenda, denn von allein schenkt ihr das Leben nichts.
 
Die von Margarita Breitkreiz („Tatort“) impulsiv dargestellte Marija steht unter Strom und bleibt rätselhaft. Mal gibt sich die Ukrainerin als Ungarin aus, mal als Französin oder Kurdin. Von der ersten Szene an folgt die Handkamera Marija, deren klappernde Absätze den Rhythmus vorgeben. Wie ein Schutzschild trägt sie ihren Wollpullover, doch wenn sie etwa um die Miete für ihren erträumten Friseurladen feilscht, übernimmt sie die Initiative. Gerade die Interaktion mit den von Georg Friedrich („Aloys“) und Sahin Eryilmaz („Club der roten Bänder“) gespielten Männern lässt Marijas Stärke zu Tage treten. Sie ist kein Opfer, sondern eine selbstbestimmte Kämpferin. Im Grunde geht es für sie vom trostlosen Anfang an bergauf, obgleich diverse Rückschläge naturgemäß nicht ausbleiben
 
Genauso gut könnte „Marija“ übrigens auch „Nordstadt“ heißen, denn in vielen Mikroschicksalen zeichnet Michael Koch ein Alltagspanorama des Dortmunder Problemviertels. Zwischen Dönerbuden und Wettsalons entwickelt sich ein Sozialdrama über Armut und Ausbeutung, das Laiendarstellern über die Schulter blickt. Der soziale Blick gestaltet das Sitten- und Charakterporträt auch dann interessant, als die Handlung zwischenzeitig stillsteht.
 
Christian Horn