Matangi Maya M.I.A.

Die englische, aus Sri Lanka stammende Sängerin Matangi Arulpragasm ist eine der auffälligsten und auch umstrittensten Künstlerinnen der Gegenwart. Was sie so besonders macht, zeigt ihr langjähriger Freund Steve Loveridge in seiner Dokumentation „Matangi Maya M.I.A.“, die vor allem aus alten Homevideos besteht und nicht zuletzt deswegen nicht unbedingt kritisch ist, aber jederzeit persönlich und sehenswert.

Webseite: rapideyemovies.de

Dokumentation
Großbritannien/ USA/ Sri Lanka 2017
Regie: Steve Loveridge
Länge: 95 Minuten
Verleih: Rapid Eye Movies
Kinostart: 22. November 2018

FILMKRITIK:

Ohne Frage war es auch der exotische Touch, der Matangi Arulpragasm, meist Maya gerufen, und unter dem Künstlernamen M.I.A. auftretend, Anfang der Nuller Jahre bekannt machte. Eine in London aufgewachsene Rapperin, deren Vater Arular Mitbegründer einer – je nach Sichtweise – Befreiungsbewegung bzw. Terrororganisation war, die seit 1976 in den Bürgerkrieg auf Sri Lanka verstrickt war. Westliche Rap-Beats vermischte M.I.A. mit Musik und Stimmen aus ihrer Heimat, sang gleichberechtigt über Sex und Geld, aber auch über Rassismus und Unterdrückung.
 
Seitdem hat sich Maya als Popstar etabliert, bringt regelmäßig Platten heraus, lässt ihre Musikvideos von bekannten Regisseuren drehen und sorgt regelmäßig für Skandale, teils fraglos beabsichtigt, teils aber auch durch das Unverständnis hervorgerufen, dem sich eine Frau im Musik-Business gegenübersieht, die für mehr wahrgenommen werden will, als ihre Musik und ihr Aussehen.
 
Steve Loveridge, ein ehemaliger Kommilitone von der Kunsthochschule in London, an der Maya einst studierte, hat mit „Matanga Maya M.I.A.“ nun einen Dokumentarfilm über die Künstlerin vorgelegt, der einen ungewöhnlichen Ansatz wählt. Denn er besteht praktisch ausschließlich aus Videomaterial, das Maya im Laufe ihres Lebens selbst gedreht hat, denn ursprünglich hatte sie die Vorstellung, selbst Filmemacherin zu werden und nicht Musikerin.
 
Aus diesem enormen Bildarchiv, das Maya als junges Mädchen zeigt, zu Hause mit ihren Geschwistern, bei ersten Gehversuchen auf der Kunsthochschule und später im Musikgeschäft, aber auch bei einem längeren Aufenthalt in Sri Lanka, wo sie zufällig während einer besonders heiklen Phase des Bürgerkriegs zu Besuch war, formt Loveridge ein Porträt Mayas, das bewusst subjektiv ist. Keine Interviews mit Kollegen, Journalisten oder anderen Außenstehenden gibt es, keine Bewertung oder Einordnung Mayas als Künstlerin und Aktivisten, allein die Stimme Mayas sorgt für eine narrative Struktur.
 
Als autorisierte Biographie könnte man die Dokumentation also beschreiben, die, wenn es um die zahlreichen Kontroversen in Mayas Leben und Karriere geht, dementsprechend auf ihrer Seite steht, ohne allerdings komplett unkritisch zu sein. Vielmehr gelingt es Loveridge, die heuchlerische Haltung der Medien aufzuzeigen, die einer Person wie Maya geradezu das Recht abzusprechen scheinen, eine Meinung zu kontroversen Themen wie dem Bürgerkrieg auf Sri Lanka zu haben. Statt sich einfach einmal anzuhören, was eine Person, die durch ihre Herkunft unmittelbar betroffen ist, dazu zu sagen hat, machen Moderatoren da lieber Scherze über ihren Londoner Akzent. Statt sie ernst zu nehmen wird gefragt, ob ein im Westen erfolgreicher Popstar, der eine Zeit lang auch noch mit einem amerikanischen Millionärs-Erben verlobt war, über das Elend auf Sri Lanka sprechen dürfte.
 
Immer wieder sieht man die Enttäuschung, auch die Verbitterung auf Mayas Gesicht, wenn wieder einmal lieber über ihr Aussehen gesprochen wird, als über die Missstände, auf die sie aufmerksam machen will. Einen langen Weg hat Maya hinter sich, der sich von einer Musikerin, die auch über soziale Themen spricht, zu einer Aktivistin, die auch Musik macht, gewandelt hat. Gerade in der heutigen Zeit, in der stromlinienförmige Stars, die möglichst nicht anecken wollen, dominieren, macht Mayas Engagement sie schon zu etwas besonderem, wie diese sehenswerte Dokumentation eindrucksvoll zeigt.
 
Michael Meyns