Max Schmeling

Dass ausgerechnet Trash-Filmer Uwe Boll, der bislang vor allem durch Videospielverfilmungen und einen enorm schlechten Ruf bekannt ist, einen Film über die deutsche Boxlegende Max Schmeling gedreht hat, muss für Stirnrunzeln sorgen. Das Ergebnis ist in mancherlei Hinsicht beachtenswert, krankt aber an einem fundamentalen Problem: Hauptdarsteller Henry Maske ist kein Schauspieler.

Webseite: www.maxschmeling-film.de

Deutschland 2010
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Timo Berndt
Darsteller: Henry Maske, Susanne Wuest, Hein Ferch, Vladimir Weigl, Christian Kahrmann, Manfred Wolke, Arthur Anraham
Länge: 123 Min.
Verleih: Central Film
Kinostart: 7. Oktober 2010

 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Seit er Anfang der 90er Jahre begann, Filme zu drehen, ist Uwe Boll besonders im Internet zu einer nachgerade legendären Figur geworden. Als Regisseur von Videospielverfilmungen wie Bloodrayne oder Alone in the Dark wurde Boll bald als moderner Ed Wood angesehen. Dabei waren Bolls Filme nie so originell unbeholfen trashig wie die Werke jenes berühmten „schlechtesten Regisseurs aller Zeiten“ (Dem Tim Burton und Johnny Depp ein wunderbares Denkmal gesetzt haben, eine Ehre, die Boll garantiert nicht zuteil werden wird), sondern waren einfach mittelmäßig. Zumal es egal war, ob sie erfolgreich waren oder nicht: Boll verstand es wie kein anderer, die deutschen Steuergesetzgebungen zu nutzen und finanzierte über windige Abschreibungsmodelle immer neue Filme. Doch diese Löcher im System sind inzwischen gestopft und so muss auch Boll sehen, wie er an Geld kommt, vor allem aber ein wenig mehr an die Qualität seiner Filme denken. Und angesichts von gut 20 Filmen, bei denen Boll inzwischen Regie geführt hat (was mehr ist als praktisch jeder andere deutsche Regisseur der letzten 30 Jahre vorzuweisen hat) kann man zwar nicht behaupten, das Übung den Meister macht, aber doch zumindest einen deutlichen Qualitätssprung im Bollschen Ouevre erkennen lässt. Jüngst entstandene Actionfilme wie Far Cry und Tunnel Rats sind zwar keine großen Kinowerke, aber sehr solide, unterhaltsame Filme für den Videomarkt.

Mit Max Schmeling hat sich Boll (der früher selbst boxte und in einer legendären Aktion gegen vier seiner schärfsten Kritiker zu einem Faustkampf in den Ring stieg!) nun der deutschen Boxlegende Max Schmeling angenommen. Und auch wenn die Besetzung mit dem ehemaligen Boxer Henry Maske ein schöner Marketingcoup ist, auch wenn Maske mit seiner verschlossenen, etwas unbeholfenen Art Schmeling täuschend ähnlich sieht und sich als Ex-Boxer im Ring natürlich überzeugend bewegt: Sobald Maske den Mund aufmacht, fällt alle zuvor etablierte Authentizität zusammen. Immer wieder sorgt Maskes forcierte Betonung, sein Bemühen, den kurzen Drehbuchsätzen Bedeutung zu verleihen, für unfreiwillige Komik. Diese fundamentale Schwäche im Zentrum des Films ist umso bedauerlicher, als Max Schmeling ansonsten gar kein schlechter biographischer Film ist.

Ausgehend von Schmelings Kampfeinsatz während des Zweiten Weltkriegs auf Kreta erzählt der Film in langen Rückblenden von ersten Kämpfen, der Liebe zu der tschechischen Schauspielerin Anny Ondra, Schmelings Aversion gegen seine Vereinnahmung als Nationalsozialistischer Modellathlet und natürlich seine Kämpfe gegen Joe Louis. Gerade die Boxszenen zählen zu den stärksten Momenten des Films, mit Heino Ferch als Trainer Max Machon und Vladimir Weigl als jüdischer Promoter Joe Jacobs an Maskes Seite. Der kann in diesen Szenen ganz von seiner Statur zehren, kann das tun, was er immer besser konnte als reden: Boxen. Ob der echte Schmeling auch der unbescholtene, geradezu naive Gutmensch war, als der er in Uwe Bolls Film dargestellt wird, sei dahingestellt. Mit Max Schmeling hat Uwe Boll der Boxlegende jedenfalls ein solides Denkmal gesetzt, bei dem man sich trotz aller Schwächen fragt, wie viel besser der Film noch hätte sein können, wenn ein Schauspieler die Hauptrolle gespielt hätte und nicht ein Boxer.

Michael Meyns

Max Schmeling war in den beiden letzten Dritteln des vergangenen Jahrhunderts das deutsche Sportidol schlechthin, und so ist es nur natürlich, dass ein (Uwe-Boll-)Film über seinen wichtigsten Lebensabschnitt herauskommt.

Anfang der dreißiger Jahre. Schmeling boxt nach einem relativ steilen Aufstieg in New York gegen Jack Sharkey und wird (durch dessen Disqualifizierung wegen Tiefschlags) Weltmeister. Er ist berühmt. Seine große Liebe gehört der (tschechischstämmigen) Schauspielerin Anny Ondra.

Die Nazis wollen Schmeling vor ihren Karren spannen, haben allerdings Vorbehalte: Die Ehefrau ist Ausländerin, der Manager Joe Jacobs Jude, der nächste entscheidende Kampf soll gegen den „Neger“ Joe Lewis gehen.

Schmeling gewinnt 1936 diesen Kampf, ist Weltmeister. Seine Popularität kennt keine Grenzen. Als er den Revanchekampf gegen Lewis verliert, lassen ihn die Nazis fallen.

Er wird eingezogen, muss auf Kreta kämpfen, wird verwundet. Einem englischen Kriegsgefangenen, den er überführen muss, erzählt er sein Leben.

1943 aus dem militärischen Dienst entlassen, kann er noch Juden retten. Nach dem Krieg zieht er sich mit Anny Ondra auf sein Gut in Pommern zurück. Sein letzter (verlorener) Boxkampf: 1948. Mit seiner geliebten Frau lebt er bis zu deren Tod zusammen. Er selbst stirbt 2005 im Alter von fast 100 Jahren.

Der Lebensabschnitt ist bis auf kleine Ausnahmen chronologisch, ausführlich und auf einfache Weise nacherzählt. Aber man kann sehr wohl Interesse für Schmelings Leben empfinden, denn sein gutartiger, gerader, standfester, zurückhaltender Charakter scheint gut durch. Erstaunlich, dass und wie er sich mit den Nazis anlegte.

Mit entscheidend ist, dass nicht irgendeiner den berühmten Boxer darstellt, sondern Schmelings Nachfolger Henry Maske,
also selbst ein erstklassiger Boxweltmeister. Der nahm Schauspielunterricht und trainierte für den Film wieder hart. Das Ergebnis: eine durchaus passable Darstellungsleistung und perfekte Boxszenen.

Also ein ziemlich guter Film.

Thomas Engel