Meat

Der niederländische Film „Meat“ von Maartje Seyferth und Victor Nieuwenhuijs bewegt sich irgendwo zwischen surrealem Experiment, Psychodrama und Thriller. Er erzählt die Geschichte eines Metzgers und eines Polizisten, die durch einen Mord und viel Sex verbunden sind. Bisweilen ist „Meat“ stark gefilmt, aber letztlich doch etwas zu wirr und unbestimmt, um inhaltlich zu überzeugen.

Webseite: www.moskitofilm.nl

Niederlande 2010, 86 Minuten
Regie: Maartje Seyferth & Victor Nieuwenhuijs
Darsteller: Titus Muizelaar, Nellie Benner, Kitty Courbois, Hugo Metsers, Wilma Bakker, Gurkan Gucuksenturk
Verleih: Moskito Film
Kinostart: 27. Januar 2011
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Meat/ Fleisch ist die zentrale Metapher des vierten gemeinsamen Films des niederländischen Regisseursduos Maartje Seyferth und Victor Nieuwenhuijs. In einer Metzgerei arbeitet ein namenloser Metzger, dessen Frau ihn mit wahllosen Männern betrügt. Der Metzger wiederum hat ein Auge auf die junge, hübsche Aushilfe geworden, die mit ihrer Videokamera filmt, wie im Kühlhaus menschliche Körper Sex haben, während neben ihnen tierische Kadaver von der Decke hängen.

In einer zweiten Erzählebene, die zunächst nichts mit der ersten zu tun zu haben scheint, sieht man einen allein stehenden Polizisten seinem Tristen Alltag nachgehen. Der besteht vor allem aus sinnlos erscheinendem Aktenstudium und dem gießen der traurigen Zimmerpflanzen. Erst der Tod des Metzgers bringt die Ebenen zusammen und offenbart, dass beide Hauptfiguren – Metzger und Polizist – vom gleichen Schauspieler gespielt wurden. Was nun folgt ähnelt überdeutlich den surreal angehauchten Spielen eines David Lynchs, ohne allerdings dessen Faszination zu erreichen. Die Geschichte scheint in sich selbst aufzugehen, eine Schleife zu bilden, suggeriert diverse Interpretationsmöglichkeiten, ohne genug Handfestes zu liefern. Die größte Qualität von „Meat“ ist sein Stil, sein karger Look, zusammengesetzt aus starren Einstellungen und surrealen Bildern, die die Atmosphäre einer Welt entstehen lassen, die Besessen von fleischlichen Gelüsten jeglicher Couleur ist. Wobei allerdings weder das Essen, noch der Sex mit positiven Konnotationen belegt sind. Gerade die männlichen Figuren sind unattraktive Gesellen, die in ihren Säften schmoren, ihre eigenen Fleischmassen bewegen, während sie Fleisch essen bzw. sich dem Fleisch der Frauen annehmen.

Und hier wird es dann problematisch, um nicht zu sagen fragwürdig. Wie so viele Filme steht auch hier, ausgerechnet in einem Film zweier Filmemacher, die sich feministischen Gedanken nahe wähnen, der männliche Blick im Mittelpunkt. Einmal mehr werden fragwürdige Altherren-Phantasien bedient, in denen sich schöne, junge Frauen aus vollkommen unerfindlichen Gründen nicht nur äußerlich unattraktiven älteren Männern hingeben. Man hofft, dass „Meat“ diese Darstellung sexistischer, misogyner Klischees dazu nutzt, diese zu hinterfragen, sie bloß zu stellen. Doch in den kaum entschlüsselbar verschachtelten Erzählebenen verliert sich jeglicher kritische Ansatz, den man mit gutem Willen erkennen kann. Viel mehr als einige schöne Bilder und einige interessante surreale Bilder bleiben somit am Ende von „Meat“ leider nicht übrig.

Michael Meyns