Meine teuflisch gute Freundin

Lilith ist die Tochter des Teufels und bekommt ihren ersten Auftrag: Um sich für den Außendienst zu qualifizieren, muss sie aus der liebevollen Außenseiterin Greta ein richtig böses Mädchen machen. Eine freche Idee, die Regisseur Marco Petry in der Verfilmung des Romans „Meine teuflisch gute Freundin“ der durch die „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe bekannt gewordenen Kinder- und Jugendbuchautorin Hortense Ullrich kongenial umsetzt mit authentischen Dialogen, gelungenen Pointen und charmantem Wortwitz. Super gespielt, toll inszeniert – richtig klasse Kino für ein junges Publikum  (und älteres gleich mit). Teuflisch gut!

Webseite: www.meine-teuflisch-gute-freundin.de

Deutschland 2018
Regie: Marco Petry
Darsteller: Emma Bading, Janina Fautz, Alwara Höfels, Oliver Korittke, Samuel Finzi, Emilio Sakraya
Länge: 90 Minuten
Verleih: Wild Bunch Germany, Vertrieb: Central
Kinostart: 28. Juni 2018

FILMKRITIK:

Lilith (Emma Bading) ist 14 Jahre alt und macht ihren Mitmenschen gern das Leben schwer. Ihrem Vater (Samuel Finzi) kommt das nur gelegen – ist er doch niemand Geringeres als der leibhaftige Teufel. Als Bewerbung für den Außendienst, erhält die Teenagerin den Auftrag, eine von ihrem Vater ausgewählte Zielperson zum Bösen zu bekehren. Dafür hat sie eine Woche Zeit. Doch diese Aufgabe ist schwerer als gedacht! Mit der Außenseiterin Greta Birnstein (Janina Fautz) und ihren Eltern (Alwara Höfels, Oliver Korittke) hat Liliths Vater nämlich die wohl netteste Familie auf diesem Planeten ausgesucht. Lilith muss sich ganz schön anstrengen, um ihr Ziel zu erreichen, das in noch weitere Ferne rückt, als sie den Schulrowdy kennenlernt, in den sich Lilith Hals über Kopf verliebt. Doch Lilith weiß: Verliebte Teufel sind zu nichts mehr zu gebrauchen…

Die durch die „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe bekannt gewordene Kinder- und Jugendbuchautorin Hortense Ullrich nimmt in ihren Romanen kein Blatt vor den Mund. Das ist auch in „Meine teuflisch gute Freundin“ nicht anders, in dem sich nicht bloß verschiedene Genres von der Romanze über Fantasy bis hin zum klassischen Coming-of-Age vereinen, sondern in dem auch endlich einmal so gesprochen wird, wie es Heranwachsende im Jahr 2018 nun einmal tun. Anders als in diversen anderen Teeniefilmen verzichten die Autoren hier ganz bewusst auf einen pseudocoolen Slang; im Gegenteil: In einer Szene wird sich sogar gezielt über eine derart bemühte Attitüde lustig gemacht. Nein, „Meine teuflisch gute Freundin“ spricht die Sprache der Jugend und macht damit schon einmal ziemlich viel richtig.

Doch nicht nur die authentischen Dialoge überzeugen, auch die Gags zünden. „Meine teuflisch gute Freundin“ steckt voller gelungener Pointen, die sich gleichermaßen aus charmantem Wortwitz und der absurd-überhöhten Prämisse ergeben. Wann immer es geht, spielen die Macher mit der Idee, wie es wäre, wenn der Teufel höchstpersönlich (und in Gestalt einer rothaarigen Teenagerin) auf der Erde wandeln würde, ohne dass davon Jemand etwas weiß. Darüber im Unklaren lässt Lilith ihr Umfeld tatsächlich bis ganz zum Schluss – und es ist schon äußerst amüsant, wie sich die tolle Newcomerin Emma Bading („1000 Arten den Regen zu beschreiben“) von einer skurrilen Szenerie in die nächste begibt. Vor allem die Kabbeleien mit den Schulbullys sind in ihrem unvorhersehbaren Ausgang äußerst amüsant; und wie Janina Fautz („Das weiße Band“) als völlig ahnungslose Greta daneben steht, ist ebenso charmant, wie ihr langsamer Wandel hin zu einer jungen, selbstbewussten Frau, die sich endlich aus den klammernden Armen ihrer sie umsorgenden Eltern befreien kann.

Auch eine Prise Romantik spendiert Marco Petry seinen Hauptfiguren – und in beiden Fällen gehen die Geschichten ganz anders aus, als man es auf den ersten Blick glauben würde. So wenig sich im Grundsatz im Kinder- und Jugendkino variieren lässt (natürlich ist klar, dass die Geschichte für alle Beteiligten schon irgendwie ganz gut ausgehen wird), so großzügig hantieren die Macher mit Überraschungen und setzen obendrein darauf, dass selbst noch so überzeichnete Charaktere nachvollziehbar und logisch handeln. So erweckt selbst die hanebüchene Idee vom Teenie-Teufel auf Abwegen den Eindruck, dass sie sich genau so ereignen könnte.

Antje Wessels