Mia und der weiße Löwe

Über drei Jahre drehte der Dokumentarfilmer Gilles de Maistre an seinem ersten Spielfilm „Mia und der weiße Löwe“, der von der Freundschaft zwischen einem blonden Mädchen und einem weißen Löwen erzählt. Manch eindrucksvolle Bilder und gute Absichten können dabei nicht über die ausgesprochen altmodische Handlung hinwegtäuschen, vor allem aber nicht über das fragwürdige Bild des modernen Südafrikas.

Webseite: www.studiocanal.de

OT : Mia et le lion blanc
Frankreich/Südafrika/Deutschland 2018
Regie: Gilles de Maistre
Darsteller: Daniah de Villiers, Mélanie Laurent, Langley Kirkwood, Ryan Mac Lennan, Lionel Newton, Lilian Dube
Länge: 98 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 31. Januar 2019
 

FBW:

„Den Filmemachern gelingt ein berührender Naturfilm für die ganze Familie. Ein langjähriges Training mit den Tieren durch ‚Löwen-Flüsterer‘ Kevin Richardson ermöglichte einen atemberaubend natürlichen Umgang der Schauspieler mit den Löwen ohne jeglichen Einsatz von Tricktechnik – vor allem die Interaktion zwischen Charlie und Mia ist ausdrucksstark und sympathisch. Mia als perfekte Identifikationsfigur für Kinder und Jugendliche, gespielt von Daniah de Villiers, wirkt unfassbar authentisch. Vor allem setzt der Film auf einen der größten Schätze Südafrikas: Die grandiose Landschaft und die gefährdete Tierwelt werden in opulenten, prachtvollen Bildern eingefangen. – Prädikat: besonders wertvoll.“ – Filmbewertungsstelle Wiesbaden

FILMKRITIK:

Zusammen mit ihren Eltern Alice (Mélanie Laurent) und John (Langley Kirkwood) und ihrem etwas älteren Bruder Mick (Ryan Mac Lennan) wächst Mia (Danniah de Villiers) auf einer Farm in Südafrika auf. Das Leben könnte beschaulich ablaufen inmitten von weiter Natur und reizenden Tieren, doch Mia fühlt sich nicht wohl, denn sie wäre lieber zurück in London, wo sie aufwuchs.

Doch die Geburt eines weißen Löwen, der bald auf den Namen Charlie getauft wird, ändert alles. Nach anfänglichem Widerwillen freundet sich Mia mit dem Löwen an, tobt mit ihm rum, als wäre er ein zahmes Kätzchen und ist bald unzertrennlich mit ihm verbunden. Doch der Löwe wird schnell größer und zunehmend gefährlich, vor allem aber ist er die Attraktion der Farm, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet.

Als Charlie schließlich Mick verletzt, ist es John zu viel: Charlie soll verkauft werden. Doch nicht nur das, denn Mia findet heraus, dass Charlie als besonders wertvolle Trophäe zum Abschuss freigegeben werden soll. Und so setzt sie alles daran, ihren Löwen zu retten und in ein Reservat zu bringen.

Um über 90% ist die Löwenpopulation in Südafrika in den letzten Jahrzehnten geschrumpft, der Lebensraum für die Könige der Tiere wird immer kleiner, Jäger zahlen enorme Summen, um sich damit brüsten zu können, einen Löwen erlegt zu haben. Jeder Versuch, auf die Situation der Löwen aufmerksam zu machen, für ihren Schutz zu kämpfen, ist also unbedingt löblich. Das hat Regisseur Gilles de Maistre auch schon oft getan, unter anderem in der Dokumentation „Der mit dem Löwen spricht“, die den so genannten Löwenflüsterer Kevin Richardson porträtierte. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Idee zu diesem Film, für die die junge Hauptdarstellerin Danniah de Villiers jahrelang mit einem aufwachsenden Löwen verbrachte, täglich mit dem Tier zu tun hatte und dadurch eine Nähe möglich wurde, die mehr als ungewöhnlich ist.

Oft mutet „Mia und der weisse Löwe“ dann auch wie ein Dokumentarfilm an, häufiger noch allerdings wie einer jener überaus verkitschten Disney-Filme aus den 60er Jahren, in denen ein verklärtes Zusammenleben zwischen Mensch und Tier beschworen wurde, das schon damals rückständig wirkte. Und so funktioniert auch dieser Film, dem man nicht anmerkt, dass er 2018 fertig gestellt wurde.

Südafrika wirkt wie ein einziger Naturpark, in dem vor allem weiße Farmer leben, Schwarze auf die Rolle der Angestellten reduziert sind, von Armut und Rassenproblemen keine Spur ist, ein junges blondes Mädchen völlig unbehelligt hunderte Kilometer mit einem Löwen im Schlepptau durch das Land ziehen kann, um im Löwenreservat auf schwarze Eingeborene zu treffen. Einmal mehr reduziert das westliche Kino Afrika auf seine Natur und Tierwelt, auf atemberaubende Landschaft und kreiert eine Illusion, die kaum etwas mit der Realität zu tun hat.

Dass dies zum Zweck geschieht, auf den überaus fragwürdigen Umgang mit den langsam aussterbenden Löwen aufmerksam zu machen, kann nicht erklären, warum in der heutigen Zeit, in der so viel über Repräsentation gesprochen wird, nicht etwa ein schwarzes Mädchen den Löwen und mit ihm die Tradition ihres Landes rettet, sondern einmal mehr eine sehr blonde, sehr weiße, sehr westliche Person.

Michael Meyns