Midnight Sun – Alles für Dich

Was schon 1970 im Klassiker „Love Story“ berührte, entwickelte mit der Jugendbuchadaption „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ auch im gegenwärtigen Kinoschaffen einige Breitenwirkung: Die Geschichte einer ersten Liebe im Angesicht einer tödlichen Krankheit. Mit „Midnight Sun“ liefert Regisseur Scott Speer („Step Up – Miami Heat“) eine weitere Variation des klar abgesteckten Genres. Seine Jugendromanze lebt dabei weniger vom formelhaften Plot, sondern speziell von der stimmungsvollen Atmosphäre und den schauspielerischen Funken, die zwischen den Newcomern Bella Thorne („DUFF: Hast du keine, bist du eine“) und Patrick Schwarzenegger („Scouts vs. Zombies“) entstehen.

Webseite: www.midnight-sun-film.de

USA 2018
Regie: Scott Speer
Drehbuch: Kenji Bando nach dem Drehbuch „Taiyô no uta“ von Eric Kirsten
Darsteller/innen: Bella Thorne, Patrick Schwarzenegger, Rob Riggle, Quinn Shephard, Ken Tremblett, Jenn Griffin, Nicholas Coombe
Laufzeit: 91 Min.
Verleih: Universum Film/SquareOne Entertainment
Kinostart: 22. März 2018

FILMKRITIK:

Tagsüber komponiert die 17-jährige Katie (Bella Thorne) Gitarrensongs und wirft durchs Fenster ein Auge auf den gleichaltrigen Skater Charlie (Patrick Schwarzenegger), abends tritt sie als Straßenmusikerin auf. Eins der Konzerte besucht auch Charlie. Aus der spontanen Begegnung erwachsen Gefühle, doch auf der jungen Liebe liegt ein Schatten: Katie leidet an der unheilbaren Mondscheinkrankheit. Weil Sonnenlicht eine tödliche Gefahr für sie darstellt, verbringt sie ihre Tage hinter speziellem Schutzglas. Nur ihr alleinerziehender Vater Jack (Rob Riggle) und ihre beste Freundin Morgan (Quinn Shephard) wissen um Katies Geheimnis. Doch früher oder später muss die Teenagerin auch ihren neuen Freund Charlie einweihen.
 
Wer schon mal eine Jugendromanze gesehen hat, zumal eine mit Krankheitsthema, für den hält die Handlung von „Midnight Sun“ kaum Überraschungen parat. Vielmehr setzt Eric Kirstens Debütskript nach dem japanischen Drama „Taiyô no uta“ die genreüblichen Plot Points und schlägt erst beim Schussakkord eine eigene Note an. Gerade im Vergleich zu thematisch ähnlich gelagerten Filmen wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder „Du neben mir“ fällt auf, dass Katies Krankheit zwar den Konflikt der Hauptfigur begründet, letztlich aber eher nebensächlich verhandelt wird. Typische Behandlungsszenen und der Traum von einem Ausflug ans Meer reichen kaum, um Katies Hadern mit der Krankheit lebendig auszugestalten.
 
Dafür überzeugt die lebendige Atmosphäre der Teenager-Romanze umso mehr. „I don't want a never ending life, I just want to be alive while I'm here“ heißt es in einem der vielen Kuschelsongs aus dem generell ziemlich musikalischen Film. Wenn Katie frei nach diesem Wunsch an Charlies Seite die ihr weitgehend fremde Außenwelt erkundet, knistert es gewaltig zwischen dem von Bella Thorne und Patrick Schwarzenegger sympathisch verkörperten Leinwandpärchen. Selbst wenn die beiden wie unzählige Kinopaare zuvor den Sternenhimmel betrachten, wirkt das dank der schauspielerischen Frische und Unmittelbarkeit viel weniger klischeehaft als es klingt. Dass der charmante Liebesfilm zwei Tage nach dem astronomischen Frühlingsbeginn in die Lichtspielhäuser kommt, erscheint da nur folgerichtig.
 
Christian Horn