Mit besten Absichten

Im zweiten Kinofilm der Regisseurin und Drehbuchautorin Lorene Scafaria („Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“) sucht eine von Susan Sarandon gespielte Witwe nach einem neuen Sinn in ihrem Leben – und konzentriert sich dabei weniger auf sich selbst als auf die Belange anderer, allen voran das Leben ihrer Tochter. Aus dieser Konstellation heraus entwirft Scafaria eine unaufgeregte Tragikomödie, die die Stagnation der Hauptfigur zum erzählerischen Prinzip erhebt.

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OT: The Meddler
USA 2015
Regie: Lorene Scafaria
Darsteller: Susan Sarandon, Rose Byrne, J.K. Simmons, Jerrod Carmichael, Cecily Strong, Lucy Punch, Michael McKean
Länge: 100 Min.
Verleih: Sony
Kinostart: 14.07.2016
 

FILMKRITIK:

Am Anfang liegt die von Susan Sarandon gespielte Marnie Minervini im Bett und starrt auf den Deckenventilator. Bald dünkt dem Zuschauer, dass Marnie nichts mit sich anzufangen weiß. Seit dem Tod ihres Ehemanns, der ihr ein stattliches Vermögen hinterlassen hat, hängt die knapp über 60-jährige Witwe in den Seilen. Durch den Umzug von New Jersey nach Los Angeles hofft sie, wenigstens ihrer Tochter Lori (Rose Byrne) nah zu sein. Dass Marnie ihren Alltag aber völlig auf die Tochter ausrichtet, diese ständig anruft und ohne Ankündigung in ihrer Wohnung auftaucht, geht Lori zu weit, zumal sie nach der Trennung von ihrer großen Liebe gerade mit sich selbst beschäftigt ist. Als Lori für eine Weile beruflich nach New York fliegt, muss sich Marnie ernsthaft damit befassen, einen eigenen Lebensinhalt zu finden.
 
Der Originaltitel „The Meddler“ trifft den Nagel auf den Kopf, bezeichnet er doch eine Person, die sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Und genau so eine Person ist Marnie. Tatsächlich wäre es noch freundlich, die Einmischungen der Mutter in das Leben ihrer Tochter als aufdringlich zu bezeichnen. Als Lori ihrer Mutter vorschlägt, dass sie sich doch ein Hobby suchen könne, entgegnet Marnie: „Vielleicht könntest du ja mein Hobby sein.“ Doch auch abseits der Mutter-Tochter-Beziehung definiert Marnie ihr Leben vor allem über ihren Einsatz für andere Leute. So greift sie Loris Freundin Jillian (Cecily Strong) bei der Planung und Finanzierung ihrer Hochzeitsfeier unter die Arme, besucht regelmäßig eine bettlägerige Dame (Jo Jordan) im Krankenhaus und kutschiert den jungen Afroamerikaner Freddy (Jerrod Carmichael), der sie im Apple Store so nett beraten hat, kurzerhand regelmäßig in die Abendschule. So plätschern die Tage vor sich hin, bis der pensionierte Polizist Zipper (J.K. Simmons) in Marnies Leben tritt.
 
Wie die Hauptfigur flaniert auch der Film selbst bisweilen ziellos umher und begleitet die verwitwete Frau ohne große Höhepunkte oder einen ausgetüftelten Spannungsbogen. Dass das dramaturgische Geplänkel nicht in Langweile versandet, liegt viel an Susan Sarandon, die den dialogreichen Film mit ihrer routinierten Leinwandpräsenz trägt. Schön anzuschauen sind ihre Szenen mit J.K. Simmons, der einen stattlichen Schnauzer trägt und als feiner Kerl mit Harley Davidson und Hühnerstall das genaue Gegenteil des Tyrannen aus „Whiplash“ spielt. Davon abgesehen durchbrechen immer wieder gelungene Einzelmomente den ruhigen Erzählfluss, wenn Marnie beispielsweise in ein Filmset platzt und sogleich eine Rolle abbekommt oder mit massig Marihuana im Leib eine üppige Kuchenauslage anschmachtet.
 
Christian Horn