Molly’s Game

Unglaublich, aber wahr: Molly Bloom, früher einmal erfolgreiche Wintersportlerin, wird zufällig in Hollywood Sekretärin eines Veranstalters für Poker-Spiele, an denen berühmte Schauspieler und schwerreiche Männer teilnehmen. Und wird später selbst Organisatorin profitabler Poker-Abende. Doch der Grat zur Illegalität ist schmal. Nach dem Buch von Molly Bloom erzählt Regiedebütant Aaron Sorkin vielschichtig und spannend die Geschichte einer Frau, die sich in einer Männerdomäne behauptet. In Haupt- und Nebenrollen bestechend gespielt.

Webseite: www.mollysgame-film.de

USA 2017
Regie: Aaron Sorkin
Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera, Bill Camp, Jeremy Strong, Chris O’Dowd
Länge: 140 Min.
Verleih: Square One
Kinostart: 8.3.2018

FILMKRITIK:

Es beginnt hastig, nervös, fast ein wenig übereilt – so als fürchte die Erzählerin, in der Kürze der Zeit nicht alle Fakten über ihr bisheriges Leben unterbringen zu können. Die Erzählerin ist Molly Bloom (Jessica Chastain), die in knappen Sätzen und schnellen Szenenfolgen von der Katastrophe erzählt, die ihr Leben verändern sollte. Als junge Frau war Molly eine erfolgreiche Freestyle-Skifahrerin mit Olympia-Ambitionen. Doch ein kleiner Tannenzweig auf der Piste wird ihr zum Verhängnis und führt zu einem spektakulären Unfall. Schnell noch ein Paar Röntgenbilder, Aufnahmen der Operation und aus der Reha, und der Zuschauer weiß, dass es mit der Sportkarriere vorbei ist. Statt wie geplant Jura zu studieren, geht Molly nach Los Angeles und beginnt als Sekretärin für Dean Keith (Jeremy Strong), der in Hollywood Underground-Poker-Spiele veranstaltet. Molly kümmert sich engagiert und umsichtig um die praktische Ausrichtung dieser Abende, an denen berühmte Schauspieler und schwerreiche Männer teilnehmen. Doch als Keith sie, der hohen Trinkgelder wegen, unter Druck setzt, nimmt sie ihm einfach die Veranstaltung weg und organisiert sie selbst. Erzählt wird diese Geschichten in mehreren Rückblenden. Molly ist nämlich mitten in der Nacht von 17 schwer bewaffneten FBI-Agenten verhaftet worden, weil sie unwissentlich russische Mafiosi an ihren Spieltisch gelassen hat. Nun soll der Anwalt Charley Jaffey (Idris Elba) für sie die Kohlen aus dem Feuer holen. Doch ist seine Mandantin wirklich unschuldig?
 
Eine wahre Geschichte, Molly Bloom gibt es wirklich, und sie hat über ihr Leben als „Poker Princess“ sogar ein Buch geschrieben, das Autor und Regiedebütant Aaron Sorkin als Vorlage diente. Energisch treibt er seine Erzählung voran, und mit Einführung des Rechtsanwalts springt der Film in der Zeit vor und zurück. Besonders die Rededuelle zwischen Idris Elba und Jessica Chastain sind von einem Wortwitz und einer Eloquenz, die einen großen Teil der Faszination des Films ausmachen. Da sind zwei, die sich ihr gegenseitiges Vertrauen hart erarbeiten müssen. Jessica Chastain ist genau die Richtige für diese Molly Bloom: selbstsicher und schön, charmant und professionell, distanziert und wortgewandt. Der skrupellosen Rücksichtslosigkeit von Elizabeth Sloane, die sie in „Die Erfindung der Wahrheit“ spielte, setzt sie mehr Freundlichkeit und Verletzlichkeit entgegen. Glaubwürdig und beeindruckend spielt Chastain eine Frau, die durch einen ehrgeizigen Vater, dargestellt von Kevin Costner, und noch erfolgreichere Brüder aus dem Elternhaus getrieben wird und sich nun in einer Männerwelt behaupten muss. Zum Gelingen des Films tragen auch zahlreiche andere Nebenfiguren bei, zum Beispiel Michael Cera als Spieler X (dahinter verbirgt sich ein berühmter Schauspieler), der Molly den Erfolg neidet und ihr gleichzeitig ihre Distanz vorwirft. Oder Bill Camp als bester Spieler in Mollys Runde, der durch eine einzige Fehleinschätzung seinen Untergang einleitet und damit auch Molly auf den falschen Pfad führt. Man muss gar nicht so viel von Poker verstehen, um diesen Film extrem spannend und unterhaltsam zu finden.
 
Michael Ranze