Morning Glory

Im amerikanischen Fernsehen sind die morgendlichen TV-Shows eine feste und sehr beliebte Größe. In diesem Kosmos spielt Roger Michells neue romantische Komödie, in der Jungstar Rachel McAdams auf den alten Haudegen Harrison Ford trifft. Wirklich pointiert ist das nur in wenigen Momenten, meistens krankt „Morning Glory“ an einem merkwürdig unterentwickelten Drehbuch, das weder als Romanze, noch als Komödie und schon gar nicht als Satire über die Banalisierung des Fernsehens wirklich funktioniert.

Webseite: www.morninggloryfilm.de

USA 2010
Regie: Roger Michell
Darsteller: Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum
Länge: 105 Min.
Verleih: Paramount
Kinostart: 13. Januar 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die 28jährige Becky Fuller (Rachel McAdams) lebt für ihren Job. Sie ist Produzentin einer morgendlichen Fernsehsendung in New Jersey, also nur einen Sprung nach New York, wo die erfolgreichen Morgen-Shows der großen Netzwerke entstehen. Dort hin zu kommen ist Beckys großer Traum, doch nach ihrer Entlassung scheint sie weiter davon entfernt zu sein als je zuvor. Aber ihr Ehrgeiz kennt keine Grenzen und so überredet sie den Programmdirektor eines Senders, ihr eine Chance zu geben: Als Produzentin von „Daybreak“ sieht sie sich allerdings einer Herkulesaufgabe gegenüber. Die Quoten sind schlecht, das Studio heruntergekommen, und gleich am ersten Tag entlässt sie den Co-Moderator. Das sie es dann schafft, den etablierten Journalisten Mike Pomeroy (Harrison Ford) als neuen Moderator an der Seite von Colleen Peck (Diane Keaton) zu engagieren, nötigt ihren Kollegen Respekt ab. Doch sie hat nicht mit dem Ego von Pomeroy gerechnet, der Morgen-Shows für banale Zeitverschwendung hält, für die er, der vielfach ausgezeichnete investigative Journalist, viel zu gut ist. Beckys Traum von der großen Karriere scheint zum Scheitern verurteilt zu sein, doch dann beginnt sie zu kämpfen – und ein Mann springt nebenbei auch noch dabei heraus.

Das bei dieser romantischen Komödie gleich drei Personen für den Schnitt verantwortlich zeichnen, deutet unweigerlich auf Probleme hin. Und so überrascht es auch nicht, dass „Morning Glory“ merkwürdig unausgereift wirkt, zusammen geschnitten und unterentwickelt. Dass die Geschichte vollkommen vorhersehbar ist, an Beckys beruflichem und persönlichem Erfolg kein Zweifel besteht – geschenkt. Von einer Hollywood-Produktion kann man nicht ernsthaft erwarten, die Erwartungen der Zuschauer komplett zu unterlaufen. Doch wie konfliktfrei all das abläuft, verblüfft dann doch. Schon nach wenigen Minuten lernt Becky einen feschen Kollegen kennen, wenige Momente später sind sie ein Paar, Probleme, die durch Beckys Ehrgeiz und lange Arbeitszeiten entstehen werden kurz angedeutet, um sofort wieder vergessen zu werden. Und so geht es weiter.

Im Duo Harrison Ford und Diane Keaton hat der Film eigentlich ein potentiell interessantes Paar, doch keine der angedeuteten persönlichen und beruflichen Konflikte werden ausgereizt. Und auch die satirische Note des Films – die Quotenjagd der Fernsehsender, die zunehmende Verdrängung von ernsthaften durch populistische Themen – scheint einmal vorgesehen gewesen, im Laufe der Produktion aber fast komplett verschwunden zu sein. So ähnelt “ Morning Glory“ letztlich den windschnittigen, aber letztlich vergessenswerten Fernseh-Sendungen, die er als Anlass zur Komödie nimmt: Viele verschiedene Aspekte werden angedeutet, in einer glatten, aber letztlich uninspirierten Optik präsentiert, bekannte Gesichter geben Variationen ihrer typischen Rollenmuster und kaum ist es vorbei, hat man Mühe, sich an das Gesehene zu erinnern.

Michael Meyns

Becky Fuller hat in einem der zahlreichen New Yorker Fernsehsender einen Spitzenjob ergattert. Sie führt als mittlere Chefin das Team an, das den Day Break, den Tagesanbruch, programmmäßig zu betreuen hat.

Eine ihrer gestandenen Moderatorinnen ist Colleen Peck, altgedient, nett und innerhalb wie außerhalb der Sendungen nicht auf den Mund gefallen.

Trotzdem, die Quoten sind nicht gut. Beckys Vorgesetzter Jerry Barnes hat Bedenken. Wenn es nicht besser wird, muss das Format gekippt werden.

Becky ist konsterniert. Immerhin sieht sie eine Gelegenheit, die sie auf keinen Fall verpassen möchte. Die Rettung könnte Mike Pomeroy heißen, ein zwar schon aus dem Dienst ausgeschiedener aber einst berühmter TV-Mann. Becky versucht’s. Doch Pomeroy ist hochnäsig, von sich eingenommen, abweisend – ein unfreundlicher Nörgler. Außerdem mit Colleen verfeindet.

Doch es handelt sich schließlich um eine Komödie. Pomeroy lässt sich natürlich irgendwann einmal erweichen, er braucht nämlich Geld. Und dann gelingt ihm auch noch ein Coup. Er kann einen korrupten Gouverneur festnehmen lassen. Live. Die ganze Nation schaut zu. Nicht nur das. Die Quoten steigen ins Unermessliche. Day Break ist gerettet.

Becky würde nun nach diesem Erfolg eine Bombenstellung in einer der ganz großen Fernsehstationen erhalten. Wird sie diesen Schritt gehen? Oder bleibt sie Day Break treu? Schließlich ist dort auch Adam Bennet tätig, der gut aussehende Produzent, der ziemlich tief in Beckys Leben treten könnte.

Milieuschilderung und Dialoge sind Klasse. Und was soll noch schief gehen, wenn Darstellerkoryphäen wie Diane Keaton (Colleen Peck), Harrison Ford (Mike Pomeroy), Rachel McAdams (Becky Fuller – die allerdings ihr Spiel manchmal überzieht), Jeff Goldblum (Jerry Barnes) oder Patrick Wilson (Adam Bennet) die Hauptrollen innehaben? Gar nichts.

Komödie, Unterhaltung und bemerkenswerte Darstellung auf insgesamt gutem Niveau.

Thomas Engel