Nathalie küsst

Eine junge Frau erlebt ihre große Liebe, verliert sie jedoch durch einen Unfall und sucht nach langer Trauer neue Wege zum privaten Glück. Ist es der schüchterne Kollege, den sie spontan küsst?
Das beantwortet die romantische Komödie "Nathalie küsst" mit der wieder einmal mitreißenden Audrey Tautou. Melancholisch, mit feinem Witz, vielschichtig, mit sparsamen Worten und nicht überbordend geratenen Situationen wird diese liebenswerte Geschichte von den Brüdern David und Stéphane Foenkinos erzählt. Die sonnendurchfluteten Bilder lassen uns an den nächsten Sommer denken. Ein gutes Timing für das kleine, aber feine Feel-Good-Movie.

Webseite: www.nathaliekuesst-derfilm.de

OT: La Délicatesse
Frankreich 2011
Regie: David und Stéphane Foenkinos
Drehbuch: David Foenkinos nach seinem gleichnamigen Roman
Darsteller: Audrey Tautou, Francois Damiens, Bruno Todeschini, Mélanie Bernier, Joséphine de Meaux, Pio Marmai
Länge: 108 Min.
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 12. April 2012

PRESSESTIMMEN:

Den Gebrüdern Foenkinos ist einer dieser magischen französischen Liebesfilme geglückt, die einen warm durchströmen und verzückt durchs Geschehen treiben lassen.
STERN

Selbst Romantikmuffel kriegen weiche Knie bei diesem zauberhaften Liebesfilm mit Audrey Tautou.
BRIGITTE

"Amelie" wäre entzückt.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Das junge Paar genießt das Glück, eine wunderbare Zeit in Paris. Sie heiraten und Nathalie bekommt eine Stelle in einem erfolgreichen schwedischen Unternehmen. Dann, eines Morgens, wird Francois (Pio Marmai) beim Joggen Opfer eines Autounfalls. Und Nathalie (Audrey Tautou) steht vor den Scherben ihrer kleinen, glücklichen Welt. Sie hat sich noch nicht einmal von ihrem Mann verabschieden können. Sich zu vergraben, abzukapseln hilft nicht. Also stürzt sich Nathalie in ihre Arbeit. Ihr Chef Charles (Bruno Todeschini) befördert sie zur Abteilungsleiterin, nicht ohne Hintergedanken. Er hat schon lange ein Auge auf seine hübsche Angestellte geworfen – ein einseitiges Unterfangen. Er erhält eine Abfuhr und der unauffälligste Mitarbeiter Markus (Francois Damiens), ein Schwede, von Nathalie einen Kuss. Dabei ist Markus nur wegen einer Frage ins Büro gekommen. Beide sind verwirrt. Warum ausgerechnet der, fragt sich Nathalie. Das muß wohl ein Irrtum sein, meint Markus. Zieht etwa das Glück allmählich wieder in das Leben zweier einsamer, unterschiedlicher Menschen ein? Kommen sie zusammen?

Die Geschichte über ein ungleiches Paar könnte Stoff für eine Tragödie oder ein Melodram sein, die Macher haben daraus jedoch eine leichte, romantische Komödie gemacht. David Foenkinos’ Buch dient als entsprechende Vorlage. Deshalb changiert die Handlung zwischen Tragik, Witz, Melancholie und Leichtigkeit. Sparsame, aber wohl gesetzte Dialoge lassen die Dinge nicht abrutschen oder ins Lächerliche gleiten. Alles ist in sich stimmig und läßt etwaige Reibung gar nicht erst zu. Peinlichkeiten werden zugunsten mancher gewollten Ungeschicklichkeit vermieden. Die Kameraarbeit von Rémy Chevrin unterstreicht Nathalies Wandlungen von Glück, Trauer, Unentschlossenheit bis zur neu gewonnenen Lebensfreude mit unterschiedlich eingesetztem Licht und entsprechenden Close Ups. Sonnendurchflutete Bilder dominieren im letzten Drittel des Films, dazu das viele Grün, besonders die Aufnahmen im Garten von Nathalies Großmutter sind optisch reizvoll. Durch die Choreographie der Kamerabewegung fließen die frischen, grünen Eindrücke an einem vorbei.

Bezaubernd, wie immer, ist die Ausstrahlung von Audrey Tautou. Amelie ist zwar schon lange her. Die Schauspielerin verfügt aber immer noch über ihren typisch kindlichen Charme, den warmen Reiz ihrer Rehaugen, entwickelt sich dennoch peu a peu in Richtung vielseitigerer Schauspielerei. Durchaus facettenreich sind ihre letzten Rollen schon gewesen. Francois Damiens als Markus, Nathalies Verehrer, überzeugt mit seiner linkisch sympathischen Art. Der Belgier weist genügende Komödienerfahrung auf ("Nichts zu verzollen", "Der kleine Nick", "Der Auftragslover"). Überhaupt ist "Nathalie küsst" erstklassig besetzt. Deshalb rutscht auch keiner aus, die können das, und die Zuschauer nehmen ein wenig Optimismus mit aus dem Kino, freuen sich auf den Sommer, zumindest auf den Frühling und – das wäre noch schöner – auf das Leben.

Heinz-Jürgen Rippert

François lernt die zierliche Nathalie kennen und verliebt sich sofort in sie. Das Mädchen erwidert die Gefühle, die beiden heiraten. Eine überglückliche Zeit beginnt.

Doch sie dauert nicht sehr lange. Denn François kommt durch einen Unfall ums Leben.

Nathalie hat zwar eine gute Arbeit, kommt aber über den Schmerz nicht hinweg. Jahrelang nicht. Sie trauert, verschließt sich, weist ihren Chef Charles ab, der sie immer wieder begehrt, lässt sich auch durch ihre Eltern kaum trösten, vertraut höchstens ihrer Freundin Sophie ab und zu etwas an.

Die Zeit vergeht. Eines Tages jedoch hat sie einen Kurzschluss – einen positiven, wenn man so will. Denn plötzlich überfällt es sie, sie küsst auf einmal leidenschaftlich einen Arbeitskollegen, den Schweden Markus, von klobiger Gestalt, nicht besonders gut aussehend und im Unternehmen rangmäßig nicht von Bedeutung.

Am nächsten Tag will sie davon eigentlich nichts mehr wissen, verschließt sich wieder völlig. Markus aber hat Feuer gefangen. Ein netter Kerl ist er obendrein.

In Nathalies Innerem beginnt nun ein Kampf, ein Spießrutenlauf, ein Zögern, ein Erinnern, ein Suchen, ein Sich-nicht-entscheiden-können, ein Rückfall in die Trauer – dann ein langsamer Heilungsprozess.

Stockend und leise, nach einer gewissen Aufarbeitung der Vergangenheit gemeinsam mit Markus könnte jetzt ein neues Leben, eine neue Liebe beginnen.

In mehrfacher Hinsicht ist der Film beachtlich. Er bietet neben einer so gut wie fehlerlosen Inszenierung plausibles Leben, bemerkenswerte Psychologie, eine ansehnliche Audrey Tautou sowie hervorragende schauspielerische Arbeit.

Die Tautou vermag jede Nuance des Glücks – vor allem mit François (Pio Marmaï) – und des Schmerzes zu zeigen, François Damiens als Markus kann manchmal von seiner Rolle her nur hinterdrein tappen, macht das jedoch ausgezeichnet. Joséphine de Meaux als Nathalies Freundin Sophie und Bruno Todeschini als Nathalies Chef Charles ergänzen die vorigen gut.

Thomas Engel