Nicht schon wieder Rudi

Der Angelausflug von vier Männern gerät zur Farce, als einer der Ausflügler einen Schlag auf den Hinterkopf abbekommt und in der Folge seinen längst verstorbenen Hund Rudi sucht. Die deutsche Komödie „Nicht schon wieder Rudi!“ lebt in allererster Linie vom gut aufgelegten Männer-Ensemble, das der kuriosen Story ein gewisses Charisma verleiht. So passt es ins Bild, dass die Darsteller Oona-Devi Liebich und Ismail Sahin den Schauspielerfilm gleich selbst inszenieren.

Webseite: www.nicht-schon-wieder-rudi.de

OT: Nicht schon wieder Rudi!
Deutschland 2015
Regie: Ismail Sahin, Oona-Devi Liebich
Darsteller: Frank Auerbach, Julia Dietze, Matthias Brenner, Ismail Sahin, Oona-Devi Liebich, Marianne Schubart-Vibach
Länge: 91 Min.
Verleih: Macchiato Pictures
Kinostart: 15.10.2015
 

FILMKRITIK:

Eigentlich freut sich der muffige Bernd (Matthias Brenner) auf den Wochenendtrip mit seinem besten Kumpel Klaus (Oliver Marlo) und seinem jüngeren Bruder Peter (Frank Auerbach). Es geht zum Angeln an einen See außerhalb ihrer Heimatstadt Berlin. Doch Peter hat den feschen Barkeeper Murat (Ismail Sahin) im Schlepptau. Und den kann Bernd nicht leiden: „Wir sind Männer, das ist ein Frauenheld!“ raunt er und lässt Murat nur widerwillig ins Auto steigen. Doch kaum haben die vier Herren der Schöpfung in der rustikalen Hütte am See Quartier bezogen, beschäftigt sie ein ganz anderes Dilemma: Klaus bekommt versehentlich einen heftigen Schlag auf den Kopf und sucht anschließend seinen geliebten Hund Rudi. Doch der ist schon seit zwei Jahren tot…
 
Wo jeder normale Mensch einen Arzt konsultieren würde, weil sich Klaus offensichtlich eine schlimme Gehirnerschütterung zugezogen hat oder sogar eine Demenz entwickelt, spinnen die Ausflügler auf Geheiß von Bernd einen anderen Plan zusammen. Um Klaus zu schonen, lassen sie dem Verwirrten seinen Irrglauben, frei nach dem Motto: „Wir gehen ein bisschen im Wald spazieren und tun so, als ob wir Rudi suchen. Mehr nicht.“ Pustekuchen! Denn im Verlauf dieses kuriosen Angelausflugs passiert natürlich noch einiges mehr. Murat umwirbt die großherzige Sophie (Oona-Devi Liebich), Bernd verzweifelt an seiner „Fürsorgepflicht“ für den konfusen Klaus und der glücklich verheiratete Peter hadert mit seiner Neugier auf homosexuelle Erfahrungen. Es gibt also einige Baustellen – und über allem thront die aberwitzige Suche nach Rudi.
 
Der Schlag auf den Hinterkopf ist ein klassisches Slapstick-Motiv und kurbelte zuletzt die Handlung der Gesellschaftssatire „Heil“ von Dietrich Brüggemann an. Dass Murat auf die Idee kommt, Klaus´ geistige Umnachtung mit einem zweiten Schlag auf den Kopf zu revidieren, ist also zumindest im Kontext einer komödiantischen Filmhandlung ziemlich schlüssig. Im Folgenden avanciert Klaus´ Hin und Her zwischen hellen Momenten und völliger Demenz zum hartnäckigen Running Gag. Morgen für Morgen harren die Männer der Dinge und hoffen auf ein Ende des Filmrisses. Während der Zuschauer bald vermutet, dass dem Ganzen eine Alzheimer-Erkrankung zugrunde liegen könnte, brauchen die Figuren sehr lange, um auf diesen Trichter zu kommen. Stattdessen vermutet Bernd nach einer Weile, dass sein langjähriger Freund die Verwirrung nur vortäuscht, um dem Schwerenöter Murat eine Lektion zu erteilen. Ein Motiv hätte Klaus, denn der ewige Aufschneider hat seiner Tochter das Herz gebrochen.
 
Inszenatorisch bietet „Nicht schon wieder Rudi!“ keine Überraschungen, sondern vom Stativ gefilmte Bilder und konventionell arrangierte Kamerafahrten ohne erzählerischen Mehrwert. Die visuelle Ebene ist technisch zwar fehlerfrei umgesetzt, leistet aber kaum mehr als die reine Bebilderung des Geschehens; das erzählerische Potential der Montage fällt beispielsweise völlig unter den Tisch. Das Highlight der gediegenen Tragikomödie ist unterdessen das sehr spielfreudige und markant besetzte Ensemble. Die kauzigen Typen tragen Hosenträger, ausgeleierte Unterhemden und weiße Feinrippschlüpfer, die kaum etwas der Phantasie überlassen – und bügeln die eine oder andere Schludrigkeit der Inszenierung und Figurenzeichnung aus.
 
Christian Horn