No Way Out – Gegen die Flammen

Von Heroismus und Freundschaft erzählt Joseph Kosinski in „No Way Out – Gegen die Flammen“, der eine Einheit von Feuerwehrmännern begleitet, die in Arizona Waldbrände bekämpfen. Lange Zeit bedient sich Kosinski dabei allzu vieler Klischees, bevor er sich schließlich doch noch auf das bloße – und dann mehr als beeindruckende – zeigen des Kampfes gegen die Flammen besinnt.

Webseite: studiocanal.de

Only the Brave
USA 2017
Regie: Joseph Kosinski
uch: Ken Nolan & Eric Warren Singer
Darsteller: Josh Brolin, Miles Teller, Jeff Bridges, James Badge Dale, Taylor Kitsch, Jennifer Connelly
Länge: 134 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 3. Mai 2018

FILMKRITIK:

Hot Shots heißen in Amerika speziell ausgebildete Einheiten von Feuerwehrmännern, die in den Sommermonaten gegen die im amerikanischen Südwesten immer wieder entstehenden Waldbrände kämpfen. In erster Reihe versuchen diese Einheiten nicht das Feuer zu löschen – was angesichts der riesigen Flächen, die abbrennen auch unmöglich wäre – sondern es zu kontrollieren. Schneisen werden geschlagen, Feuer mit Feuer bekämpft, eine anstrengende und vor allem auch gefährliche Aufgabe, denn ein Waldbrand ist unberechenbar.
 
Doch Eric Marsh (Josh Brolin) ist so gut darin, angesichts sich verändernder Temperaturen und Luftströme zu ahnen, wohin sich ein solcher Brand bewegt, dass er wie eine Art Feuerflüsterer wirkt. Als Chef einer Einheit von Feuerwehrmännern in der Kleinstadt Prescott, Arizona, ist es sein großer Traum mit seinen Jungs endlich als Hot Shot anerkannt zu werden. Dann dürften sie in erster Reihe gegen die Flammen kämpfen und müssten nicht anderen Einheiten das Feld und die Ehre überlassen.
 
An seiner Seite steht eine eingeschworene Gemeinschaft, die für ihren Chef im wahrsten Sinne des Wortes durchs Feuer geht und die bald durch einen Außenseiter ergänzt wird. Brendan McDonough (Miles Teller) hat viele Jahre seines Lebens verschwendet, Drogen genommen und gestohlen, doch nun ist er Vater geworden und will sein Leben wieder in den Griff bekommen. Marsh gibt ihm eine Chance, nach und nach wird Brendan von der Crew akzeptiert, die bald vor ihrer größten Herausforderung steht: Das Yarnell Hill Fire.
 
Nicht zufällig erinnert Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“, der im Original noch eine Spur martialischer „Only the Brave – Nur die Tapferen“ heißt, oft an einen Kriegsfilm. Viel Zeit verbringt Kosinski damit, die Gemeinschaft der Feuerwehrmänner zu zeichnen, harte, coole, Biertrinkende Machos, die in ihrer Stadt lokale Berühmtheiten sind. Ohne Selbstzweifel, ja mit Todesmut ziehen sie in den Kampf gegen Waldbrände, lassen ihre bangen Familien zurück und stellen sich den Flammen entgegen. Sehr dick aufgetragen wirkt diese Welt lange Zeit, ein paar Klischees und Stereotype zu viel hakt Kosinski ab, um überdeutlich zu machen, wie lässig und doch heroisch, wie selbstlos und mutig diese Männer sind.
 
Erst in der zweiten Hälfte seines überlangen Films beginnt er sich weniger auf das Behaupten von Heldenmut zu beschränken, sondern diesen durch den Kampf gegen unerbittliche Waldbrände einfach zu zeigen. In den Sommermonaten toben Brände wie das Yarnell Hill Fire immer wieder und zerstören tausende Hektar Wald und oft auch ganze Siedlungen. Wenn dabei, wie in Yarnell geschehen und in „No Way Out – Gegen die Flammen“ geschildert, zahlreiche Feuerwehrmänner ums Leben kommen, werden die Toten betrauert wie Verluste in den Kriegen, die Amerika führt. Kein Wunder also, dass auch hier betont wird, dass seit 9/11 nie so viele Feuerwehrmänner starben, wie beim Yarnell Hill Fire. Dieser Film setzt ihnen ein Denkmal, voller Pathos und Heroismus und mancher Sentimentalität.
 
Michael Meyns