Ostfriesisch für Anfänger

Als Integrationskomödie könnte man Gregory Kirchhoffs Debütfilm „Ostfriesisch für Anfänger“ bezeichnen, eine Weiterentwicklung der klassischen Culture-Clash-Komödie. Hier treffen Migranten aus aller Herren Länder auf grantige Friesen, die mit ihren ganz besonderen Eigenarten die Integration erst recht erschweren. Nicht jeder Gag trifft dabei, manchmal ist Kirchhoffs Film so flach wie das Watt, auch wenn der Ansatz interessant ist.

Webseite: ostfriesisch-für-anfänger.de

Deutschland 2016
Regie: Gregory Kirchhoff
Buch: Sönke Andressen

Darsteller: Dieter Hallervorden, Holger Stockhaus, Victoria Trauttmansdorff, David A. Hamade, Michael Davies
Länge: 90 Minuten
Verleih: Universum Film, Vertrieb: DCM
Kinostart: 27. Oktober 2016

FILMKRITIK:

Seit dem Tod seiner geliebten Frau ist der ohnehin schon eigenbrötlerische Uwe (Dieter Hallervorden) noch verschlossener geworden. Auf dem flachen Land Ostfrieslands betreibt er eine kleine Tankstelle, zu der sich nur selten ein Kunde verirrt, der dann vielleicht auch die selbstgemachten Krabbenbrötchen zu goutieren weiß. In seiner Freizeit bastelt Uwe Buddelschiffe und will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Doch daran hapert es, denn sein Hof ist wegen nicht beglichener Schulden versteigert worden und soll zu einem Flüchtlingslager umgebaut werden. Diesen Plan verfolgt die umtriebige Vroni (Victoria Trauttmannsdorff), die zusammen mit ihrem etwas tumben Assistenten Dietmar (Holger Stockhaus) Migranten in den Norden bringen will. Nicht aus purer Mitmenschlichkeit, sondern um die immer toller sprudelnden staatlichen Geldquellen anzuzapfen.

So kommt es, dass ein Libanese, ein Jamaikaner, eine Vietnamesin, eine Ukrainerin und ein nicht weiter definierter Lateinamerikaner in Ostfriesland auftauchen – und Uwe plötzlich zum Sprachlehrer wird. Denn um seinen Hof zu behalten muss er bei der Integration mithelfen, was er auf die ihm ganz eigene Weise tut: Er bringt den Zuzüglern nicht etwa perfektes Hochdeutsch bei – das beherrscht er selber ohnehin nicht – sondern Platt. Doch ob die Migranten mit diesem für Außenstehende oft kaum zu verstehendem Dialekt die Sprachprüfung bestehen werden, steht in den Sternen.

So konsequent lässt Regisseur Gregory Kirchhoff seine nordischen Darsteller Platt sprechen, dass das Verständnis oft schwer fällt und man sich Untertitel wünschen würde. Doch möglicherweise ist das babylonische Sprachgewirr auch erzählerisches Konzept eines Films, der sich bisweilen etwas unbeholfen zwischen grobschlächtigem Klamauk und pointierter Satire bewegt. So klischeebehaftet etwa die Migranten geschildert werden – der Jamaikaner kifft und ist ein Frauenschwarm, die Ukrainerin ist resolut und stets adrett und fast aufreizend gekleidet, der Libanese ausgesprochen geschäftstüchtig – so treffend sind Momente, in denen die deutsche Bürokratie und ihre Folgen auf den Arm genommen werden.

Hübsch, das etwa der Besitzer der Tankstellenkette, für die Uwe arbeitet, ein Deutschtürke ist, der die lasche Art Uwes kritisiert und die sprichwörtliche deutsche Tüchtigkeit mehr verinnerlicht hat als die meisten Deutschen. Auch die Versuche von Vroni, Dietmar und dem Bürgermeister des Dorfes, Bürokratie und Fördermittel für ihre Zwecke zu benutzen und sich unter dem Mantel der Integrationsförderung zu bereichern, sind treffend und pointiert. Stilistisch ist diese Integrationskomödie eher schlicht und funktional, die Intentionen fraglos redlich, was am Ende doch über manche Schwächen und oberflächlichen Momente hinwegsehen lässt.

Michael Meyns