Ostwind 2

Erfolgreiche Filme ziehen in der Regel eine Fortsetzung nach sich, dass ist auch in Deutschland der Fall. Mit über 800.000 Zuschauerinnen war der Pferdefilm "Ostwind" 2013 ein großer Erfolg und so legt das Team um Regisseurin Katja von Garnier nun eine Fortsetzung nach. Und die legt an Pferde-Romantik, Kitsch und Dramatik gegenüber dem Original noch eins drauf. Die Zielgruppe wird es freuen.

Webseite: www.ostwind-film.de

Deutschland 2015
Regie: Katja von Garnier
Buch: Lea Schmidbauer und Kristina Magdalena Henn
Darsteller: Hanna Binke, Amber Bongard, Jannis Niewöhner, Marvin Linke, Cornelia Froboess, Tilo Prückner, Jürgen Vogel
Länge: 95 Minuten
Verleih: Constantin Film
Kinostart: 14. Mai 2015
 

FILMKRITIK:

Subtil war kein Begriff, der in Zusammenhang mit Katja von Garniers Pferde-Film "Ostwind – Zusammen sind wir frei" gebraucht wurde. Mit viel Pathos und exzessivem Gebrauch von Zeitlupe wurde die Schönheit galoppierender Pferde beschworen, eine Lanze für das so genannte Natural Horsemanship gebrochen – eine moderne Entwicklung, die eine artgerechte, von Freiheit und Gleichberechtigung geprägte Tierhaltung fordert – und nebenbei von einem rebellischen Teenagermädchen erzählt.

Aus diesen Elementen setzt sich auch die pragmatisch "Ostwind 2" betitelte Fortsetzung zusammen, die von allem etwas mehr hat: mehr Drama, mehr Pferde, mehr Zeitlupe. Erneut geht es um Mika (Hanna Binke), die in den Schulferien eigentlich zum Schüleraustausch nach Paris soll, aber lieber Zeit mit ihrem geliebten Ostwind verbringt. Der dümpelt auf einer Weide vor sich hin, und trabt unter den Augen des Pferdeflüsteres Herr Kaan (Tilo Prückner) ungezähmt wie eh und je durch die Landschaft. Und auch dem Gestüt Kaltenbach, geleitet von Mikas Großmutter Maria (Cornelia Froboess) geht es nicht gut: Die traditionellen, etwas altmodischen Methoden ziehen keine Reitschüler mehr an, die Konkurrenz eines unweit gelegenen modernen Gestüt tut ihr Übriges. Doch dafür hat Mika zunächst keinen Sinn, sie denkt nur an Ostwind. Der hat im Wald eine Pferdedame entdeckt, einen Schimmel, und bändelt mit ihr an. Sehr zum Unwillen des hübschen Rumtreibers Milan (Jannis Niewöhner), der den Schimmel namens 33 einfangen soll. Mit Mikas Hilfe soll das gelingen, als Gegenleistung erhält Mika Reitstunden, denn gegen ihren festen Vorsatz, Ostwind nicht mit Zaumzeug und Zügeln einzuengen, will sie doch an einem Turnier teilnehmen, um Geld für den Erhalt des Gestüts zu gewinnen. Doch die Freiheitsliebe von Pferd und Reiterin ist größer.

Dass "Ostwind 2" in mehr als groben Strichen erzählt ist, wird die Zielgruppe nicht stören. Drama, Romantik und viel Pferde sind schließlich das, was schon den ersten Teil zum Erfolg machte. In der Fortsetzung geht es nun noch mehr um ein Plädoyer für eine artgerechte Form der Pferdehaltung, in der die Tiere nicht mehr in enge Boxen eingesperrt sind, sondern auf Weiden ganz nach Lust und Laune auslaufen können. Um keinen Zweifel an dieser Ideologie aufkommen zu lassen, ist Katja von Garnier jedes stilistische Mittel recht, erotisiert sie die Pferde in zahllosen Zeitlupenszenen geradezu und lässt zudem ihre Darsteller betont deutliche Dialoge aufsagen: besonders Tilo Prückner als weiser Pferdeflüsterer ist immer für eine Weisheit im Stil von "Ein Pferd kann dir alles geben, aber nur aus freien Stücken" gut. Subtil ist das alles zwar nicht, bietet aber doch genug Pferderomantik und Teenageremotionen, um ein junges, vor allem weibliches, pferdeverrücktes Publikum gut zu unterhalten.
 
Michael Meyns