Passion for Planet

Ein Dokumentarfilm über Dokumentarfilmer, genauer gesagt: Naturfilmer, das ist „Passion for Planet“, in dem Werner Schüssler diverse Regisseure bei ihrer Arbeit begleitet, die sie zu exotischen Plätzen rund um die Welt führt. Im Zentrum des Films steht dabei der Zwiespalt dieser Arbeit: Unter bisweilen fragwürdigen Bedingungen sensationelle, aber oft geschönte, verklärende Bilder zu finden, die dazu dienen, die Natur zu schützen. Sehr engagiert und sehr beeindruckend!

Webseite: www.passionforplanet.com

Deutschland 2015 – Dokumentation
Regie: Werner Schüssler
Länge: 95 Minuten
Verleih: Camino
Kinostart: 28. Januar 2016
 

FILMKRITIK:

Tierdokumentationen und Naturfilme gehören seit Beginn der Filmgeschichte zum festen Bestand des Kinos. Im Laufe der Jahre trieb es Regisseure dabei in immer exotischere Regionen, versuchen sie mit immer größerem technischem Aufwand immer spektakulärere Bilder einzufangen, um dem Bekannten etwas Neues entgegenzusetzen. Das führt zu einer bisweilen absurd anmutenden Materialschlacht, die im großen und ganzen jedoch ein Ziel hat: Den Zuschauern die Vielfalt, die Schönheit der Welt vor Augen zu führen, auf das dieser nach zwei Stunden im Kino im besten Fall darüber nachdenkt, ob diese Natur nicht erhaltenswert ist.

Von diesem Ansatz sind auch die fünf Regisseure, bzw. Regieteams geprägt, die Werner Schüssler in „Passion for Planet“ bei ihrer Arbeit begleitet: Rob Stewart dreht seit Jahren Filme über Haie wie etwa „Sharkwater“; die indische Regisseurin Rita Banerji beschäftigt sich oft mit der Wilderei der Landbevölkerung in Indien; Mark Shelley zeigt in seinen Filmen Bilder, die nicht verklären und stößt damit immer wieder auf Widerstand; Das österreichische Paar Michael und Rita Schlamberger wird bei Dreharbeiten im südlichen Afrika beobachtet, wo sie oft Bilder filmen, die eine bewusst idealisierte Welt zeigen; und schließlich der momentane Star des deutschen Naturfilms: Jan Haft, der epische Filme über die heimische Natur dreht, zuletzt war von ihm „Magie der Moore“ im Kino.

Dass es einen Film wie „Passion for Planet“ gibt zeigt, welch Bedeutung Naturfilme momentan haben, auch welchen Einfluss sie auf den Blick der Öffentlichkeit nehmen. Dass Regisseure bei ihrer Arbeit immer wieder auch in die Natur eingreifen und bisweilen auch die Tiere, um die es eigentlich geht, gefährden, ist ein Zwiespalt, der sich durch Schüsslers Film zieht. Die Arbeit mit aufwändiger Technik fordert nicht nur viel Zeit, sondern oft auch den Einsatz von Kerosinverschleudernden Flugzeugen und Helikoptern und vor allem eine Nähe zu den Lebensräumen bestimmter Tiere, der diesen nicht unbedingt gut tut. Doch gerade dies kann im besten Fall dazu beitragen, eine größere Bevölkerungsgruppe auf eine bedrohte Tierart aufmerksam zu machen. Wie sehr darf man also in die Natur eingreifen, wie sehr die Bilder manipulieren, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen?

Wenn diese Fragen diskutiert werden, stellt Schüsslers Film spannende ethische Fragen. Doch auch darüber hinaus liefert „Passion for Planet“ interessante Einblicke in die extrem aufwändige und nicht immer ungefährliche Arbeit von Naturfilmern, deren Ergebnisse oft zu den visuell eindrucksvollsten Dokumentationen zählen.
 
Michael Meyns