Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst

Peggy Guggenheim ist die vielleicht berühmteste Kunstsammlerin des 20. Jahrhunderts und leistete einen wertvollen Beitrag zur Kanonisierung moderner Kunstrichtungen wie Surrealismus, Kubismus oder Dadaismus. Für ihr Doku-Porträt machte die Filmemacherin Lisa Immordino Vreeland das verschollen geglaubte letzte Interview der 1979 verstorbenen Kunstmäzenin ausfindig. Mit dem neuen Material liefert Vreeland nicht nur exklusive Einblicke in das kuratorische Schaffen der Guggenheim, sondern insbesondere auch in ihre etlichen Männergeschichten. So zeichnet das Porträt Peggy Guggenheim als eine selbstbewusste Frau, bei der das Leben und die Kunst Hand in Hand gingen.

Webseite: www.peggyguggenheim-derfilm.de

OT: Peggy Guggenheim: Art Addict
USA, Italien, Großbritannien 2014
Regie: Lisa Immordino Vreeland
Länge: 96 Min.
Verleih: NFP, Vertrieb: Filmwelt
Kinostart: 5.5.2016
 

Pressestimmen:

„Peggy Guggenheim – exzentrisch, zerrissen, süchtig nach Leben und Kunst. Jetzt kommen wir ihr so nahe wie selten zuvor.“
ZDF heutejournal

„Der Film ist eine kleine Sensation.“
ELLE

„Fesselnd und atemlos eilt der Film durch dieses Leben…"
ARD TTT

„Ein Stück Kunstgeschichte angereichert mit privaten Details. Wer diese Doku sieht, möchte sofort nach Venedig.“
Berliner Zeitung

„Die Dokumentation von Lisa Immordino Vreeland über die berühmte Mäzenin ist so flirrend originell wie diese selbst und zeigt hinter der Fassade auch Brüche und Unsicherheiten.“
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Die 1898 in New York geborene Peggy Guggenheim galt als das schwarze Schaf ihrer betuchten Familie. Ihr Vater Benjamin war 1912 eines der berühmten Opfer beim Untergang der Titanic, weswegen Peggy ihr Erbe von etwa einer halben Million US-Dollar bereits im Alter von 18 Jahren antreten konnte. Anstatt das Geld für wohltätige Zwecke einzusetzen, wie es in der Familie Guggenheim nicht unüblich war, genoss die aparte Peggy das schöne Leben. Spätestens 1942 etablierte sich Guggenheim mit der Eröffnung der New Yorker Galerie „The Art of This Century“ als Kunstkennerin ersten Ranges, die Malern wie Jean Cocteau oder Wassily Kandinsky zu ersten Einzelausstellungen verhalf. In der Zeit des Dritten Reichs ermöglichte Guggenheim einigen Künstlern, darunter Max Ernst, die Flucht von Europa nach New York. Zugleich kaufte sie die von den Nationalsozialisten als „entartet“ gebrandmarkte Kunst günstig auf und schaffte so das Fundament ihrer ambitionierten Sammlung.
 
Für ihre biographische Dokumentation „Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst“ (OT: „Art Addict“) standen der Regisseurin Lisa Immordino Vreeland bislang unveröffentlichte Tonaufnahmen zur Verfügung. In den Jahren 1978/79 gab Guggenheim ihrer Biographin Jacqueline Bogard Weld ein detailliertes Interview. Vreeland entdeckte das verschollen geglaubte letzte Interview während ihrer Recherche, so dass Peggy Guggenheim in der Doku ausführlich selbst zu Wort kommt.
 
Neben ihrer Leidenschaft für die moderne Kunst stehen die zahlreichen Affären der Kunstsammlerin im Zentrum, über die Guggenheim am Ende ihres Lebens recht freimütig Auskunft gab. Insgesamt sieben Abtreibungen ließ Peggy Guggenheim während ihrer Liaison mit dem eigentlich anderweitig verheirateten Literaturkritiker John Holms vornehmen, bevor sie kurzzeitig mit Max Ernst verheiratet war und unter anderem mit Marcel Duchamp turtelte. Die im Film vielfach erwähnte Promiskuität der Kunstmäzenin erscheint im Rückblick auch als Akt der Emanzipation. Unterstrichen wird dieser Eindruck von der Ausstellung „31 Women“, für die Peggy Guggenheim anno 1943 erstmals ausschließlich Werke von Frauen präsentierte.
 
Inhaltlich bietet die Doku einige Anknüpfungspunkte, zumal die Biographie von Peggy Guggenheim eng mit den gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts verwoben ist. In filmischer Hinsicht fällt die biografische Aufbereitung indes ziemlich konventionell aus. Während der spielerische Vorspann mit Farbklecksen und Swingmusik Lust auf mehr macht, hakt Lisa Immordino Vreeland die folgenden Kapitel der chronologisch aufbereiteten Doku in erprobter Weise ab. Einzelne Kapitel unterteilen den Lebensweg der Protagonistin in die „frühen Jahre“, die Zeit des Zweiten Weltkriegs oder die Eröffnung einer renommierten Kunstgalerie in Venedig. Die Interview-Mitschnitte ergänzt Lisa Immordino Vreeland mit Archivaufnahmen und Kommentaren von Kunsthistorikern und Kuratoren. Stellvertretend für die herkömmliche Machart der Doku stehen die wiederholten Zooms auf Fotografien, die an eine private Foto-Slideshow erinnern. Dem unkonventionellen Leben der Kunstliebhaberin Peggy Guggenheim wird das Doku-Porträt inszenatorisch jedenfalls nicht immer gerecht.
 
Christian Horn