Penelope

Die Besetzung klingt gut, der Titel nach Beauty Queen. Doch Christina Ricci ist eben nicht so hübsch wie Penelope Cruz, schon gar nicht, wenn die Regie ihr mit Verweis auf einen alten viktorianischen Fluch einen Schweinerüssel ins Gesicht pflanzt. Seinetwegen laufen der titelgebenden Aristokratentochter Penelope die Brautbewerber reihenweise davon. Erlösung in diesem eher peinlichen denn komischen und von seiner Idee entfernt an Aschenputtel erinnernden Märchen bringt letztlich die Akzeptanz, sich so zu mögen, wie man ist. Christina Ricci hat damit trotz gewagter Maske offenbar kein Problem.

Webseite: www.capelight.de

USA 2006
Regie: Mark Palansky
Darsteller: Christina Ricci, James McAvoy, Catherine O’Hara, Richard E. Grant, Peter Dinklage, Reese Witherspoon, Simon Woods
93 Minuten
Verleih: Capelight Pictures
Kinostart: 5.6.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die Aufregung, mit der Mark Palansky sein Spielfilmdebüt eröffnet, ist verständlich. Wird dem reichen Londoner Ehepaar Wilhern (Richard E. Grant und Catherine O’Hara) doch eine Tochter geboren, die aufgrund ihrer Schweinenase und ihrer hässlichen Ohren alles andere als zum Vorzeigen ist. Schuld daran, so wird erklärt, sei ein alter, auf der Familie lastender Fluch. Unverständlich allerdings, dass sämtliche um Hand von Penelope – und natürlich die großzügige Mitgift – anhaltenden blaublütigen Männer (nur die Vermählung mit einem solchen nämlich kann den Rüsselbann lösen) beim Anblick der jungen Frau bevorzugt aus dem Fenster springen. So viel Hysterie hätte nun auch nicht sein müssen.

In ruhigere Fahrwasser und zu einem dem ernsten Hintergrund dieses Märchens gerecht werdenden Ton gelangt der Film erst mit dem Auftreten des jungen Spielers Max (James McAvoy). Dass ihn in Wahrheit ganz andere Motive zu Penelope führen, weiß sie zunächst nicht. Sein argloses, unerschrockenes Verhalten wertet sie aber als Zuneigung. Das wiederum führt dazu, dass sie, nachdem er spurlos verschwindet, hinaus in die Welt tritt, dort zu sich selbst findet und auch begreift, dass sie sich, so wie sie ist, am liebsten mag. Damit tritt sie entschieden all jenen entgegen, die meinen, mit Schönheitsoperationen, Fremdbestimmung oder sich selbst verleugnenden Verhaltensweisen wäre man in dieser Welt glücklicher.

Nachdem die von Reese Witherspoon – zu sehen auch in einer Cameo-Rolle – koproduzierte Geschichte über die Liebe zu sich selbst bereits 2006 entstand, ist der Verdacht nicht ganz von der Hand zu weisen, dass der durch seine Mitwirkung in „Der letzte König von Schottland“ und „Abbitte“ bekannt gewordene James McAvoy nun als Zugpferd an der Kinokasse herhalten soll. Ein Wiedersehen feiert darin auch Peter Dinklage als investigativ dem Familienschicksal nachspürender Lilliput-Reporter. Christina Ricci jedenfalls muss man insofern Respekt zollen, als sie hier Mut zur Hässlichkeit beweist. Zu befürchten ist jedoch, dass das Publikum vor diesem komödiantisches Potenzial missen lassenden Werk ebenso Reißaus nimmt wie Penelopes potenzielle Heiratskandidaten.

Thomas Volkmann

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Penelope Wilhern kommt zwar in adeligen englischen Kreisen, aber wegen eines von einem ihrer Ahnen verschuldeten Vergehens mit einem Fluch belastet zur Welt, und zwar mit einer so genannten Schweinsnase. Als Kind wächst Penelope behütet, wenn auch weitgehend isoliert auf, mit der Unterbringung in einer Ehe allerdings, das ist von vorneherein klar, wird es schwierig werden. 

Die Eltern lassen ein Dutzend junge Männer aufmarschieren, doch fast alle wenden sich entsetzt ab, wenn sie Penelopes Gesicht erblicken.

Zwei sind es schließlich, die übrig bleiben. Der eine ist der potentiellen Braut gesellschaftlich gleichgestellt, und es heißt, dass der Fluch überwunden werden kann, wenn einer aus diesen gehobenen adeligen Kreisen sie wirklich liebt. Doch hier trifft eher die Vermutung zu, dass der junge Mann das Mädchen wegen des zu erwartenden Vermögens heiraten will. Als später dann einmal die Hochzeit wirklich ansteht, ergreift Penelope denn auch die Flucht.

Der zweite war ursprünglich unter denen, die beim Anblick der Schweinsnase reißaus nahmen. Doch er macht eine Wandlung durch, weiß, was er falsch gemacht hat und kehrt zu der zurück, die er, auch wenn er es erst spät begriff, lieben gelernt hat.

Das Wichtigste in Penelopes Leben ist, dass sie ihre Verunstaltung innerlich besiegte, dass sie selbstbewusst und selbständig wurde, dass sie es vorwiegend aus eigener Kraft und mit Hilfe einer Freundin geschafft hat, ein freies Leben zu führen und dass sie sich in den Stand versetzte, ihren Auserwählten zu lieben.

Eine ausgefallene Idee, eine gewöhnungsbedürftige Handlung, ein für die Zeit, in der sich alles abspielt, gut getroffenes Gesellschaftsbild und mit Christina Ricci sowie Reese Witherspoon auch zwei namhafte Darstellerinnen.

Thomas Engel