Persepolis

Basierend auf den gleichnamigen Comicbüchern, erzählt die gebürtige Iranerin Marjane Satrapi ihre autofiktive Lebensgeschichte. Sie handelt von ihrer Heimat, den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und dem Aufeinaderprallen unterschiedlicher Kulturen. Eine unkonventionelle Verfilmung eines zeitgenössischen Comics, die durch ihre räumliche und inhaltliche Tiefe an Bedeutung gewinnt.

„Preis der Jury“ bei den 60. Filmfestspielen in Cannes 2007

Webseite: www.prokino.de

Frankreich 2007
Regie: Marjane Satrapi / Vincent Paronnaud
Nach den gleichnamigen Comics von Marjane Satrapi
Originalstimmen: Gabrielle Lopes, Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve, Danielle Darrieux, Simon Abkarian, François Jerosme
96 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 22.11.2007

PRESSESTIMMEN:

 

Ein künstlerischer Triumph.
Stern

Subversiv, charmant und mit Humor… Und siehe da, es ward wirklich groß.
Der Spiegel

Bewegend und mitreißend, selbstironisch, witzig und frech. Ein wunderbarer Film.
ZDF Heute-Journal

Weitere Pressestimmen bei film-zeit.de

FILMKRITIK:

Teheran, 1978: Die achtjährige Marjane ist ein aufgewecktes und neugieriges Mädchen, das davon träumt, die Welt als praktizierende Prophetin zu retten. Doch stattdessen muss auch sie sich in die neue islamische Republik einfügen, die nach dem Sturz des Schah-Regimes errichtet wurde. Ein rigides Regelwerk greift, das sowohl die Kleidung als auch das Verhalten der Bevölkerung kontrolliert. So muss auch Marij ein Kopftuch tragen, wie es allen Frauen vorgeschrieben ist. Eine Form der Unterdrückung, die die junge Iranerin erduldet ohne sich ihr zu beugen. Im Herzen so rebellisch wie lebensfroh, begegnet sie den Mullahs mit spielerischem Protest. Sie lacht der aufziehenden Gefahr ins Gesicht und bekämpft sie so mit der wohl subversivsten aller Waffen.

Der iranisch-irakische Krieg tobt, doch Marjanes Interessen bleiben eher unpolitisch. Sie schwärmt für Bruce Lee, ABBA und Iron Maiden. Derweil erlebt ihre eigene Familie Verhaftungen und Demütigungen durch das Regime. Besorgt von den Umständen im eigenen Land und zum Wohle ihres Kindes, schicken ihre Eltern die mittlerweile 14-jährige Tochter Außerlandes. Im weit entfernten Wien wächst sie heran und hat dabei mit den üblichen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens sowie dem Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Kulturen zu kämpfen. Sie wird zum Punk, zum Hippie und macht ihre ersten Erfahrungen in Sachen Liebe, bevor sie in ihr von Repressionen gebeuteltes Heimatland zurückkehrt und sich letztlich in den 90er Jahren in Paris niederlässt. Zurück bleibt ein Land, das einst in Glanz und kulturellem Reichtum blühte. Ein Land mit Geschichte, das zur Zeit des antiken Perserreichs eine Residenzstadt errichtete, die fortan Hauptstadt und Zentrum der Welt sein sollte: Persepolis.

Basierend auf den Comicbüchern „Persepolis – Eine Kindheit im Iran“ und „Persepolis – Jugendjahre“, erzählt die gebürtige Iranerin Marjane Satrapi ihre autofiktive Lebensgeschichte. Mit der gebotenen Ernsthaftigkeit sowie der nötigen Portion Selbstironie und reichlich Situationskomik gelingt es ihr, eine neue Sichtweise auf die Geschichte ihres Heimatlandes und die jüngste Historie Persiens zu eröffnen. Dabei räumt sie mit so manchem Klischee auf, welches den Menschen im Iran bis heute anlastet.

Es ist ein zutiefst menschliches und ambitioniertes Filmjuwel, das nicht allein durch sein Engagement überzeugt. Die visuelle Gestaltung, die sich maßgeblich am Realfilm orientiert und auf übliche Animationsmittel weitgehend verzichtet, ist so einfach wie ausdrucksstark. Die kindlich-naiv anmutenden Bilder, erzeugen einen starken Kontrast zur Geschichte und entfalten gerade hierdurch ihre Wirkung. Eine unkonventionelle Verfilmung eines zeitgenössischen Comics, die durch ihre räumliche und inhaltliche Tiefe an Bedeutung gewinnt.

Gary Rohweder 

 

FILMBEWERTUNGSSTELLE WIESBADEN:
Die FBW-Jury hat dem Film einstimmig das Prädikat Besonders wertvoll erteilt:

Die letzten 20 Jahre des Iran aus der Sicht eines Mädchens, in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet, von der FBW-Jury völlig einstimmig mit „Besonders wertvoll“ und mit Stern, für manche Jurymitglieder gar mit soviel Sternen wie der Wüstenhimmel über Persepolis. Ein wunderschöner, tief anrührender subtiler und fesselnder Film, auch ästhetisch ein Erlebnis, der viele Zuschauer begeistern wird. Zudem wie kaum ein anderer Film in diesem Jahr als Empfehlung (und Muss) für Schulklassen geeignet.

Gutachten:
Zwanzig Jahre und mehr persischer Geschichte in einem schwarz-weißen Zeichentrickfilm, der sich nur auf das Wesentliche in Form und Ausdruck konzentriert – das ist das Außergewöhnliche an diesem Film, der in seiner Dichte und Gradlinigkeit der Dramaturgie an die Klassiker des „Film Noir“ erinnert. Dabei aber lässt er immer noch Raum für die eigene Phantasie und Vorstellungskraft.

Basierend auf der als Comic erschienenen Autobiographie der Iranerin Marjane Satrapi wird das Schicksal eines Volkes, einer Familie, eines jungen Mädchens in – im wahrsten Sinne des Wortes bewegten und bewegenden – Bildern dokumentiert. Die junge Marjane, die in einem wohl behüteten persischen Elternhaus aufwächst, dessen männliche Mitglieder sich alle politisch engagieren, erlebt hautnah den Umbruch ihres Landes in der Endzeit der Schah-Regierung und unter den Mullahs mit.

Ihre Eltern schicken sie, um sie vor den Auswirkungen des Iran-Irak-Krieges zu schützen, nach Wien. Doch dort bleibt Marjane eine Fremde, die fast an diesem Fremdsein zerbricht. Denn: „Im Iran kann man nichts sagen, im Westen hört keiner hin.“ Doch auch zurück in ihrer Heimat ist ihr das Leben längst fremd geworden. Unterdrückung und Angst regieren die Menschen, und die zaghaften Versuche der Studenten, sich durch so harmlose Dinge wie Schminken und Tanzen gegen das Regime aufzulehnen, enden im Chaos.

Der Film schildert dieses Überleben in Zeiten des Krieges und der Diktatur stringent und ohne pathetische Schnörkel. Viele Themen werden nur angedeutet – das Schicksal der Gefangenen, die Unterdrückung der Frauen, die Geschichte von Marjanes Familie.

Aber auch ohne große Worte und allzu viele Bilder wird die Tragik dieses Volkes deutlich. Marjane erkennt, dass ihre Großmutter – eine weise, emanzipierte Frau – ihr den besten Rat gegeben hat, als sie sagte: „Bleibe dir selbst treu.“ Das kann man auch für den Stil und die Machart von „Persepolis“ sagen.

Der Film bleibt von der ersten bis zur letzten Szene ein faszinierendes Erlebnis, wozu auch die hervorragende Musik und die karge Strenge von Licht und Schatten entscheidend beitragen. Der Film wird so zu einem großen, bewegenden Erlebnis.