Pets

Was machen eigentlich unsere Haustiere, wenn wir einmal nicht zu Hause sind? Um diese durchaus naheliegende Frage bauten die Animationsväter von „Ich – Einfach unverbesserlich“ und „Die Minions“ einen temporeichen Kinospaß für die ganze Familie. Ihr Film sprüht vor liebevollen Figuren, New-York-Anspielungen und sauber animierter 3D-Action. Und im Gegensatz zu Disneys „Zoomania“ dürfen auch wir Menschen hier zumindest eine Nebenrolle übernehmen.

Webseite: www.pets-film.de

USA 2016
Regie: Chris Renaud, Yarrow Cheney
Produktion: Chris Meledandri, Janet Healy
Stimmen: Jan Josef Liefers, Dietmar Bär, Fahri Yardim, Jella Haase, Stefanie Heinzmann, Uwe Ochsenknecht, Martina Hill, Dieter Hallervorden
Laufzeit: 90 Minuten
Verleih: UPI
Kinostart: 28.7.2016
 

FILMKRITIK:

Max (dt. Stimme Jan Josef Liefers) lebt da, wo nicht wenige gerne leben würden: In Manhattan. Er kann es sich in einer schicken Wohnung gemütlich machen und muss weder arbeiten noch sich Sorgen um seinen Lebensunterhalt machen. Denn dafür sorgt sein Frauchen Katie. Man ahnt spätestens jetzt, dass Max ein Hund sein muss – einer von Tausenden in Manhattan. Doch das scheinbar vollkommene Glück zwischen Mensch und Tier ist in Gefahr, als Katie eines Abends einen großen, besonders haarigen und etwas unerzogenen Neufundländer (Dietmar Bär) mit nach Hause bringt. Duke, so der Name des neuen Mitbewohners, stört die harmonische Zweisamkeit zwischen Max und seinem Frauchen. Und als wäre das nicht schon stressig genug, bringt er sich und seinen Artgenossen schon bald in echte Schwierigkeiten. Gekidnappt von einer „Armee der verlassenen Haustiere“ unter ihrem Anführer, einem hasserfüllten, weißen Kaninchen namens Snowball (Fahri Yardim), brechen Max’ tierische Kumpels zu einer turbulenten Rettungsaktion auf.
 
Die Frage, was unsere Haustiere alles anstellen, wenn wir nicht zu Hause sind, bildete den Ausgangspunkt für „Pets“, dem neuen Film der „Ich – Einfach unverbesserlich“-Erfinder Chris Renaud und Chris Meledandri. Die Antwort, die ihr Film gibt, ist eine zu gleichen Teilen unterhaltsame wie passende für New York, wo jeder seine kleinen und größeren Neurosen pflegt. Endlich unbeobachtet darf man mal das machen, wovon Herrchen oder Frauchen ihre Lieblinge immer gewarnt haben. Entsprechend liebevoll werden hier vor allem die Vierbeiner portraitiert. Figuren wie das auf Rache sinnende, ausgemusterte Zauberer-Kaninchen Snowball oder der scheinbar verwöhnte Schoßhund Gidget dürften Kinozuschauer jeden Alters begeistern. Wir Menschen spielen hingegen meist nur eine Nebenrolle als Dosenöffner oder Hundesitter. Bereits der Vorspann von „Pets“, der zugleich die Grundlage für den Trailer war, würde mit seiner hohen Gagdichte und seinem Einfallsreichtum sicherlich auch als Kurzfilm funktionieren. Dass die Geschichte im weiteren Verlauf dieses Niveau trotz eines forschen Tempos nie mehr ganz erreicht, überrascht nicht.
 
Mit kleinen, augenzwinkernden Seitenhieben auf den New Yorker-Lifestyle, auf Themen wie Gentrifizierung und Hipstertum unterlaufen Renaud und sein Co-Regisseur Yarrow Cheney bisweilen ihre ziemlich gradlinige Story. Wer mag, kann auch Querverweise zu anderen Animationswerken darin entdecken. Die kurze Traumsequenz in der Hot Dog-Fabrik mit ihren tanzenden und singenden Wiener Würstchen feiert nicht ganz unbeabsichtigt den anarchischen Nonsens des Minions-Universums. Solch surreale Ausflüge bleiben in „Pets“ allerdings die absolute Ausnahme. Wenngleich das Doppelleben unserer Haustiere noch mehr Raum für derartige Einfälle geboten hätte, folgt der Film lieber seinen Helden auf ihrer rasanten Rettungsaktion quer durch New York. Nur sehr dosiert fand zudem Kritik an der immer wieder zu beobachtenden Vernachlässigung und Verwahrlosung von Haustieren Eingang in die Geschichte, die es weder mit der Komplexität noch der Doppelbödigkeit eines „Zoomania“ aufnehmen kann. „Pets“ entscheidet sich für den leichteren, zugegeben durchweg unterhaltsamen Weg.
 
Marcus Wessel