Petting Zoo

Nicht um Kleintiere geht es in Micah Magees Debütfilm "Petting Zoo", sondern um das Mädchen Layla, die an der Grenze zum Erwachsensein steht und versucht, ihr Leben im Griff zu behalten. Betont undramatisch erzählt der Film vom High-School-Leben, Tennager-Schwangerschaften und dem schwierigen Versuch, sich aus Restriktionen zu befreien.

Webseite: www.peripherfilm.de

Deutschland/ USA/ Griechenland 2015
Regie & Buch: Micah Magee
Darsteller: Devon Keller, Austin Reed, Deztany Gonzales, Kiowa Tucker, Adrienne Harrell, Chris Olson
Länge: 92 Minuten
Verleih: peripher Filmverleih
Kinostart: 19. Mai 2016
 

FILMKRITIK:

Layla (Devon Keller) ist 17, lebt im texanischen San Antonio und scheint ihr Leben im Griff zu haben: Sie lebt bei ihrer Großmutter, hat gute Noten, die ihr zu einem College-Stipendium verholfen haben, und wirkt auch emotional stabil. Doch es gibt Anzeichen, dass Laylas Leben weit weniger glatt verlaufen ist, als es auf den ersten Blick scheint: Ihr Freund ist ein notorischer Kiffer, der ebenso wie Laylas Großmutter am Rande der Gesellschaft lebt, in Verhältnissen, die nicht weit von dem entfernt sind, was gemeinhin als White Trash bezeichnet wird.

Dass Layla überhaupt bei ihrer Großmutter lebt, erweist sich als Flucht vor einem erzkonservativen, religiös geprägten Elternhaus. Eigentlich hatte Layla den Kontakt schon abgebrochen, doch als sie entdeckt, dass sie schwanger ist, braucht sie die Unterschrift ihrer Eltern, um das ungewollte Kind abtreiben zu können. Dass die Eltern dieses Anliegen empört zurückweisen, wirft Laylas Lebensplanung über den Haufen: Aufs College kann sie mit einem kleinen Baby nicht gehen, ihren Freund hat sie verlassen. Sie beginnt als Bedienung in einem Restaurant zu arbeiten, auf direktem Weg in ein Leben am Rand des Existenzminimums, ohne Chance, sich aus der drohenden Verelendung befreien zu können.

Auf dem Papier liest sich Micah Magees Debütfilm "Petting Zoo" wie ein typisches Unterschichtendrama, dass soziale Probleme dramatisiert. Doch Magees Blick ist ein anderer: Sie filmt ihre an sich konventionelle Geschichte auf eine Weise, die gleichermaßen undramatisch und distanziert, aber doch von unterschwelliger Sympathie für ihre Hauptfigur geprägt ist. In Devon Keller hat Magee eine junge Frau gefunden, die vor diesem Film keinerlei Schauspielerfahrung hatte und auch hier kaum zu spielen scheint, sondern eher eine Variation ihrer selbst verkörpert. Nur ganz selten lässt sich auf Laylas Gesicht eine emotionale Regung erkennen, stoisch bewegt sich die junge Frau durch ein Leben, das vorgezeichnet scheint. Es zu verändern, aus den Mustern auszubrechen, die ihr Schicksal fast unausweichlich bestimmen ist Laylas großes Ziel. Doch dafür zu kämpfen ist nicht Teil ihrer Persönlichkeit, sie akzeptiert, was das Leben ihr vorsetzt, egal ob dies ein Stipendium oder die Schwangerschaft ist, die alles zu zerstören scheint.

Bis zum Ende führt Micah Magee diesen Ansatz konsequent durch, ohne zu emotionalisieren, ohne zu dramatisieren. Das hätte leicht zu einem tristen Stück Realität werden können, doch dafür ist Magees Blick zu humanistisch. Sie beschreibt ein Schicksal, dass viel zu vielen jungen Mädchen in den konservativen Staaten der USA droht, wo Sexualerziehung oft verboten ist, Abstinenz als einzige Form der Verhütung beschrieben wird und Abtreibung als Todsünde gilt. Dass es oft der reine Zufall ist, wie sich das Schicksal unter solchen Umständen entwickelt, zeigt sie in "Petting Zoo" auf, einem bemerkenswert überlegtem, überzeugendem Debütfilm.
 
Michael Meyns