Playmobil: Der Film

Dass Spielzeug sich nicht nur für Animationsfilme anbietet, sondern an der Kinokasse auch richtig einschlagen kann, hat der sehr erfolgreiche „Lego Film“ bewiesen. Auf denselben Zug springt man nun mit „Playmobil – Der Film“ auf, nachdem es bereits im Jahr 2014 eine deutsch-französische Animationsserie gab. Der Film beginnt in der realen Welt, mit einem Geschwisterpaar, das in die magische Welt von Playmobil hineingezogen wird und dort ein phantastisches Abenteuer erleben muss. Das ist gute Unterhaltung für die ganze Familie, die nicht nur phantasievoll ist, sondern auch mit ein paar Musical-Einlagen aufgepeppt wird.

Webseite: www-Playmobil-DerFilm.de

Deutschland / Frankreich 2019
Regie: Lino DiSalvo
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Gabriel Bateman
Länge: 99 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 29. August 2019

FILMKRITIK:

Marla (Anya Taylor-Joy) will vor dem College noch die Welt sehen und hat sich dafür extra einen Reisepass besorgt. Aber dazu kommt sie nicht mehr, denn der Unfalltod ihrer Eltern wirft ihren kleinen Bruder Charlie (Gabriel Bateman) und sie aus der Bahn. Vier Jahre später hat Marla die Rolle der Ersatzmutter übernommen und schmeißt den Haushalt, der Spaß – ganz zu schweigen vom Abenteuer – bleibt dabei jedoch auf der Strecke. Da verschlägt es Marla und Charlie unverhofft in die Playmobil-Welt, in der der kleine Junge zum wackeren Wikinger, aber auch von Marla getrennt wird. Marla setzt nun alles daran, ihren Bruder wiederzufinden. Dabei hat sie wenig Zeit, denn Charlie schwebt in ernster Gefahr.
 
Seit Mitte der 1970er Jahre gibt es das Spielsystem der fränkischen Brandstätter Gruppe. Entsprechend dürfte es kaum jemanden geben, der „Playmobil – Der Film“ anschaut und nicht selbst in jungen Jahren mit den Figuren gespielt hat. Hier wird – natürlich – auch sehr stark mit dem Element der Nostalgie gespielt, da die Figuren nicht nur unterschiedlichen Epochen zuzuordnen sind, sondern auch in verschiedenen Dekaden debütierten, so dass praktisch jeder im Film irgendeine Figur wiederfindet, die er selbst schon in der Hand hatte. Das ist ein verbindendes Element für Eltern und Kinder, das auch beim „Lego Film“ schon sehr gut funktioniert hat. Die einen sind noch mittendrin in der Zielgruppe des Spielzeugs, die anderen erinnern sich wohlig daran.
 
Der Playmobil-Philosophie folgend bietet der Film zwar Action, wenn etwa die Wikinger gegeneinander kämpfen, gewalttätig ist das Ganze aber nie. Schon eher phantasievoll, denn die Reise der Hauptfigur führt durch verschiedene Spielwelten wie den Wilden Westen, die Stadt von morgen, das Reich der Dinosaurier und das alte Rom. Eine strenge Unterteilung gibt es dabei nicht. Alles kann überall auftauchen, so anachronistisch das auch erscheinen mag. Der Film emuliert auf diese Weise aber sehr clever das Spielgefühl, da es Kindern egal ist, ob Cowboys und Piraten im selben Setting sein können. Man spielt mit dem, was vorhanden ist. Dem trägt der Film Rechnung.
 
Dabei gibt er sich äußerst phantasievoll und amüsiert auch, weil er immer wieder Elemente einbringt, die so gar nicht zum Rest passen wollen – etwa das fliegende Pferd in der Westernstadt –, aber das bringt auch reichlich Möglichkeit für Gags mit sich.
 
Der Film versteht sich darüber hinaus als Musical, übertreibt es mit den Songs aber nie. Alles in allem ein verspielter, sehr amüsanter Film für die ganze Familie, der das Playmobil-System sehr schön in ein bewegtes Abenteuer überführt. Übrigens: Nicht vor dem Nachspann das Kino verlassen, es gibt noch eine Szene, die man als Vorbereitung für das Sequel ansehen könnte.
 
Peter Osteried