Prinzessinnenbad

Zusammen gehen sie auf Partys, in Cafés oder, wenn im Sommer die Sonne scheint, ins Prinzenbad. Die 15jährigen Mina, Klara und Tanutscha sind 15 Jahre alt, unzertrennliche Freundinnen seit ihrer Kindheit und beim Durchschlagen durch den Kreuzberger Teeniealltag alles andere als auf den Mund gefallen. Für Filmemacherin Bettina Blümner waren sie außerdem ein Glücksfall: Für „Prinzessinnenbad“ hat sie die Mädchen ein Stück beim Erwachsenwerden begleitet und daraus ein Dokuportrait gemacht, das von der Offenheit, dem rauen Charme und schlagfertigen Witz der drei lebt. Auf der diesjährigen Berlinale wurde „Prinzessinnenbad“ zum großen Publikumserfolg und gewann den Nachwuchspreis „Dialogue en perspective“.

Webseite: www.prinzessinnenbad.de

Deutschland 2007
Regie: Bettina Blümner
92 Minuten; Farbe
Verleih: Reverse Angel/ Neue Visionen
Kinostart: 31. Mai 2007

PRESSESTIMMEN:

 

Den großmäuligen und schüchternen, angeberischen und zurückhaltenden, witzigen und albernen Freundinnen schaut man ausgesprochen gerne zu. Und bekommt dabei ganz nebenbei noch eine satte Ladung zutreffender Generationsbeschreibung mitgeliefert – Sehenswert.
tip berlin

Ein liebevolles und anrührendes Porträt dreier Menschen an der Grenze zum Erwachsenwerden, frei von pädagogischem Sozialdrama und doch mit einer klaren Botschaft…. Regisseurin Blumner zeigt die Probleme der drei Mädchen mit Gelassenheit und ohne künstliche Dramatik, beschlönigt nichts und vermittelt trotzdem Optimismus. "Prinzessinnenbad" ist ein liebenswerter, kleiner Film für den Sommer.
KulturSPIEGEL

Der um Intimität bemühte Dokumentarfilm wahrt die Balance zwischen Beobachtung und Intervention und schafft doch auch Identifikationsflächen. Mitunter clipartig montiert, ist er zudem eine Liebeserklärung an den multikulturellen Berliner Stadtteil Kreuzberg.
film-dienst

Eine komische, ziemlich zärtliche Dokumentation.
Der Spiegel

FILMKRITIK:

Wenn im Sommer die Sonne knallt, treffen sich Klara, Mina und Tanutscha oft im Berliner Prinzenbad. Dort sonnen sie sich, albern rum und quatschen zusammen über Jungs oder was sonst gerade so interessant ist. Die drei Mädchen kennen sich schon aus dem Kinderladen im lebendigen Kreuzberger Kiez rund um das Kottbusser Tor, wo Kulturen aufeinander prallen, die Arbeitslosigkeit aber auch hoch ist und die Zukunftsperspektiven nicht unbedingt rosig sind. Abschrecken lassen sich die 15-Jährigen davon nicht. 

Für ihr Dokuportrait „Prinzessinnenbad“ hat Filmemacherin Bettina Blümner die Teenies ein Stück beim Erwachsenwerden begleitet – ins Freibad, in die Parks, nach Hause oder in die „Schwänzerschule“. Dabei kommt sie ihnen zwar sehr nah, aber doch nie so nah, dass die Mädchen durch ihre Offenheit bloßgestellt werden. Die Ehrlichkeit, mit der sie vor der Kamera auftreten, ist vielmehr eine der Stärken dieses Films und der Teenager, die keinesfalls auf den Mund gefallen sind. „Ich komm aus Kreuzberg, du Muschi“, ruft Tanutscha einem Typen beim Telefonchat in den Hörer. Sehr direkt sind sie, schlagfertig und schon früh abgehärtet auf dem rauen Kreuzberger Pflaster – aber doch verletzlich oder nachdenklich, wenn sie ihre Situation kommentieren, den unmöglichen Freund der Mutter oder das Klara irgendwelche Pillen ausprobiert. 

Auch wenn sich langsam ganz unterschiedliche Lebenswege abzeichnen, ist ihre Freundschaft noch ganz eng und wenn es Probleme gibt, fangen sie sich auch gegenseitig etwas auf. Patchworkfamilien und Multi-Kulti sind in ihren Leben auf ganz selbstverständliche Weise Wirklichkeit geworden: Ihre Mütter sind überwiegend allein erziehend. Der Vater von Mina ist Italiener, der von Tanutscha Iraner. Der neue Freund von Minas Mutter ein Englisch sprechender Schwarzer und Klara steht vor allem auf türkische und arabische Jungen, auch wenn die Arschlöcher seien. „Ich stehe eben auf Arschlöcher“, sagt sie. Deutsche sind ihr einfach zu langweilig. 

Die Eindrücke, die die Kamera zwischendurch immer wieder einfängt, haben bisweilen zwar einen starken Hang zur Großstadtromantik, wenn etwa hinter der überirdischen U-Bahn und zu deutschem HipHop die Sonne über Berlin untergeht. Die Mädchen mit ihrer unverstellten Art und ihrem entwaffnenden Witz machen das allerdings wieder wett. Es ist kein Problemfilm über das Aufwachsen im Problembezirk. Klara und die anderen begegnen den Unwägbarkeiten in ihren Leben trotz einiger Unsicherheiten auf ganz spielerische Weise – und „Prinzessinnenbad“, der auf der diesjährigen Berlinale das Publikum begeisterte und den Nachwuchspreis „Dialogue en perspective“ gewann, zeigt das mit rauem, urbanem Charme.

 

Sascha Rettig

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Drei fünfzehnjährige Mädchen aus Berlin-Kreuzberg: Klara, Mina und Tanutscha. Bettina Blümner hat eine Langzeitdokumentation über sie gedreht. Ab und zu sind sie, wenn schönes Wetter ist, im Prinzessinnenbad anzutreffen. Doch das ist nur der Aufhänger des Films.

Dahinter ist er ein modernes Charakter- und Zeitbild über heutige Großstadtmädchen, über Berlin, über ein bestimmtes Stadtviertel. Eines frappiert und bestätigt sich am meisten: Die Pubertät und das Erwachsenwerden, ob real oder nur erträumt und herbeigesehnt, setzt nun um Jahre früher ein als noch in den 70ern und 80ern.

Klara, Mina und Tanutscha leben ganz schön frei dahin. Die Schule und Ausbildung werden zwar wahrgenommen, aber nur in zweiter Linie. Der Wert dieser Lebensstufen ist noch nicht erkannt. In erster Linie geht es um persönliche Freiheit – eine der Mütter: „Nur Heroin und Schwangerschaft sind tabu.“ -, um die Freundschaft der drei, um Spaß, um Partys, ums Ausgehen am Abend und in der Nacht, um die deutschen Kerle, um die Türken, um die richtige Liebe (zwischen Mina und George), ums Rauchen, ums Trinken, ums Kiffen. So geht das Tag für Tag. Es ist eine heftige Phase. Dass sie aber eines Tages vorübergehen wird und Verantwortung sich aufdrängt, wird bereits angedeutet.

Eine zwingende formale Struktur ist in diesem Film nicht zu erkennen, doch Bettina Blümner liefert interessantes und aufschlussreiches Dokumentarmaterial. Schon allein wie die jungen Damen daherreden, ist eine Untersuchung durch Sprachforscher wert (Tanutscha: „Ich finde Öko Scheiße“). Symptomatisch auch das Verhältnis zu den Eltern. Bezugspersonen sind die Mütter. Die Väter sind über alle Berge. Heutiges Dasein.

Ein Langzeitdokument über die Pubertät und das Erwachsenwerden von drei Kreuzberger Mädchen. Entwaffnend ehrlich und insofern auch lehrreich, von der Frühreife, der Schläue, der Lebendigkeit, der Sprache und dem Witz der Protagonistinnen geprägt.

Thomas Engel