Puppenschau: Kalif Storch

Märchen in 3D. Das ist das Konzept der PUPPENSCHAU, die mit „Kalif Storch“ das erste Puppentheaterstück auf die Leinwand bringt. Eine Inszenierung des Bad Tölzer Marionettentheaters wird dabei fast eins zu eins auf die Leinwand transportiert, nur selten mit filmischen Mitteln unterstützt, so dass ganz die Geschichte und die kunstvoll geschnitzten Marionetten im Mittelpunkt stehen.

Webseite: www.puppenschau.de

Deutschland 2012 – Marionettenfilm
Regie: Albert Maly-Motta & Paul Stutenbäumer
Buch: Elga Blumhoff-Schadt, nach der Märchen von Wilhelm Hauff
Länge: 63 Minuten
Verleih: neueskino Filmverleih, Vertrieb: Barnsteiner Film
Kinostart: 28. Februar 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Nicht filmische Adaptionen von Märchenklassikern wird die Puppenschau in den nächsten Monaten und Jahren ins Kino zu bringen, sondern behutsam fürs Kino aufbereitete Bühnenaufführungen. Dabei setzt das Team um die Regisseure Albert Maly-Motta und Paul Stutenbäumer auf die Faszination des Puppenspiels, das ganz im Mittelpunkt der Inszenierung steht. Demnächst werden Aufführungen ins Kino kommen, in denen Stab- bzw. Handpuppen zum Einsatz kommen, den Anfang macht jedoch „Kalif Storch“, basierend auf dem Märchen von Wilhelm Hauff, das vom Bad Tölzer Marionettentheater aufgeführt wird.

In der Bühnenfassung von Elga Blumhoff-Schadt bekommt Hauffs exotisches Märchen eine in München spielende Rahmenhandlung verpasst: Als Strafe für eine schlechte Klassenarbeit muss Pepperl den Dachboden aufräumen. Dort findet er ein altes Zauberbuch, dessen Geheimnisse Pepperl unbedingt ausprobieren möchte. Sein Freund, der Kasperl, fackelt nicht lang und schon wird aus einem alten, verstaubten Teppich ein fliegender Teppich, der die beiden Freunde in die arabische Wüste bringt. Dort suchen sie erst mal ein Wirtshaus, finden stattdessen jedoch die drei Zauberer Mirza, Achmet und Abdul und belauschen deren Plan, den Kalif von Bagdad in ein Tier Storch zu verwandeln. Ein Schicksal, dass bald auch die beiden neugierigen Freunde erleiden: Kasperl wird zum Storch und Pepperl zu einem kleinen Frosch.

Schnell wollen die Freunde nach Bagdad fliegen, um den Kalif zu waren, doch zu spät: Auch der Kalif und sein Groswesir finden sich auf dünnen Beinen und mit langem Schnabel wieder. Hilfe verspricht eine Eule, die ebenfalls von den Zauberer verwandelt wurde, den Freunden aber dabei hilft, das geheime Passwort zu erfahren, mit deren Hilfe sich alle wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurückverwandeln. Aus Dankbarkeit für ihre Hilfe, schenkt der Kalif Kasperl und Pepperl Kamele und Gold und die beiden Freunde kehren nach München zurück.

Neben dem archivarischen Effekt, die langsam aussterbende Kunstform des Puppentheaters in all ihrer Vielfalt festzuhalten, geht es den Initiatoren der Puppenschau vor allem darum, den überproduzierten Animationsfilmen entschleunigte Bilder entgegenzusetzen. Dementsprechend zurückhaltend fällt daher auch der 3D Effekt auf, der eigentlich kaum wahrnehmbar ist. Zumal sich die filmische Inszenierung auf einige Überblendungen bei den Verwandlungsszenen beschränkt und meistens eine theatertypische Frontalperspektive dominiert. Ganz auf das Spiel der Figuren zugeschnitten ist also „Kalif Storch“, ganz auf die kunstvoll geschnitzten Marionetten, die farbenfrohen Kostüme und sparsam, aber effektiv dekorierten Szenarien.

Angesichts der auch beim Kinderfilm zunehmend festzustellenden Überwältigungsästhetik in Bild, Geschichte und Ton, mutet „Kalif Storch“ wie ein Anachronismus an. In kaum mehr als 60 Minuten wird eine einfache, klare Geschichte erzählt, die sich in langen Einstellungen entfaltet und praktisch vollständig auf plakative Momente verzichtet. Das die Tonspur zudem eine 40 Jahre alte Tonaufnahme ist, verleiht dem interessanten Experiment endgültig einen nostalgischen Charme, der sicherlich auch die mit der Augsburger Puppenkiste sozialisierten Eltern erfreuen wird und nicht nur die sie begleitenden Kinder.

Michael Meyns

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