Raving Iran

Anoosh und Arash sind zwei DJs, die für ihre Leidenschaft Kopf und Kragen riskieren. Die beiden jungen Männer sind die Stars der verbotenen Techno-Szene in Teheran. Das ersehnte Visum bringt sie als Gäste nach Zürich zur Streetparade und damit zu einem der berühmtesten House- und Techno-Events der Welt. Die kleine Dokumentation, unter schwierigsten Bedingungen entstanden und daher vom cineastischen Standpunkt eher handwerklich interessant als perfekt durchkomponiert, wendet sich vor allem an ein engagiertes, junges Publikum, das hier die Gelegenheit hat, einen echten Underground-Film zu sehen – und mitzuraven!

Webseite: http://ravingiran-film.de

Schweiz 2016 – Dokumentation
Buch und Regie: Susanne Regina Meures
Länge: 84 Minuten
Verleih: Rise and Shine Cinema
Start: 29. September 2016
 

FILMKRITIK:

Nur unzureichend geschützt von ihren Familien versuchen die beiden Techno-Fans Anoosh und Arash ihren Traum von Freiheit, Kunst und Musik zu leben. Doch genau das ist den beiden Musikern und DJs verboten. Auch wenn sie sich selbst nicht für allzu politisch halten, rüttelt ihre Form des Widerstands an den Grundfesten des streng islamischen Regimes. Arash und Anoosh organisieren Raves in der Wüste oder an geheim gehaltenen Orten in Teheran; sie veröffentlichen unzensierte Alben – all das ist illegal im Iran, wo elektronische Musik als westliche Errungenschaft verpönt ist.

Dass es dennoch eine sehr lebendige Jugendszene gibt, die sich auch durch Verhaftungen und drakonische Strafen nicht vom Raven abhalten lässt, zeigt der Film so ganz nebenher. Und das macht Mut. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der beiden Jungs, die es tatsächlich schaffen, eine Einladung zur Streetparade in Zürich zu ergattern. Dort angekommen, tauchen sie sofort und begierig in die Szene ein, die sie nun erstmals live kennenlernen. Natürlich werden sie auch ein wenig herumgereicht, doch ist es weniger der unerwartete Ruhm, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen, als vielmehr die Frage, wie sie sich eigentlich ihre Zukunft vorstellen.
 
Susanne Regina Meures hat ihren Dokumentarfilm mit bescheidenen und außergewöhnlich fantasievollen Mitteln realisiert. Dabei zeigt sie beinahe ebenso viel Mut wie Anoosh und Arash. Teilweise wurde mit Smartphones gedreht, die  meist am Körper versteckt waren. So gibt es heimliche Aufnahmen aus Behörden wie dem „Ministerium für Kultur und islamische Führung“ und Nachtaufnahmen mit Technofans, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden, sowie viele Szenen aus fahrenden Autos, in denen die beiden Jungs ungestört und ohne Verdacht, es könnte jemand mithören, von sich selbst sprechen. Dass die Bildqualität unter diesen Umständen nicht immer überzeugen kann, ist wohl verständlich.

Mit am spannendsten ist es aber, zu sehen, wie viele junge Leute im Iran es gibt, die sich offenbar wenig um die rigiden Vorgaben der allgegenwärtigen politischen und religiösen Kontrollen kümmern. Da rockt und groovt es doch mächtig im Verborgenen. Der Idealismus der beiden sympathischen Protagonisten ist dabei ebenso beeindruckend wie das Engagement, mit dem dieser wahrhaftige, kleine Underground-Film entstanden ist, der es schafft, die lauten Töne ebenso zu treffen wie die leisen, und im Kino dennoch wohl eher ein Nischenpublikum ansprechen wird.
 
Gaby Sikorski