Renoir

Zauberhaft melancholisch und mit großartigen Bildern – so präsentiert Gilles Bourdes seinen Film über Auguste Renoir und seine letzte Muse, die schließlich zu seinem Sohn Jean findet, der später als Filmregisseur weltberühmt werden wird. In der heiteren Landschaft der französischen Mittelmeerküste entwickelt sich die ruhig erzählte Geschichte zwischen dem alten Mann, seinem Sohn und der jungen Andrée, die als Renoirs Modell Eingang findet in die Welt des Künstlers, der wie ein absoluter Herrscher seinen Hofstaat aus Frauen regiert.
Hier kann man so richtig schwelgen: in den Farben des ewigen Frühlings, von dem der alte Renoir nur noch träumen kann, und in der Schönheit der Jugend – verkörpert durch die elfenhaft zarte Andrée. Diese junge Frau ist ein ganz neuer Typ Frau: selbstbewusst, eigensinnig und alles außer angepasst. Der Film ist weit mehr als die Biographie eines bedeutenden Künstlers: eine Sinfonie betörender Bilder.

Webseite: www.arsenalfilm.de

Frankreich 2012
Regie: Gilles Bourdos
Darsteller: Michel Bouquet, Christa Theret, Vincent Rottiers, Thomas Doret, Michèle Gleizer
101 Minuten
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kinostart: neu 14.3.2013

PRESSESTIMMEN:

"…traumhaft fotografiert."
STERN

"Eine zärtliche Reflexion über künstlerische Schaffenskraft und das Alter, ein flirrenden, lebenssattes Fest der Schönheit, getaucht in die klaren Farben der Cote d’Azur. Bei diesem Film waren keine Beleuchter am Werk, sondern Lichtbildner, jede Einstellung ist ein sinnlicher Genuss."
DER SPIEGEL

FILMKRITIK:

Mitten im 1. Weltkrieg, im Jahre 1915, lebt der Maler Auguste Renoir weitab vom Kriegsgeschehen in seinem Anwesen an der Côte d’Azur. Umgeben von zahllosen Frauen – offenbar alles ehemalige Modelle und Geliebte des Meisters – malt er weiterhin, obwohl er seine Hände kaum noch bewegen kann. Die junge Andrée, ein selbstbewusstes Bauernmädchen, braucht Geld und posiert für ihn. Ihre perfekte Schönheit, die milchweiße Haut und das wallende rote Haar inspirieren den alten Mann immer wieder aufs Neue und lassen ihn wie besessen arbeiten. Andrée fühlt sich zwar geschmeichelt, ist aber nicht allzu begeistert von ihrem neuen Job. Der alte Renoir spricht wenig mit ihr über das, was ihn beschäftigt. Er leidet sehr, denn seine Frau ist vor kurzem gestorben und zwei seiner Söhne sind an der Front. Als sein Sohn Jean schwer verletzt heimkehrt, verliebt der sich in Andrée, die seine Liebe erwidert. Jean wird ebenfalls von Andrée inspiriert: Er träumt von einer Karriere als Filmregisseur, mit Andrée als Star.

Licht und Schatten, die beiden Grundaspekte im Film und in der Malerei, bestimmen das Werk von Gilles Bourdos, das sich wohltuend abhebt von üblichen Biopics. Hier wird ein Künstler weder demontiert noch auf Rosen getragen – und eigentlich geht es ebenso um Andrée und Jean wie um Renoir. Da ist auf der einen Seite der besessene Künstler, der sich wie ein orientalischer Herrscher mit seinem Harem umgibt. Er symbolisiert in seiner leidenschaftlichen Egozentrik und seiner Flucht vor der Wirklichkeit einen überholten Künstlertypus, der durch die Schrecken eines furchtbaren Krieges zum Auslaufmodell wird. Auf der anderen Seite steht Andrée – die neue Frau: selbstbewusst, fordernd und willensstark. Und zwischen ihnen Jean, der feinsinnige, neue Mann, der sich zwischen patriarchalisch geprägtem Heldentum und seinem eigenen Wunsch nach Unsterblichkeit entscheiden muss.

Dies ist keinesfalls ein lauter Film, sondern bei aller Dramatik ein meist zartfühlender und eher ruhiger Ausflug in eine vergangene Welt von Kunst und Künstlern, die viel Anrührendes hat: Der alte Mann, der sich unter Schmerzen die Hände verbinden lässt, damit er überhaupt noch seine Pinsel halten kann, erscheint wie ein Gleichnis für die Besessenheit von Menschen, die bereit sind, alles zu geben für ihre Leidenschaft. Und darin gleichen sich die drei Protagonisten: Sie sind bereit, sich selbst und alles andere zu opfern, wenn es um ihre Ideale geht.

Als alter, kranker Renoir, in dem trotz aller Leiden und Schmerzen noch Leidenschaft brennt, überzeugt Michel Bouquet. Anmutig und dennoch mit handfestem, kessen Charme spielt Christa Theret die schöne Andrée. Der hübsche Vincent Rottiers verleiht Jean Renoir die genau richtige Dosis Melancholie zur jugendlichen Kühnheit.

Ein überzeugender Film für alle, die sich auf schöne Bilder und eine gelassen erzählte Geschichte einlassen wollen. Es lohnt sich!

Gaby Sikorski

Die letzten Jahre des Malers, des Meisters des französischen Impressionismus (1915-1919). Er leidet beileibe nicht an Armut, aber am Tod seiner geliebten Frau und an einer fürchterlichen Polyarthritis. Wenigstens hat er in seinem wunderbaren Anwesen in Südfrankreich vier dienstbare weibliche Geister um sich, die ihn pflegen können. Sie waren, wird geflüstert, alle einmal seine Modelle. Der jüngste Sohn, Coco genannt, ist auch noch da. Ein anderer Sohn, Jean, befindet sich im Krieg, wird verwundet und kommt auf Genesungsurlaub.

Jetzt sucht Renoir wieder ein neues Modell. Andrée, Dedée genannt, meldet sich. Sie ist ein außergewöhnlich perfekt geformtes junges Mädchen, ein ideales und von nun an immer anwesendes und verfügbares Modell. Renoir malt von ihr wunderschöne Bilder.

Das alltägliche Leben: die Sitzungen, die Ausflüge, die Linderung der furchtbaren Schmerzen, die Gespräche, die Mahlzeiten, die Nächte, die freie Zeit, die ersten Filmvorführungen – alles umgeben von einer traumhaften Landschaft.

Jean ist ein zurückhaltender Jüngling. Dedée, die kokette, die ehrgeizige, die freche, die schlaue, umwirbt ihn. Langsam keimt Jeans Liebe. Nach längerer Zeit heiraten sie. 1979 sterben beide – allerdings schon lange wieder getrennt. Jean Renoir wird einer der bedeutendsten Filmregisseure seiner Zeit.

Die Handlung könnten manche für zu phantasielos halten – sie ist es in Wirklichkeit nicht. Doch ist das Wichtigste an diesem Film der ästhetische Genuss. Eine Aufnahme schöner als die andere. Die Kamera ahmt immer wieder Renoirs impressionistischen Bildstil nach – eine sehenswerte Angelegenheit.

Michel Bouquet gibt einen eindrucksvollen, überzeugenden alten Renoir. Es ist bewegend, sein Wesen und seine Arbeit zu verfolgen. Die Darstellerin der Andrée spielt sehr keck. Sie hat jedoch eine einnehmende Leinwandpräsenz – abgesehen davon, dass sie schön anzuschauen ist.

Thomas Engel