Rettet Raffi

Sammy und Raffi, ein Kind und sein Hamster. Eine tiefe Freundschaft verbindet die beiden, die in Arend Agthes Kinderfilm „Rettet Raffi!“ viele Abenteuer überstehen müssen, bis sie nach langer Trennung wieder vereint sind. Meist ist das Abenteuer dabei überzeugend kindlich und imaginiert die Welt aus der Sicht eines Kindes.
 
Webseite: www.rettet-raffi.de

Deutschland 2014
Regie: Arend Agthe
Buch: Bettina Kupfer & Arend Agthe
Darsteller: Nicolaus von der Recke, Sophie Lindenberg, Philipp Schmitz-Elsen, Henriette Heinze, Bettina Kupfer, Albert Kitzl
Länge: 90 Minuten, FSK: ab 0
Verleih: MFA+, Vertrieb: Die Filmagentinnen
Kinostart: 22. Oktober 2015
 

Auszeichnungen:

Publikumspreis Kinderfilmfest München 2015

Filmtipp der FBW-Jugend-Filmjury

FILMKRITIK:

Sammy (Nicolaus von der Recke) ist acht Jahre alt, ein wenig introvertiert – und hängt an seinem Hamster Raffi. Den hat ihm sein Vater geschenkt, der gerade eine Auszeit von der Familie nimmt und in Afghanistan als Arzt arbeitet. So muss sich Sammy allein mit seiner großen Schwester Molly (Sophie Lindenberg) rumstreiten, die sich lieber um Make Up und Haare kümmert als um ihren kleinen Bruder. Auch ihre Mutter Helene (Henriette Heinze) hat viel zu tun und müht sich redlich, ihren beiden Kindern trotz allem ein angenehmes zu Hause in Hamburg zu bereiten.

Die ganzen häuslichen Aufregungen scheinen Raffi jedoch zugesetzt zu haben: Der Hamster hat Herzprobleme und braucht einen Bypass. Der ist zwar viel teurer als ein neuer Hamster, doch die OP wird gemacht. Auf dem Nachhauseweg jedoch beginnt ein neues Unglück: Das Familienauto wird vom gerade aus dem Knast gekommenen Ganoven Rocky (Albert Kitzl) gestohlen, sehr zum Unwillen seiner Freundin Miranda (Bettina Kupfer), die allerdings begeistert von Raffi ist. Der findet sich nun im Besitz fremder Menschen wieder, während Sammy an nichts anderes mehr denken kann als die Rettung seines Freundes.

Was Sammy und Raffi bei dieser Rettungsaktion erleben, ist aus erwachsener Sicht betrachtet wenig glaubwürdig konstruiert: absurd anmutende Zufälle führen Raffi in ein Fernsehstudio, wo er zum Star einer TV-Show wird, während in ganz Hamburg kaum mehr als zehn Menschen zu leben scheinen, die alle auf geradezu wundersame Weise miteinander verbunden sind. Als kindlichen Blick auf die Welt möchten Regisseur Arend Agthe und seine Co-Autorin Bettina Kupfer dies verstanden wissen, als reduzierte Perspektive, in der die Komplexität der Welt noch keine Rolle spielt und alles irgendwie einfacher funktioniert. Und auch wenn die Geschichte und ihre Wendungen oft hanebüchen wirkt, muss man zugestehen, dass sie aus kindlicher Sicht wohl funktioniert.

Zu diesem Ansatz passt schließlich auch der Versuch, die Charaktere in groben Zügen zu zeichnen, immer ein wenig dick aufzutragen, die Besonderheiten der Figuren fast bis zur Karikatur zu überzeichnen. Sammy Schwester Molly etwa spricht fast jeden Satz mit der typischen schnippisch-genervten Betonung eines Teenager-Mädchens, während der Ganove Rocky zwar der nominell „Böse“ ist, aber eigentlich eher ein ungeschickter Gauner.

So amüsant die menschlichen Charaktere oft auch agieren, der eigentliche Star des Films ist der Hamster Raffi. In etlichen Szenen stehen die Abenteuer von Raffi im Mittelpunkt, wird der Hamster von einer Hafenkatze verfolgt, flüchtet sich in eine Dose, die zu eng für die Tatzen der Katze ist, nimmt ein unfreiwilliges Bad in der Elbe und klettert geschickt in die Freiheit. Viel Zeit haben Aghte und sein Team mit diesen Hamster-Momenten verbracht, die nur in Ausnahmefällen auf Computereffekte zurückgreifen und gerade dadurch so überzeugend wirken. Dies sind die schönsten Momente in „Rettet Raffi!“, einem ganz auf den kindlichen Blick zugeschnitten Film über die Freundschaft zwischen Kind und Hamster.
 
Michael Meyns