Rico, Oskar und der Diebstahlstein

Zum dritten und letzten Mal erleben Rico und Oskar ein aufregendes Abenteuer, dass sie auf der Suche nach einem wertvollen Stein von Berlin bis an die Ostsee führt. Wie in Teil Eins führt in "Rico, Oskar und der Diebstahlstein" erneut Neele Leana Vollmer Regie, die die erfolgreiche Kinderfilmreihe zu einem sehenswerten Abschluss führt.

Webseite: www.ricoundoskar-diefilme.de

Deutschland 2016
Regie: Neele Leana Vollmer
Buch: Martin Gypkens, nach dem Kinderbuch von Andreas Steinhöfel
Darsteller: Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth, Ronald Zehrfeld, Ursela Monn, Henry Hübchen, Detlev Buck, David Kross, Jacob Matschenz, Heike Makatsch, Katharina Schüttler
Länge: 95 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 28. April 2016

FILMKRITIK:

In der Berliner Dieffenbachstraße lebt der tiefbegabte Rico (Anton Petzold) mit seiner Mutter Tanja (Karoline Herfurth). Und auch Ricos bester Freund, der hochbegabte Oskar (Juri Winkler) lebt inzwischen mit seinem Vater Lars (Detlev Buck) in einer Nachbarswohnung. Es ist Sommer und Tanja fährt mit ihrem Verlobten Bühl (Ronald Zehrfeld) in den Urlaub. Fast ganz allein verbringen Rico und Oskar nun ihre Zeit, stets begleitet von ihrem Hund Porsche.
 
Als eines Tages der hypochondrische Nachbar Fitzke (Milan Peschel) stirbt, wird Rico Erbe der Stein-Sammlung Fitzkes. Doch auch einige finstere Gestalten scheinen Interesse an den Steinen zu haben, besonders einem Rubin, der sich unter den ansonsten wertlosen Steinen befinden soll. Als Ricos Lieblingsstein, der "Kalbstein", gestohlen wird, macht sich das Duo auf die Suche und verfolgt die Täter bis an die Ostsee. Ein letztes großes Abenteuer beginnt, dass nicht nur ihren Spürsinn auf die Probe stellt, sondern auch ihre Freundschaft.
 
Bevor die Hauptdarsteller in die Pubertät kommen endet mit "Rico, Oskar und der Diebstahlstein" eine bemerkenswert erfolgreiche Kinderfilm-Trilogie, die zum Abschluss viele lose Fäden zum Abschluss bringt. Ricos Mutter hat mit dem Polizisten Bühl endlich einen Mann gefunden und Rico damit den lange herbeigesehnten Ersatzvater. Doch diese Erwachsenen verschwinden schon nach wenigen Minuten aus der Geschichte und überlassen die Kinder weitestgehend sich selbst. Denn Oskars Vater Lars (Neuzugang Detlev Buck in einer für Bucks Verhältnisse erstaunlich ernsthaften Rolle) ist zwar da, kümmert sich aber kaum um den Sohn.
 
Vernachlässigt fühlt sich Oskar, während sich Rico, der bisweilen etwas langsam und kompliziert denkt, manchmal nicht ganz für voll genommen fühlt. Aus dieser Konstellation entstehen die Konflikte, die unterschwellig angedeutet werden und zu kleinen Problemen zwischen Rico und Oskar führen, deren Lösung zu den schönsten Momenten des Films zählen. Gerade das sich die beiden Kinder oft viel erwachsener verhalten, als die sie umgebenden Erwachsenen macht dabei den Reiz aus. Während gerade Henry Hübchen oder Ursula Monn, aber auch Milan Peschel überdreht, fast grotesk spielen, verlieren Rico und Oskar nie die Bodenhaftung.
 
Rico mag zwar ein wenig wunderlich sein und auch Oskar ist mit seinem Tick, ständig Helm oder Mütze tragen zu müssen, auch nicht gerade durchschnittlich, doch Neele Leana Vollmer gelingt es, diesen kindlichen Blick einzunehmen, ohne die Balance zu verlieren, ohne albern oder infantil zu werden. Ein bisschen schade ist es angesichts all dieser Qualitäten dann schon, dass nach diesem "Rico und Oskar"-Abenteuer wohl Schluss ist, aber vielleicht überdenken die Macher ihre Entscheidung ja auch noch einmal.
 
Michael Meyns