Rico, Oskar und die Tieferschatten

Basierend auf den erfolgreichen Kinderbüchern inszeniert Neele Leane Vollmar in "Rico, Oskar und die Tieferschatten" mit zwei quirligen jungen Hauptdarstellern und einer ganzen Riege bekannter erwachsener Schauspieler – inklusive einem genailen Gastauftritt von Anke Engelke – einen außerordentlich sehenswerten Kinderkrimi, der auf originelle Weise die Konventionen des Genres Kinderfilm variiert.

Webseite: www.ricoundoskar-derfilm.de

Deutschland 2014
Regie: Neele Leane Vollmar
Buch: Andreas Bradler, Klaus Döring, Christian Lerch, Neele Leane Vollmar, nach dem Kinderbuch von Andreas Steinhöfer
Darsteller: Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth, Ronald Zehrfeld, Ursula Monn, David Kross, Axel Prahl, Milan Peschel
Länge: 93 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 10. Juli 2014

Pressestimmen:

"Das Kinder- und Jugendbuch von Andreas Steinhöfel war in Deutschland ein großer Erfolg. Neele Leana Vollmar hat diese Vorlage nun in ein frisch fröhliches Kino-Abenteuer für Kinder ab dem Grundschulalter verwandelt. In jeder Sekunde sprüht der Film vor Spaß, Spannung und guter Laune. Im bunt zusammen gewürfelten Erwachsenenensemble zeigt jeder Darsteller, von Axel Prahl bis hin zu Ronald Zehrfeld, wie viel Spaß ihnen ihre Rollen gemacht haben. (…) Ein spritziger, spannender und beschwingt erzählter Kinderfilm, der nicht nur Kinder begeistert. – Prädikat: Besonders wertvoll!"
FBW

"Nach dem viel geliebten Kinderbuch von Andreas Steinhöfel… eine außergewöhnlich geglückte Verfilmung… Fantasievoll, rührend, lustig. Einfach schön."
KulturSPIEGEL

"Die vielen tollen Einfälle und Dialoge stammen aus der preisgekrönten Buchvorlage von Andreas Steinhöfel, die Regisseurin Neele Leana Vollmar federleicht auf die Leinwand gebracht hat. Der perfekte Sommerferienfilm!"
Brigittte

FILMKRITIK:

Im Gegensatz zu so ziemlich allen Kindern unserer Zeit ist der kleine Rico (Anton Petzold) nicht hochbegabt, sondern tiefbegabt. So bezeichnet zumindest seine Mutter (Karoline Herfurth) die bisweilen etwas eigenwilligen Gedankengänge ihres Sprösslings. Gerade Zahlen oder eigentlich einfache Dinge wie rechts oder links verwirren Rico schnell und bringen ihn in Schwierigkeiten. Doch dafür ist Ricos Phantasie überaus ausgeprägt und lebhaft. Die Schatten im verfallenen Hinterhaus etwa bezeichnet er als Tieferschatten, doch wie sehr er damit richtig liegt, wird er erst am Ende seines Abenteuers erkennen.
 
An dessen Anfang steht das Kennenlernen von Oskar (Juri Winkler), der mit allerlei merkwürdigem Wissen nicht nur die Erwachsenen irritiert. Auf der Straße in Ricos Kreuzberger Kiez lernen sich die beiden ungewöhnlichen Jungs kennen, die gleichermaßen unterschiedlich sind und sich doch ergänzen. Denn wo Oskar manchmal zu clever ist, ist Rico furchtlos und neugierig. Der ständig mit einem Helm rumlaufende Oskar hat dagegen Angst vor allem möglichen, nicht zuletzt davor, von seinem Vater nicht geliebt zu werden. Diese Sorge hat Rico zwar nicht, seine Mutter vergöttert ihn, doch lässt sie ihn oft allein zurück und arbeitet nachts in einer Bar. Als da der neue Nachbar Westbühl (Ronald Zehrfeld) an der Tür klingelt, wittert Rico gleich die Chance, endlich einen neuen Vater zu bekommen.
 
Doch bis es soweit ist, muss erst noch das Rätsel des 2000-Euro-Entführers gelöst werden. Der treibt in diesen Wochen in Berlin sein Unwesen, entführt kleine Kinder und lässt sie nur gegen ein vergleichsweise geringes Lösegeld frei. Als auch Oskar Opfer des Entführers wird, setzt Rico all seine Energie in die Lösung des Rätsels, denn die Spur führt in sein Haus. Ist möglicherweise der grantige Fitzke (Milan Peschel) in die Entführungen verwickelt oder doch Marrak (Axel Prahl), der Mann mit den vielen Schlüsseln?
 
Ganz aus kindlicher Perspektive inszeniert Neele Leane Vollmar ihren Film, fügt Animationssequenzen ein und visualisiert die besondere Gedankenwelt Ricos als phantasievollen Blick auf eine ganz eigene Welt. Denn Rico mag zwar etwas langsam im Kopf sein, doch dafür sieht er die Welt mit eigenen Augen, fast so wie die legendäre Amelie, auf deren Abenteuer die Musik einmal direkt anspielt. Ganz dem kindlichen Blick entsprechend sind auch die erwachsenen Figuren allesamt mehr oder weniger überzeichnet, bisweilen gar ins Karikaturenhafte.
 
Dennoch sind Ricos Abenteuer keineswegs albern. Geschickt bewegt sich Vollmar zwischen eher komischen Episoden und ernsthafteren Momenten, in denen kleine Risse hinter der sonnigen Fassade zum Vorschein treten. So selbstständig Rico meist auch ist, bleibt er eben doch ein kleiner Junge, der von seiner alleinerziehenden Mutter oft allein gelassen wird und sich nach einem Freund sehnt. Wie sich Rico und Oskar finden und ihre Gegensätze überwinden erzählt Neele Leana Vollmer auf sympathische, unterhaltsame Weise, die "Rico, Oskar und die Tieferschatten" zu einem so außerordentlichen Kinderfilm macht.
 
Michael Meyns